Klimaschutz

09. Januar 2017 09:36; Akt: 09.01.2017 11:25 Print

Fleisch und Eier sollen per Steuer verteuert werden

von P. Michel - Das deutsche Umweltamt will die Mehrwertsteuer für tierische Produkte erhöhen. Dieser Vorschlag stösst auch hierzulande auf Sympathien.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Produktion eines Kilogramms Rindfleisch verursacht 13’303 Gramm Treibhausgas im Jahr. Beim Anbau von Gemüse dagegen entstehen deutlich weniger klimaschädigende Stoffe: Dort sind es 150 Gramm. Das deutsche Umweltbundesamt will Konsumenten deshalb anhalten, weniger tierische Produkte zu kaufen.

Umfrage
Was halten Sie von einer höheren Mehrwertsteuer auf tierischen Produkten?
19 %
61 %
20 %
Insgesamt 8327 Teilnehmer

Dazu sollen Lebensmittel wie Fleisch, Eier oder Milch, deren Produktion viele Emissionen verursacht, nicht mehr zum tiefen Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, sondern mit den regulären 19 Prozent besteuert werden. Mit den Mehreinnahmen soll im Gegenzug der Preis von veganen Produkten gesenkt werden. Das Schweinsplätzli würde demnach teurer, Rüebli dagegen günstiger.

Für die Stiftung Sentience Politics, die sich bereits für vegane Kantinen-Menüs starkgemacht hat, wäre die Anhebung der Mehrwertsteuer für tierische Produkte auch in der Schweiz begrüssenswert. Bisher werden Lebensmittel mit 2,5 Prozent besteuert, der reguläre Satz beträgt 8 Prozent.

«Fehlanreiz würde korrigiert»

«Tierische Produkte sind heute viel zu günstig, eine Mehrwertsteuererhöhung wäre ein erster Schritt, diesen Fehlanreiz zu korrigieren», sagt Sentience-Projektleiterin Meret Schneider. Dies sei besonders stossend, weil die Produktion dieser Lebensmittel heute der Haupttreiber des Klimawandels sei. «Sieht man sich die Emissionen dieses Sektors an, zeigt sich, dass er gleich viel Treibhausgase wie der Verkehr produziert.»

Schneider betont, dass sich eine Steuer etwa auf Fleisch oder Milch besonders anbiete, weil der Hebel hier im Vergleich zu anderen Industrien grösser sei. «Die Tierhaltung verursacht Methangas, das die Erderwärmung noch stärker vorantreibt als CO2.» Es sei darum dringend nötig, in der Landwirtschaft und beim Konsum tierischer Produkte ein Umdenken einzuleiten.

«Sonst wird es unmöglich, das Ziel einer Erderwärmung von 1,5 Grad noch zu erreichen», sagt Schneider. Neben einer Mehrwertsteuererhöhung plädiert Sentience Politics längerfristig auch für eine Verdoppelung des Fleisch- und Milchpreises.

Direktzahlungen anpassen

Greenpeace hat sich ebenfalls bereits für eine Umweltsteuer auf Fleisch ausgesprochen. Wenn nötig, müsse der Preis verdoppelt werden. Bei der Umweltorganisation stösst die Erhöhung der Mehrwertsteuer für tierische Produkte zwar auf Sympathien. «Wir begrüssen Massnahmen, die dem Konsumenten aufzeigen, dass Klimaschäden durch sein Verhalten entstehen», sagt Georg Klingler, Leiter Klimaschutz.

Klingler zweifelt jedoch daran, dass der höhere Mehrwertsteuersatz der richtige Hebel ist. «Wichtiger wäre es, die Subventionen für die Produktion und Vermarktung von klimaschädlichen Produkten wie Fleisch und Milch abzuschaffen.» Stattdessen müsse man dafür sorgen, dass Schweizer Ackerflächen statt für Tierfutter wieder vermehrt für den Anbau von umweltschonenden pflanzlichen Lebensmitteln verwendet würden.

«Ungerechtfertigt, Fleisch als Klima-Killer zu verteufeln»

Heinrich Bucher, Direktor des Branchenverbands Proviande, kann mit einer Mehrwertsteuererhöhung nichts anfangen. «Die Schweizer essen gerne Fleisch, und wenn es hier teurer wird, würde wohl kaum jemand darauf verzichten.» Stattdessen erhielte der Einkaufstourismus noch mehr Auftrieb.

Für Bucher ist es ungerechtfertigt, die Fleischproduktion als «Klima-Killer» zu verteufeln: «Auch pflanzliche Produkte wie Reis sind sehr klimaschädlich.» Es mache darum auch aus diesem Grund keinen Sinn, das Klima nur mit einer Steuer auf tierische Produkte retten zu wollen.

Bucher weist zudem darauf hin, dass die Landwirtschaftsfläche in der Schweiz zu zwei Dritteln aus Wiesen oder Weiden besteht. «Darum haben wir dort gar keine andere Möglichkeit zur Nahrungsmittelproduktion als die Viehhaltung.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • reto.m am 09.01.2017 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapital

    Da geht nicht um den Klimschutz sonder um Kapital,Geld etc.Augen auf machen.

    einklappen einklappen
  • David am 09.01.2017 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mal so mal so

    aber Zucker subventionieren? Schon speziell unsere Politiker!

    einklappen einklappen
  • normaler Bürger FKO am 09.01.2017 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die gleichen...

    Umweltfreundlicher Leben etc. schön und gut. Wieso muss aber immer das Volk mehr zahlen?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • TommyM am 09.01.2017 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es trifft die falschen...

    Wir als Familie ernähren uns jetz schon kosten und Umweltbewusst. Versucht doch erst euer Volk aufzuklären bevor ihr es beutelt... Die denen es egal ist die Hälfte ihres Futters ungegessen zu entsorgen wird die Preisanpassung auch egal sein...

  • Scaevola am 09.01.2017 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld her!

    Das, meine lieben Leute, ist eine hundskommune Steuererhöhung unter dem Deckmantel des Klimaschutzes.

  • Rebel son am 09.01.2017 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon Mose ass Fleisch

    Fleisch und Milch, Eier sind die natürlichsten Lebensmittel, schön Höhlrnmenschen assen das Zeugs, besser eine Steuer auf veganes, glutenfreies und künstliches einführen.... Mir fehlen echt die Worte ab solchem Blödsinn.

  • Sarabi am 09.01.2017 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bio fördern...

    Gar keine gute Idee, dann schauen nur noch mehr Leute bei Lebensmitteln nur noch auf den Preis. Besser sollte man Bio-Produkte stärker subventionieren, konventionelle Produkte verteuern und so die Preiskluft zwischen Bio und Konventionellem verkleinern.

  • Bigi65 am 09.01.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Find ich super. Ist wenigstens ein Anfang