«Alles andere ist Beilage»

19. August 2016 05:52; Akt: 19.08.2016 05:52 Print

Fleischbranche beerdigt Slogan wegen Vegi-Trend

von D. Waldmeier - Weil sich kritische Stimmen mehrten, setzt Proviande auf einen neuen Werbespruch. Er soll die Vorzüge von Schweizer Fleisch klarer vermitteln.

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Den Spruch kennt jedes Kind: «Schweizer Fleisch. Alles andere ist Beilage.» Gut zehn Jahre lang warb die hiesige Fleischbranche mit diesem Slogan. Sie musste dafür immer wieder Prügel einstecken. Vegetarier und Ernährungsberater kritisierten etwa, der Slogan propagiere einen übermässigen, ungesunden Fleischkonsum.

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Nun trägt der Branchenverband Proviande den kultigen Spruch zu Grabe, wie Direktor Heinrich Bucher gegenüber 20 Minuten bestätigt: «Wir haben festgestellt, dass der Slogan im gegenwärtigen Klima, in dem der Fleischverzicht in aller Munde ist, vermehrt kritisiert wird. In der politischen Diskussion wurde er uns regelrecht um die Ohren geschlagen.»

Vegetarier jubilieren

Der Verband habe sich entschieden, die Kommunikationsstrategie weiterzuentwickeln, obwohl der Spruch immer mit einem Augenzwinkern gemeint gewesen sei. Der neue Slogan lautet: «Schweizer Fleisch. Der feine Unterschied.» Bucher erklärt: «Wir wollen unter dem Motto ‹Verantwortungsvoller Genuss aus der Heimat› klarer aufzeigen, warum es sich lohnt, Schweizer Fleisch zu kaufen.»

Die Vegetarier jubilieren: «Es freut uns, dass der Fleischverband künftig auf den provokanten und unwahren Slogan verzichtet. Denn dieser degradierte nicht nur andere Lebensmittel, sondern lief auch jeglichen Ernährungsempfehlungen zuwider», so Angelika Frenkel vom Verein Swissveg.

«Fleischbranche hat Angst, dass der Konsum sinkt»

Früher seien Vegetarier in der Schweiz eine Randgruppe gewesen, sagt Frenkel, inzwischen gebe es aber auch immer mehr Flexitarier, die bewusst einmal auf Fleisch verzichteten. «Das spürt die Fleischbranche. Sie hat Angst, dass der Fleischkonsum sinkt», so Frenkel. Mit dem neuen, schwammigen Spruch versuche man, das Image aufzupolieren.

Proviande-Direktor Bucher kontert: «Der Fleischkonsum in der Schweiz ist in den letzten Jahren konstant geblieben und liegt nach wie vor bei gut 50 Kilogramm pro Kopf und Jahr.» Den Trend zum Vegetarismus stelle man höchstens in der öffentlichen Diskussion fest. «Wir machen uns keine Sorgen.» Die alte Image-Kampagne sei höchst erfolgreich gewesen, es sei aber an der Zeit, die Strategie anzupassen.

So warb die Branche über zehn Jahre lang für Schweizer Fleisch:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tobson am 19.08.2016 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja aber...

    ... jetzt hört doch mal auf! Es reicht langsam, ihr Vegis. Jedes Kind weiss, dass dieser Spruch überspitzt formuliert ist. Und Gemüse ist halt einfach nicht mehr als Beilage, begreift es doch endlich.

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  • halibali am 19.08.2016 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beilage

    Warum geben die sich durch die Vegis geschlagen... Den alten Spruch fand ich eindeutig besser und werde ich persönlich immer weiterverwenden, schliesslich ist alles andere Beilage :)

  • Fleisch Essser am 19.08.2016 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FLEISCH

    Lieber Fleisch Essen als Vegetarier sein. Dazu sag ich nur: FLEISCH IST MEIN GEMÜSE und der Rest ist ganz sicher nur Beilage.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peace am 20.08.2016 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte...

    ... wir haben also auch wirklich grosse Sorgen! So grosse, dass man sich um einen Werbeslogan kümmern muss. Traurig! Uns geht es zu gut!

  • marc am 20.08.2016 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein Danke, Fleischindustrie

    ich bin eigentlich kein Vegetarier... aber ich weigere mich Fleisch aus Industriehöfen, Massenschlachtung, aus dem Ausland (Transport), etc zu kaufen/ zu essen. ich finde die FleischPRODUKTION und der effektiv übertriebene Konsum ("ich will min 1x täglich Fleisch") gehören verboten.

  • ovis am 20.08.2016 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Geld Verdierbt nicht

    Ich hatte Tiere. Was mich erstaunte wahren die Abrechungen des Schlachtohfes und der Viehändlers. Immer nur Abzüge. Was aber noch erstaundlicher Wahr : Was ich pro Kg. Ausbezahlt bekommen habe und was das Fleich in den Grossverteilern Kostet.

  • Katrin am 19.08.2016 21:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation !

    und endlich ist es soweit... 'Alles andere ist Beilage' steht für einen völlig überdimensionalen falschen Ernährungsstil, der unserem Klima schwer zu schaffen macht.. Das hat auch nichts mit dem veganen oder vegetarischem Trend zu tun!

  • Vegi oder Was?! am 19.08.2016 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wehn interessiert das schon?

    Wenn das so weitergeht mit den Vegetarier, stehe ich bald mit meiner Bratuwurst bei den Rauchern vor dem Lokal...