Über 200 Tonnen

29. August 2018 06:53; Akt: 29.08.2018 06:53 Print

Fleisch-Schmuggel in die Schweiz steigt stark an

In den letzten zwei Jahren wurde am Zoll massiv mehr geschmuggeltes Fleisch entdeckt. Schweizer Metzger leiden unter dem Trend.

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Zöllner haben letztes Jahr 228 Tonnen geschmuggeltes Fleisch beschlagnahmt, 2016 waren es 202 Tonnen. Das ist mehr als doppelt so viel wie in den Vorjahren, wie die NZZ gestützt auf offizielle Zahlen des Bundes berichtet. Laut dem Schweizer Fleischfachverband ist das aber nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer sei laut Branchenkennern um «ein Vielfaches, wenn nicht um Potenzen höher». Der Fleischschmuggel steige sowohl im privaten wie auch im gewerblichen Bereich massiv an.

Für die Situation verantwortlich seien die grosse Zahl unbewachter Zollübergänge, die Sparübungen des Bundes bei den Grenzwächtern und der Fokus der Grenzwacht auf illegale Migration, der zu wenig Ressourcen für die Warenkontrolle mit sich bringe, so der Fleischfachverband in einem Positionspapier. Das hohe Preisniveau in der Schweiz mache einen Schmuggel zudem besonders attraktiv.

«Auswirkungen auf Fleischbranche sind störend»

Gegenüber 20 Minuten sagt Fleischverband-Direktor Ruedi Hadorn: «Die Auswirkungen des steigenden Schmuggels auf die hiesige Fleischbranche sind störend, es sind Arbeitsplätze in Gefahr.» Immer wieder erhalte er Hinweise von Metzgereien, dass Fleisch illegal als Schmuggelware über die Grenze geholt werde. Das Grenzwachtkorps lege den Fokus derzeit auf die illegale Migration und nicht den Schmuggel, auch weil es politisch unter Druck stehe.

Ein besonders grosser Fang ging dem Schweizer Zoll im März 2015 ins Netz: In einem Kleintransporter fanden die Beamten 610 Kilogramm Fleisch. Im Wagen sassen drei im Aargau wohnhafte Türken, die das Fleisch laut eigenen Angaben für eine Beerdigung in die Schweiz schaffen wollten. «Bei Familien- und Gruppenanlässen werden oft grosse Mengen Fleisch verzehrt. Es sind also beliebte Gelegenheiten, das Fleisch günstig im Ausland zu beschaffen», so Hadorn. «Geschmuggeltes Fleisch wird während der Fahrt oftmals nicht gekühlt, was auch ein klares Gesundsheitrisiko darstellt.»

Schmuggelware wird meist vernichtet

Um dem Schmuggel-Trend entgegenzuwirken, müsse die Politik nun handeln, so Hadorn: «Es braucht zur Durchsetzung des geltenden Rechts mehr Grenzkontrollen und mehr Zöllner. Ausserdem müssen die Strafen verschärft werden, um auch mögliche Nachahmer abzuschrecken.» Ein entsprechender Vorstoss von Marcel Dettling (SVP) sei bereits vom Nationalrat angenommen worden. «Ich bin gespannt, wie der Bundesrat dieser leidigen Entwicklung Einhalt gebieten will», so Hadorn.

Laut der Zollverwaltung findet der Fleischschmuggel sowohl durch Private, vorwiegend für den Eigenkonsum, als auch durch organisierte Gruppen zum Verkauf an Dritte statt. Zum genauen Verhältnis könne man aber keine Aussage machen. Die gefundenen Fleischwaren würden in der Regel eingezogen und vernichtet, da die Kühlkette meist unterbrochen worden sei und auch die Herkunft unklar sei.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schnipo am 29.08.2018 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Ein treffenderer Titel wäre..

    Schweizer Konsumenten leiden unter den heimischen Fleischpreisen! Kein Wunder also..

    einklappen einklappen
  • Germane am 29.08.2018 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    und die Fairfood-Abzocke

    ist noch nicht mal in Kraft

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  • Pete Nowak am 29.08.2018 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Kein Wunder bei den Preisen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • max62 am 29.08.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht.

    Das Fleisch in Deutschland so billig verkauft wird und die Holländer machen das auch.

  • Carlos1971 am 29.08.2018 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jammernde SVP ist Schuld

    Waren es nicht die bürgerlichen Parteien die in der Vergangenheit immer wieder den Kredit für das Bundespersonal kürzten? Die Konsequenz daraus, geschätzter Herr Dettling, sind nun mal auch weniger Zöllner. Somit können hoheitliche Aufgaben immer schlechter durchgeführt werden. Aber gerade die SVP wünscht sich weniger Staat. Bitte also nicht jammern. Handelt.

  • ohne am 29.08.2018 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oke

    Ja immer gross betonen dass wir Schweizer super Fleisch haben, aber wir essen ja nurnoch Fleisch aus dem Ausland?!

  • P.Z. am 29.08.2018 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich nix sehen Grenze

    Wie kann es Schmuggel geben, wenn keine erkennbaren Grenzen mehr vorhanden sind.

  • Eidgenosse am 29.08.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkaufstouristen

    Neulich habe ich TV SWR eine Sendung gesehen, wie wenig die Deutschen Bauern für das Schlachtvieh bekommen. Die Grossdiscounter Aldi, Rewe, Lidl und wie sie alle heißen diktieren die Preise und die Bauern haben kein grosses Einkommen. Das Fleisch in Deutschland ist viel zu billig und die Einkaufstouristen sind stolz darauf.