Tod des Dialektfilms?

29. Juli 2012 06:00; Akt: 29.07.2012 06:27 Print

Filmförderung will mehr Kunst statt Kommerz

Der Bund will massentaugliche Unterhaltungsfilme im Stil von «Achtung, fertig, Charlie» weniger subventionieren. Stattdessen soll mehr auf Avantgardefilme gesetzt werden. Völlig falsch, so die Kritik.

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Klamauk statt Tiefe? Pascal Nussbaumer als Rekrut Furgler in einer Szene aus der RS-Komödie «Achtung Fertig Charlie!»

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Kulturminister Alain Berset setzt in der Filmpolitik neue Prioritäten. Er will, dass der Bund künftig mehr innovative und künstlerische Autorenfilme fördert und weniger kommerzielle Unterhaltungsfilme für das Massenpublikum. Dies bestätigen mehrere Quellen der «NZZ am Sonntag».

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Dies dürfte es für Produzenten von Filme wie «Achtung, fertig, Charlie 2» schwieriger machen, in den Genuss von Subventionen zu kommen. «Diese Stossrichtung ist völlig verkehrt», kritisiert SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Es gebe in der Schweiz bald mehr Filmemacher als Leute, die ihre Werke sehen wollten.

Dialektfilme unter Druck

Die Filmbranche ist gespalten. Der erfolgreiche Schweizer Regisseur Michael Steiner übt Kritik: «Wenn der Bund keine kommerziellen Filme mehr fördert, bedeutet dies, dass wir keine erfolgreichen Dialektfilme mehr haben», sagt er. «Es gäbe keine Filme mehr wie ‹Sennentuntschi› oder ‹Der Verdingbub›.» Und schliesslich sei es schwierig, Kommerz und Avantgarde auseinander zu halten. Diese Korrektur des Kurses der letzten Jahre ist der richtige Weg, wird Kaspar Kasics, Präsident vom Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz, in der «NZZ am Sonntag» zitiert.

Von einer «Gratwanderung» spricht CVP-Nationalrätin und WBK-Mitglied Kathy Riklin: «Wir dürfen erfolgreiche Filmemacher nicht bestrafen - aber auch nicht nur auf Erfolg schielen.» Positiv beurteilt der ehemalige Fernsehmann Matthias Aebischer Bersets Pläne. «Ich begrüsse die neue Stossrichtung von Bersets Filmpolitik sehr», sagt der SP-Nationalrat, der ebenfalls in der Kulturkommission sitzt. «Allerdings sollten wir nicht Quote und Qualität gegeneinander ausspielen. Es wäre besser, grundsätzlich mehr Geld in die Filmförderung zu investieren.»

(kub)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich habe selbst einen Low Budget Film ohne staatliche Fördergelder gedreht. Die Schweiz soll endlich aufhören, Ansprüche wie Hollywood zu stellen und auch diese unsägliche Filmförderung mit Gremien bestehend aus Pädagogen, Primarlehrern etc. soll aufgelöst werden. Das ist ein Kartell sondergleichen: Geld kriegen immer die Gleichen ohne je erfolgreich Filme gemacht zu haben. Die haben doch keine Ahnung, was die Leute sehen wollen. In Kanada kriegt der Filmemacher für jeden Dollar den er für sein Projekt auftreibt vom Staat 50 Cents dazu. So sollte das funktionieren. Natürliche Auslese. – Joel Mayer

Rentierende Produkte brauchen aber keine Fördergelder. Darwin Prinzip würde heissen jede Förderung streichen. Finds btw gut, das ultimative Ziel eines kommerziellen films ist es sowieso Geld damit einzufahren. Wenn der Film gut war (und Geld einspielt), braucht er keine Fördergelder, wenn er schlecht ist (und daher welche braucht) verdient er sie nicht. Künstlerische Filme erreichen kein so grosses Publikum und brauchen daher eher Geld vom Bund, auch wenn die Filme gut sind. – peter m.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 30.07.2012 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolgsregisseur M.St.?

    Wie bitte, habe ich soeben "erfolgreicher Regisseur Michael Steiner" gelesen?

  • Horst B. am 29.07.2012 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    SVP und der Schweizerfilm

    Die SVP hat mit Kulturschaffenden offenbar nicht viel am Hut und sie scheinen neben den Ausländern ein weiteres Feindbild zu sein. Dabei wäre dies hier eine einmalige Gelegenheit gewesen, eine klare Definition zu erarbeiten, was denn subventionswürdige Projekte sind! Gerade der Dialektfilm und Filme, die sich mit der Schweizer Geschichte beschäftigen, sollten unterstützt werden können.

  • LOLA am 29.07.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst = ja, Kommerz = nein

    Ich finde auch, dass auf Kust und Avantgardefilme gesetzt werden soll. Intelligente Filme mit Tiefgang sagen mir zu - im Gegensatz zu dem kommerziellen Schrott, der meistens läuft. Allerdings befinde ich mich wahrscheinlich in Minderheit, denn die durchschnittliche, graue Masse steht - leider - eher auf seichte, intellektuelllose Unterhaltung...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudolf Lehnherr am 01.08.2012 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Studiofilme über Schweizer Autoren.

    Verfilmt doch einmal ein Buch von Hugo Lötscher, das wäre wohl sehenswert.

  • T.G. am 31.07.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Aebischer

    Will also mehr Geld in die Filmförderung investieren? Wenn der investierte Betrag bei der Entwicklungshilfe wieder eingespart wird könnte ich mich für diese Idee sogar begeistern.

  • TimoM am 31.07.2012 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Paramount Pictures

    Der Gründer von Paramount Pictures hat mal gesagt: «Das Publikum hat nie Unrecht». Was soll an einem Kommerziellen Film nicht gut sein? Oder was soll daran nicht Kunst sein?

  • Cineast am 30.07.2012 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Kommerz bringt Geld

    Die Kommission die die Beiträge verteilt hat sowieso keine Ahnung vom Ganzen. Hier müssten echte Profis einsitz nehmen. Diesae würden die Gelder an Projekte geben, die auch Gewinn abwerfen. Alle anderen sollen sich selber finanzieren.

  • Berner Bär am 30.07.2012 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolgsregisseur M.St.?

    Wie bitte, habe ich soeben "erfolgreicher Regisseur Michael Steiner" gelesen?