Freizügige Fotos

18. November 2019 18:19; Akt: 19.11.2019 13:19 Print

«Die grösste Tussi kann Feministin sein»

von B. Zanni - Viele Leser kaufen Influencerin Suzan Lazar den Feminismus nicht ab. Feministinnen verteidigen die Frau, die von einem «Playboy»-Shooting träumt.

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Auf vielen Bildern zeigt sich Suzan freizügig: «Ich lote gerne die Grenze zwischen sexy und obszön aus. Schliesslich ist es mein Körper und ich kann damit machen, was ich will.» Feministin Anna Rosenwasser verteidigt Suzan Lazar. «Eine der grössten Denkfehler ist, dass Feministinnen alle gleich aussehen. Sie können alt, jung, konventionell, hässlich oder konventionell attraktiv sein», stellt sie klar. Posiere eine selbsternannte Feministin freizügig, sei dies ihre Entscheidung, sagt Vroni Peterhans,Vize-Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds. «Leider besteht aber die Gefahr, dass Menschen, die sich mit dem Thema nur oberflächlich befassen, falsche Schlüsse ziehen und Frauen wieder als Objekte sehen.» Rosmarie Zapfl, ehemalige Präsidentin des Bund Schweizerischer Frauenorganisationen Alliance f, teilt die Meinung. «Der Feminismus hat sich nie gegen Schönheit und Attraktivität gewehrt», sagt die 80-Jährige. Feminismus bedeute, dass Frauen ihr Leben so führen können, wie es für sie stimme. werden. Auf Instagram hat sie über 300'000 Follower. Suzan mag Luxus: «Aber nur, wenn ich ihn mir selber erarbeitet habe.» Suzan Lazar verdient mit Deals mit Nike, Adidas oder Yves Saint Laurent Tausende Franken. Von Nike gab es pro gepostetes Foto 2500 Franken. Sie bekommt auch viele Reisen gesponsert. Ist der Influencer-Job ein hartes Business? Nein, findet Suzan Lazar: «Klar, muss man für ein Bild mit Sonnenaufgang mal um 4 Uhr aufstehen. Und es ist nervig bei brütender Sonne am Strand immer top gestylt auszusehen. Aber seien wir ehrlich...» «Es ist echt einfach, mit Instagram Geld zu verdienen. Du postest einfach Bilder.» «Wer Übung darin hat, braucht dafür ein paar Minuten und kann das während der Mittagspause erledigen.» «» Suzan Lazar verbrachte letzten Sommer mehrere Wochen mit einer Freundin gratis in verschiedenen Villen in spanischen Städten. Und machte so Werbung... ...für verschiedene Feriendestinationen. «You can look but you wont ever touch», schrieb Suzan Lazar zu diesem Bild: «Das war eine Message an meine männlichen Hater, an die Typen, die sagen, ich sei eine Schlampe. Ich wollte ihnen zeigen, dass ich unerreichbar für sie bin und sie mich niemals werden berühren dürfen – obwohl ich in ihren Augen ja so billig bin.» Viele Männer würden ihr schreiben, sie sei eine billige Bitch. Ein Typ schrieb ihr einmal, dass er sie umbringen würde, wäre sie seine Tochter. Hater würde sie ignorieren: «Nichtbeachtung kränkt ihr Ego am meisten.» Zu Beginn hätten sie solche Kommentare verletzt. Frauen müssten sich von dieser gesellschaftlichen Unterdrückung befreien. «Einige Männer haben noch immer das Gefühl, dass Frauen ihr Eigentum sind und sich so zu verhalten haben, wie sie es sich wünschen. Andere Männer ertragen es nicht, dass ich sie aus finanzieller Sicht nicht brauche.» Suzan Lazar findet sich selber schön, vor allem ihr Gesicht. Aber nicht alles an ihr ist gottgegeben. «Meine Nase habe ich mit 16 machen lassen für 13'000 Franken. Mit 18 habe ich mir meine Brüste auf Körbchengrösse Doppel-D vergrössern lassen. Kostenpunkt 15'000 Franken. Seit einigen Jahren lasse ich mir regelmässig meine Lippen aufspritzen.» Die rumänischstämmige Influencerin ärgert sich darüber, dass Frauen in der Schweiz nicht über ihre Schönheits-OPs sprechen. «Rumäninnen zelebrieren ihre Weiblichkeit viel mehr. Es ist normal, im Minirock und Highheels herumzulaufen. Schönheits-OPs sind dort kein Tabuthema. Sogar die ärmsten Frauen investieren ihr Erspartes in neue Brüste. In der Schweiz dagegen würde kaum eine zugeben, dass sie etwas hat machen lassen. Sie tun so, als wäre alles natürlich. Das nervt mich.» Feminist with a megaphone at a protest

Zum Thema
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Auf Fotos zieht sie ihr Bikinihöschen hoch, Nase und Brüste sind operiert: Gleichzeitig bezeichnet sich die Schweizer Influencerin Suzan Lazar als Feministin. «Damit will ich zeigen: Ich bin eine Boss Lady», sagt sie. Frauen sollten selber über ihren Körper bestimmen.

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Passen freizügige Fotos und Feminismus zusammen?

Die meisten Leser dagegen finden, dass Frauen, die sich so freizügig wie Lazar kleiden, gar keine Feministinnen sein können. «Feministin und ‹Playboy› passen zusammen wie Kaktus und Chili … gar nicht», sagt MontagLeser. Der User fragt, ob sich auf das Äussere zu reduzieren und sich öffentlich auszustellen die Werte und Kompetenzen einer modernen, selbstbewussten Frau seien. Für andere ist Lazar heuchlerisch und legt eine Doppelmoral an den Tag: «Feministin, aber in den ‹Playboy wollen ...», so alibert.

Auch Peter Grün sagt: «Sich operieren und dann im Internet auszuziehen, ist eben gerade das Gegenteil von Feminismus!» Nina behauptet: «Eine Feministin würde nie etwas tun, was Frauen auf ein sexuelles Objekt reduzieren würde.»

Feminismus habe sich verändert

Dürfen sich echte Feministinnen nicht freizügig zeigen? Feministin Anna Rosenwasser findet: «Eine der grössten Denkfehler ist, dass Feministinnen alle gleich aussehen. Sie können alt, jung, konventionell, hässlich oder konventionell attraktiv sein», stellt sie klar. Dabei habe sich der Feminismus schon lange von veralteten Klischees verabschiedet.

«Leider kauft man bis heute vielen Frauen aufgrund ihres Aussehens ihren Feminismus nicht ab.» Die bewusste Abkehr von Schönheitsidealen sei ein wichtiger Zwischenschritt der feministischen Vorkämpferinnen gewesen.

«Entscheidungen selbst treffen»

Feminismus bedeutet laut Rosenwasser, dass es keine falsche Art gibt, eine Frau zu sein. «Die grösste als unnatürlich geltende Tussi kann genauso eine Feministin sein wie die behaarteste, fetteste Frau. Wichtig ist aber, dass sie ihre Entscheidungen selbst treffen kann.» Feminismus heisse auch Wahlfreiheit. «Es nervt mich, wenn Frauen, die sich freizügig zeigen, als billige Schlampen abgewertet werden.» Der Feminismus kämpfe dafür, dass es allen Frauen gut gehe.

«Wir müssen damit aufhören, Frauen für ihre Entscheidungen zu kritisieren», fordert Rosenwasser. Ziehe sich eine Frau für den «Playboy» aus, nutze sie lediglich eine ihrer Stärken aus, um ein schönes Leben zu haben, so die Feministin. «Attraktiv zu sein, ist eine von vielen möglichen Stärken.»

Menschen könnten falsche Schlüsse ziehen

Laut Vroni Peterhans, Vize-Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, wird das Wort Feminismus zum Teil falsch verstanden. «Wer ein solches Wort in den Mund nimmt, wird genauer durchleuchtet und oft auch gestempelt.» Posiere eine selbsternannte Feministin freizügig, sei dies ihre Entscheidung. «Leider besteht aber die Gefahr, dass Menschen, die sich mit dem Thema nur oberflächlich befassen, falsche Schlüsse ziehen und Frauen wieder als Objekte sehen.»

Rosmarie Zapfl, ehemalige Präsidentin des Bund Schweizerischer Frauenorganisationen Alliance f, teilt die Meinungen. «Der Feminismus hat sich nie gegen Schönheit und Attraktivität gewehrt», sagt die 80-Jährige. Feminismus bedeute, dass Frauen ihr Leben so führen können, wie es für sie stimme. «Für diese Frau scheint es so zu stimmen. Ich persönlich bedauere aber, dass man seinen Körper auf diese Weise zur Schau stellen will.» Ob Feministin oder nicht, es sei es schade, wenn es das Lebensziel sei, den Körper zu modellieren.

Leser Simon hingegen hat Suzan Lazar überzeugt. «Sie zieht sich an, wie sie will, zeigt sich, wie sie will, und macht, was sie will. Genau das ist doch Feminismus.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Coco404 am 18.11.2019 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hä?

    "Ich liebe Luxus aber nur wenn ich ihn mir selbst erarbeitet habe" Was hat sie den damit erarbeitet wenn sie es geschenkt bekommt?

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  • Kw am 18.11.2019 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feministin aber als Objekt versexualisieren lassen

    Playboy&Feministin? Schön und gut, ich arbeite auch als Lehrerin, kann es mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, welche Eltern eine solche Lp für ihr Kind möchten. Was Morena Diaz (Body-Positivity-Bloggerin) macht, die sich auch im Bikini zeigt, ist etwas gänzlich anderes, als freizügige, anzügliche Fotos zu posten. Zudem empfinde ich, ebenfalls Feministin aber von der anderen Sorte, es als störend, wenn sie zwar Feministin sein möchte, sich aber in einem Heft, das Frauen als Verkörperung von Sex und Objekte darstellt, abgebildet werden möchte.

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  • Flash Gordon am 18.11.2019 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich das richtig?

    Wenn eine Frau, in diesem Fall Influencerin sich für den Playboy auszieht, ist sie eine starke, unabhängige feministin. Gleichzeitig werden Bikini oder andere Werbeplakate angeprangert sexistisch zu sein, obwohl diese Frauen auch freiwillig posieren. Haben diese feministinnen noch keine Kopfschmerzen vom sich ständig neue Variationen zurecht zulegen??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Josef am 19.11.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ein bisschen heuchlerisch, die Feministinnen.

    Leichtbekleidete Frauen in der Formel 1 oder am Autosalon, geht nicht. Aber für den Playboy ausziehen, ist feministische. Sorry, das verstehe ich nicht.

  • Josef am 19.11.2019 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb soll ich als Vater dagegen sein?

    Wenn meine Tochter das machen wollte, weshalb nicht? Hauptsache, es ist ihre Entscheidung.

  • Chilli am 19.11.2019 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    too much

    Für mich passen sehr freizügige Fotos und Feminismus nicht überein, obwhol ich keine Feministin und auch nicht prüde bin. Generell scheinen mir heutzutage viele zu billig und übertrieben, wahrscheinlich kriegen sie sonst keine Aufmerksamkeit. Sexy ganz klar ja, aber bitte mit Klasse und Stil.

  • Niccolo am 19.11.2019 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlfreiheit?

    Spätestens wenn eine Frau traditionelle Hausfrau und Mutter sein will, dann hört die Toleranz bei den Feministinnen ganz schnell auf! Die Feministinnen belügen sich selbst und auch noch die ganze Bevölkerung dazu.

  • Walter am 19.11.2019 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Sie ist einfach clever

    Und nutzt die Dummheit des Menschen zu Ihrem Vorteil aus. Ohne Follower kein Erfolg - solange es in unserer Gesellschaft Leute gibt, die ihr folgen .... Böse gesagt ist es für mich jedoch eine neue Form der Prostitution. Das Sie es selber bestimmt, passt es zum Feminismus. Bei diesem ist nur die fremdbestimmte Sexualisierung ein Problem. (sollte zumindest)