Gewerkschafts-Studie

11. November 2019 09:26; Akt: 11.11.2019 10:33 Print

Fast jeder Zweite fühlt sich im Job gestresst

Angestellte bewerten die Arbeitsbedingungen im Job zunehmend kritischer. Der Druck nehme zu, sagen die Gewerkschaften und fordern Massnahmen.

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Unzufrieden mit dem Einkommen, Angst um den Arbeitsplatz, wenig Unterstützung bei der Weiterbildung: Im repräsentativen «Barometer Gute Arbeit» des Gewerkschaft-Dachverbands Travail Suisse und der Berner Fachhochschule bewerten Schweizer Angestellte die Arbeitsbedingungen in ihrem Job kritisch.

Umfrage
Fühlst du dich im Job häufig gestresst?

Die fünfte Ausgabe der Befragung zeige eine «kontinuierliche Verschlechterung», schreibt die Gewerkschaft. 2019 werde lediglich eines von 20 Kriterien positiver beurteilt als im Vorjahr – mehr als die Hälfte der Kriterien erziele gar die tiefsten Werte der letzten fünf Jahre.

Oft oder häufig gestresst

Die grössten Probleme sind für Angestellte Stress, Termindruck und emotionale Erschöpfung. Laut neuster Befragung fühlen sich 42,3 Prozent der Arbeitnehmenden oft oder sehr häufig gestresst. Das entspricht einer Zunahme von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nur 6,7 Prozent fühlen sich gar nie durch die Arbeit gestresst. «Ein Zusammenhang mit den hohen und zunehmenden Überstunden in der Schweiz scheint plausibel», schreiben die Studienautoren. In den fünf Erhebungen wurde die Gesundheitsdimension noch nie so schlecht bewertet wie dieses Jahr.

Daneben, dass sich 78,1 Prozent der Arbeitnehmenden Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, ist auch die Unzufriedenheit mit dem Lohn gestiegen. 12,4 Prozent halten ihr Einkommen für nicht (mehr) angemessen. 2016 waren es noch 9,4 Prozent. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird schlechter beurteilt: Rund jeder Vierte berichtet von entsprechenden Problemen – gegenüber 2015 ein Plus von 4,5 Prozent.

Gewerkschaft kritisiert Flexibilisierung der Arbeitszeit

«Der Druck auf die Arbeitnehmenden wird immer höher und psychosoziale Belastungen wie Stress oder emotionale Erschöpfungszustände nehmen zu», sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail Suisse. Durch die Flexibilisierung der Arbeitszeiten verlören die Arbeitnehmenden die Hoheit
über ihre Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben wird zusätzlich erschwert.

Eine Veränderung stellten die Forscher auch bei den Weiterbildungsmöglichkeiten fest. «Der Anteil der Arbeitnehmenden, die betreffend Weiterbildung keine oder eine aus ihrer Sicht unzureichende Unterstützung erhalten, ist 2019 erstmals grösser als der Anteil der Personen, die in hohem Mass gefördert werden.» Rund ein Viertel gibt an, vollständig oder teilweise auf Unterstützung bei der Weiterbildung verzichten zu müssen.

Fühlen Sie sich im Job gestresst? Kommen Sie häufig an Ihre Grenzen? Erzählen Sie uns von ihrem Arbeitsalltag.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto81 am 11.11.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Einblick

    Personal mangel aber niemand wird eingestellt... leute kündigen und werden nicht ersetzt ihre Arbeiten werden dan einfach auf die übrigen Mitarbeiter übergeben... das Arbeitsvolumen nimmt stetig zu.... an den Mitarbeitern wird jedoch gespart.... mitarbeiter werden nicht ersetzt.... projekte werden gestartet damit es weniger personal braucht.... schlussendlich benötigt es aber mehr personal.... das jedoch nicht vorhanden ist.... Und dan halt noch die unterschiede zwischen Teppichetage und Betrieb....

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  • Normalo am 11.11.2019 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Leider so

    Das Hobby der Schweizer ist so oder so, sich durch alles und jeden stressen zu lassen. Man regt sich auch über alles künstlich auf, was doch eigentlich oft nicht der Rede wert ist. Man schaue nur hier die Kommentare. Oftmals künstlich aufregen. Besser etwas entspannter an den Tag gehen, damit man auch noch die Energie und nerven hat, wenn sie wirklich gebraucht werden. Manchmal hat man das Gefühl, dass man eine solche Einstellung gar nicht hören will.

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  • De.Dorftrottel. am 11.11.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Heitere-Fahne.

    Ich gehe jetzt, in die Znüni-Pause.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Carrie am 12.11.2019 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde mich auch gestresst fühlen...

    wenn ich mein Handy nachts neben dem Bett liegen hätte und mich das Gefühl nicht losliesse, auf jeden noch so sinnlosen Post reagieren zu müssen, weil ich krankhaft davon überzeugt bin, etwas zu verpassen. Die Kombination Stress und heutige Gesellschaft sollte schon realistisch betrachtet und relativiert werden.

  • L T am 12.11.2019 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Die Arbeitswelt im Umbruch.

    Die neue Generation ist in Ihrer Arbeitswelt angekommen ( Probleme mit Ihren Lebenseinstellungen selbst gemacht ) und für die verwöhnte nächste Generation wird's noch schlimmer kommen. Ich ahne Böses, Chaos vorprogrammiert. Ich ahne es, viele Daumen runter.

  • Vreni Ott am 12.11.2019 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nur logisch wer denken will!

    Ich denke, wir jammern auf sehr hohem Niveau, vor allem, wenn wir uns mit den Asiaten oder Arbeitern in Minen auf der ganzen Welt vergleichen. Wer immer mehr Lohn wünscht, der muss in Kauf nehmen, dafür auch immer mehr und schneller arbeiten zu müssen. Oder wie soll erklärt werden, dass bei uns eine Arbeitsstunde 2 bis 100 fach teurer kommt als im Ausland? Auch punkto Qualität werden wir immer mehr eingeholt. Wir leben nicht im Paradies sondern auf einer gemeinsamen Erde, wo alles austauschbarer und vergleichbarer wird. Oder nicht?

    • N.Ursing am 12.11.2019 15:37 Report Diesen Beitrag melden

      Generation Blablablabla.

      Ja mehr Lohn wird gewünscht für tatsächlich mehr und schnellere Leistung z.b. im Pflegeberuf.Und gehen wir zur Arbeit sagen wir "ab in den Stollen" also gut vergleichbar mit einer Mine.Und gejammert wird schon lange nicht mehr.Wir schütteln sprachlos die Köpfe wenn wieder einmal haarscharf -ohne Qualität - an einer Katastrophe vorbeigeschlittert ist weil es so Leute gibt wie sie die (noch) von paradiesischen Zuständen reden und nicht in der Realität leben.

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  • Joshi am 12.11.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Viele

    verkaufen sich bei einem Bewerbungsgespräch auch viel besser, als dass sie sind und können alles. Wundert mich eigentlich nicht, dass solche nach einer Einstellung dann plötzlich stress bekommen.

  • Ich bin am 12.11.2019 04:56 Report Diesen Beitrag melden

    besser als du

    Das Problem in der Schweiz ist,dass die Menschen sich einbilden das Leben währt ewig.Sie vergeuden zuerst die hälfte des Lebens mit Schule,Ausbildung,Studium..nur um dann Vorgesetzter zu werden und andere zu erniedrigen.Meistens sind die selber nicht mit ihrem Leben zufrieden.Denn die nicht studierten konnten ihre Jugend geniessen und diesen Neid bekommen die Angestellten zu spüren.Die Angestellten leiden darunter weil sie nicht geschätzt und nur ausgenutzt werden.Wir sollten dafür sorgen dass jeder Job gut bezahlt wird denn so denkt nicht jeder er muss studieren um etwas zu erreichen.

    • Naja am 12.11.2019 10:00 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Die Behauptung, dass Leute ihre Jugend nicht geniessen konnten, ist absoluter Blödsinn. Ich habe gerne studiert. Das Geld war halt knapp. Trotzdem konnte ich diese Zeit sehr geniessen. Aus mir wäre ein katastrophaler Handwerker geworden. Dort habe ich kein Talent. Ein KV wäre vielleicht eine Option gewesen. Aber es war für mich immer klar, dass ich studieren werde. Ich glaube eher, dass bei dir eine deutliche Portion Neid gegen Leute die studiert haben, vorhanden ist.

    • Jedem das seine am 12.11.2019 17:36 Report Diesen Beitrag melden

      @ Naja

      Das Problem bei den Studierten ist, das Sie nach dem Studieren weniger können als vorher. Das trifft natürlich nicht auf alle zu.

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