Drohung mit Klage

30. Dezember 2014 20:45; Akt: 05.01.2015 08:34 Print

Fleisch-Streit eskaliert wegen Werbespot

von Ph. Flück - Die Fleischbranche fühlt sich von einem Vegi-Werbespot angegriffen und erwägt rechtliche Schritte. Die Vegetarier ihrerseits beklagen die Fleischwerbung.

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Das Sujet ist bekannt: In den Werbespots von «Schweizer Fleisch» brutzeln Würste, Poulets und Steaks auf dem Rost. Der Slogan: «Alles andere ist Beilage.» Auf Schweizer Fleisch nimmt auch der neue Werbespot des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) Bezug, der seit Dezember im Fernsehen läuft. Seine Botschaft: «Auch für ihren Festtagsbraten müssen Tiere leiden.» Es folgt die Aufforderung, vegan zu essen.

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Der Konflikt zwischen Vegetariern, Veganern und Fleischessern hat in der Schweiz einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) fühlt sich vom VgT-Spot angegriffen. In einer Medienmitteilung schreibt der Verband von einer «schon fast missionarischen Art und Weise», mit der das Ziel der absoluten Abkehr von tierischen Produkten erreicht werden soll.

Politische Werbung

Rolf Büttiker, Präsident des SFF, kritisiert: «Diese Werbung nimmt direkt unsere Branche ins Visier.» Ausserdem handle es sich um politische Werbung, wenn nicht sogar um unlauteren Wettbewerb: «Wir werden alle rechtliche Schritte in Betracht ziehen.»

Der Direktor von Proviande , Heinrich Bucher, sieht im Werbespot des VgT eine Verzerrung der Realität: «Die Werbung ist absichtlich so gestaltet, dass sie die Menschen schockiert.» Es würden sehr blutige und brutale Szenen gezeigt, um die negativen Seiten des Fleischkonsums hervorzuheben. «Nicht erwähnt wird, dass eine ausgewogene Ernährung äusserst wichtig ist, dazu gehört auch der Fleischverzehr.»

Ausserdem sei es nicht möglich, alle Menschen vegan zu ernähren. Dafür gebe es nicht genug Ackerland, weil sehr viel Land nur zur Viehhaltung geeignet sei. «Wenn niemand mehr Fleisch konsumieren würde, wäre nicht genügend Nahrung für alle vorhanden.»

Fleischkonsum mit schlechtem Gewissen

Renato Pichler, der Präsident von Swissveg, versteht den Aufschrei um den Werbespot des VgT nicht. Vegetarier seien nämlich viel stärker der Fleischwerbung ausgesetzt als umgekehrt. Man könne zum Teil schon fast von psychologischen Druck auf Vegetarier sprechen: «Eigentlich sollten wir aufschreien angesichts der massiven Fleischpropaganda im TV!»

Er führt die Reaktion der Fleischbranche darauf zurück, dass bereits viele Fleischesser mit einer pflanzlichen Ernährung sympathisieren würden. «Heute haben viele Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn sie Fleisch essen.» Das Image des Fleischkonsums habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Trotzdem hält Pichler die Vorwürfe der Branche für haltlos: «In diesem Werbespot wird die Realität gezeigt. Von einem Schockfilm kann keine Rede sein.»

Büttiker lässt diese Argumente nicht gelten. «Wir greifen Vegetarier nicht an mit unseren Spots. Sie hingegen stellen Fleischkonsum als etwas Schlechtes dar.» Er bezweifelt zudem, dass der Trend zur vegetarischen Ernährung so bedeutungsvoll ist, wie er zuweilen dargestellt wird: «In Studien liest man immer nur, wie viele Menschen zu Vegetarier geworden sind, allerdings nicht, wie viele wieder begonnen haben, Fleisch zu essen.»

(Quelle: Youtube.com/ Schweizer Fleisch)

«Essen ist ein politisches Statement»

Auch Alain Egli, Trendforscher des Gottlieb-Dutweiler-Instituts, beobachtet, dass sich der Konflikt zwischen Veganern und Fleischessern verschärft. «Mit dem Trend zur veganen Ernährung hat die Diskussion ein neues Level erreicht. Es ist normal, dass es zu jedem Trend eine entsprechende Gegenbewegung gibt.» Es gebe etwa Leute, die das Fleischessen nun umso mehr zelebrierten: «Essen ist eben auch immer ein politisches Statement.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ueli am 30.12.2014 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch

    Ich bin keine Vegetarierin, aber finde es gar nicht schlecht den Leuten wieder mal vorzuführen, dass es sich bei Fleisch um Tiere handelt. Wer Fleisch isst, soll auch solche Bilder ertragen können.

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  • Ueli H. am 30.12.2014 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Woher kommt das Essen?!

    Ich kenne den Spot nicht. Ich bin jedoch der Ansicht, dass jeder wissen soll und muss woher die Nahrungsmittel kommen. Das bedeutet auch, dass für Wurst, Braten, Schnippo, .... Tiere getötet werden. Wer das nicht erträgt sollte auch kein Fleisch essen. Ein generell bewussterer Umgang mit Lebensmitteln wäre wünschenswert.

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  • Veganer am 30.12.2014 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Esst was ihr wollt,

    aber achtet bitte darauf, dass ihr Fleisch und tierische Produkte aus fairer Haltung konsumiert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 31.12.2014 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbestimmung

    Dieser radikale Vegiwahn geht mir langsam auf 'n Senkel. Soll doch jeder selbst entscheiden, wie er sich ernährt. Esse Broccoli für mein Leben gerne u auch anderes Gemüse kommt zuhauf auf den Teller, aber als Beilage wird auch ein schönes Stück Fleisch serviert, gut zubereitet, schmeckt wunderbar. Was diese Vegijünger alles wollen, ist schon radikal, aber wenns um Tierschutz, artgerechte Haltung, etc. geht, bin ich dabei, aber mir in den Mund zu schreiben, was ich esse, da wehre ich mich. Und ja, habe schon als Junge beim Metzgen geholfenr., bin aber im Gegensatz zu meiner Familie kein Metzger

  • Markus Meier am 31.12.2014 22:21 Report Diesen Beitrag melden

    Veganer sind Lügner!

    Laut Ihren eigenen Regeln verzichten sie auf jegliche Ausbeutung oder Tötung von Tieren oder fügen ihnen ein Leid zu oder nutzen die Ausscheidungen (Milch, Wolle, Honig). Damit das stimmt, sind Insekten und Würmer keine Tiere. (Bestäuben Pflanzen / bearbeiten die Erde damit was wächst!) Auch unser organisches Erdöl ist nie aus tierischen Rückständen gebildet worden. Bei Energie aus Wasserkraft, werden die Biotope der Wassertiere nicht zerstört. Bei Energie aus Windkraft, werden keine Vögel vernichtet. Beim Auto (Zug, Bus) Fahren werden nie Insekten (ok sind ja keine Tiere) getötet.

    • Peter Mayr am 31.12.2014 22:48 Report Diesen Beitrag melden

      What?

      Was hat das mit Lügen zu tun? Was Sie sagen ist ja alles richtig und deswegen kann man auch ohne schlechtes Gewissen jedes Jahr 60 Milliarden (!) weitere Tiere (ohne Meerestiere) töten, oder? Ihre Argumentation ist völlig sinnlos, aber das wissen Sie wahrscheinlich eh selber. Es ist schon ein Unterschied ob man Tiere gegen ihren Willen ausbeutet und völlig unartgemäß einpfercht oder ob man Pflanzen isst, die in einem ganz normalen Vorgang von Insekten bestäubt wurden, ich bitte Sie! Ist das Ihr Ernst? Oder ob man Erdöl nutzt aus Tieren die umkamen bevor der Mensch überhaupt die Erde bewohnte!

    • Markus Meier am 01.01.2015 00:00 Report Diesen Beitrag melden

      Veganer verzichten auf alles tierische!

      Mit vielen, vielen, vielen Ausnahmen, so wie es ihnen gerade in den Kram passt. Aber die bösen und sind die die versuchen als Lebewesen, das "Tiersein" zu akzeptieren und auch mit der Natur so gut es geht in Einklang zu sein. Auf die Verlogenheit der Veganer kann ich echt verzichten! Ich arbeite lieber mit Vegetrariern zusammen an einer besseren, gerechteren Welt. Die sind eben wie ich, nicht so perfekt... dafür ehlicher!

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  • Clemens am 31.12.2014 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Meinung

    Lasst euch dach nicht Blenden von einer Werbung, macht euch selbst ein Bild geht zum Bauern oder zum Metzger und macht euer eigenes Bild

  • Ton Ton am 31.12.2014 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmen die Bilder etwa nicht?

    Und? Sind die Bilder etwa getürkt? Müssen die Tiere nicht getötet werden damit man sie in handliche Happen zerlegen kann? Was soll jetzt daran unwahr sein? Es ist doch vielmehr so, dass der Slogan der Fleischproduzenten "Fleisch - alles andere ist Beilage" Gemüse und Früchte mehr diskriminiert, als der Spot des vgt. Aber wenn der Herr Fleischvertreter schon so aufbraust (zu viel Fleischkonsum erhöht den Blutdruck?), muss er ja wirklich was zu verbergen haben...

    • tom am 31.12.2014 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      schweizer Fleisch

      schweizer Fleisch alles andere ist Beilage!

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  • stef le chef am 31.12.2014 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch oder doch nicht

    Komisch ist einfach dass alle versuchen veganes Essen immer wie Fleisch aussehen zu lassen.

    • Petra am 31.12.2014 20:02 Report Diesen Beitrag melden

      Nachvollziebar, wenn man versteht warum

      es ist nicht komisch, denn vielen schmeckte Fleisch, Huhn, Fisch ja und es ist doch egal ob Tofu, Seitan, Tempeh nun die Form einer Wurst, oder eines Dreiecks hat, was würde den da der Unterschied sein? Seitan, Tofu, Tempeh kann man einfach in jede Form bringen, warum darf es nicht die Fleischform sein... oder hat Fleisch diese Form gepachtet? Es ist interessant, das diese Fragestellung dauernt kommt. Ich denke, die meisten verstehen nicht, warum Veganer auf Tierprodukte verzichtet.

    • steve am 31.12.2014 20:21 Report Diesen Beitrag melden

      Moral? kennen sie das?

      Das höre ich letzte Zeit so oft und es ist wirklich eine unnötige aussage.. warum essen Vegetarier kein Fleisch? Ich liebe Fleisch, aber diese Massenabschlachtung will ich nicht unterstützen (ab und zu schweizer Fleisch ist ok)aber die heutigen vegi-pilz produkte schmecken sooo gut und haben alles was ein Fleisch beinhaltet, dass man kein Tier mehr schlachten muss um gut zu essen. Versuchen sie mal das Vegihackfleisch. Ich habe schon bolognese gekocht und kein Fleischesser hat gemerkt dass das Vegi ist =) Was verstehen sie denn unter vegi? Im Einklang mit dem Gemüse sein oder was?

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