Lohndumping

23. April 2009 09:09; Akt: 23.04.2009 14:01 Print

Fast jeder zehnte Betrieb zahlt zu tiefe Löhne

Die Befürchtungen, dass nach der Einführung der Personenfreizügigkeit Lohndumping um sich greift, ist offenbar unbegründet. Im Gegenteil: Weil nun vermehrt kontrolliert wird, fliegen auch Lohnsünder in Branchen mit vermeintlich sicherem Grundeinkommen auf.

Zum Thema
Fehler gesehen?

8 Prozent jener Betriebe, die Arbeitnehmer in die Schweiz schicken, unterboten letztes Jahr die orts- und branchenüblichen Lohnbedingungen oder die Mindestlöhne. Das sind trotz gesteigerter Kontrollen durch die Kantone oder Tripartiten Kommissionen gleich viele wie 2006/2007. Bei den kantonal kontrollierten Schweizer Arbeitgebern gingen die Lohnunterbietungen von 8 auf 4 Prozent zurück.

Mehr Verstösse in GAV-Branchen

Deutlich höhere Quoten bei den Lohnverstössen meldeten nach SECO- Angaben die Paritätischen Kommissionen, welche die Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen (GAV) kontrollieren. 19 Prozent der so genannten Entsendebetriebe hielten die GAV-Lohnbedingungen nicht ein. Das sind allerdings 17 Prozent weniger als 2006/2007.

Die Verstossquote bei Schweizer Arbeitgebern im GAV-Bereich nahm von 18 auf 26 Prozent zu. Dies sei ebenso wie bei den Entsendebetrieben auf die detaillierteren Kontrollen bei diesen Firmen zurückzuführen sowie auf die Tatsache, dass oft aufgrund konkreter Verdachtsmomente kontrolliert werde, erklärte Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit im SECO, die Diskrepanz vor den Medien in Bern.

Verstösse gegen GAV-Lohnbestimmungen seien zudem leichter dingfest zu machen. In Branchen, wo es um orts- und branchenübliche Löhne gehe, sei der Ermessensspielraum grösser.

Verstärkte Kontrollen

Im vergangenen Jahr nahmen die Kontrollen stark zu. Bei den Entsendebetrieben fanden 33 Prozent mehr Kontrollen statt. Damit wurde fast die Hälfte der knapp 64 000 so genannten entsandten Arbeitskräfte kontrolliert.

Bei den Schweizer Arbeitgebern hingegen gingen die Kontrollen um ein Prozent leicht zurück. Im Gegenzug stieg die Zahl der kontrollierten Personen um 30 Prozent auf 60 793.

Branchen mit überdurchschnittlich vielen Lohnunterbietungen waren das Baunebengewerbe, wo die Kantone bei 11 Prozent der Kontrollierten Verstösse feststellten und die Paritätischen Kommissionen (für GAV) bei 19 Prozent.

Im verarbeitenden Gewerbe gab es Lohnverstösse bei 9 Prozent, bei den persönlichen Dienstleistungen bei 8 Prozent. In diesen beiden Branchen kontrollierten die Kantone. Im Bauhauptgewerbe mit seinem GAV stellten die Paritätischen Kommissionen der Sozialpartner 22 Prozent Verstösse fest, die Kantone aufgrund ihrer Stichproben 8.

Lohnunterbietung im Sozialwesen und beim Coiffeur

Schweizer Arbeitgeber waren laut den Kantonen und den Tripartiten Kommissionen besonders im Gesundheits- und Sozialwesen, in Coiffeur- und Kosmetikinstituten, bei der Temporärarbeit, den persönlichen Dienstleistungen und im Bauhauptgewerbe für Lohnunterbietungen anfällig.

Mehr Lohnverstösse als die Kantone meldeten die Paritätischen Kommissionen besonders bei Reinigungsfirmen (46% der Kontrollierten), Überwachungen und Sicherheit (45%), verarbeitendem Gewerbe (44%) und beim Bauhauptgewerbe (40%). Unterdurchschnittlich war der Missbrauch bei Temporärfirmen mit 11 Prozent.

Serge Gaillard zog aus den Zahlen den Schluss, dass die flankierenden Massnahmen ihre Ziele erreichen. Die Schweizer Vorgaben sprächen sich herum.

SECO trägt der Kritik Rechnung

Kritik besonders aus Deutschland und Österreich trägt das SECO Rechnung. Ab Sommer ist nach Gaillards Angaben eine Internet- Plattform mit den Schweizer Mindestlöhnen aufgeschaltet. Die achttägige Anmeldefrist für Firmen aus dem Ausland werde vereinheitlicht, und die Kantone erhielten ein Muster für die Sanktionen.

2009 nehmen die Inspektoren und Kommissionen dieselben Branchen aufs Korn wie 2008. Ab 2010 würden die Kontrollen im Hinblick auf die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und Bulgarien ausgeweitet, kündigte Gaillard an.

(sda)