30 bis 120 Franken mehr

26. September 2019 04:48; Akt: 26.09.2019 08:10 Print

Fliegen Schweizer wegen Abgabe wirklich weniger?

Die Flugticketabgabe von 30 bis 120 Franken rückt immer näher. Gegner warnen, die höheren Preise würden dem Klima sogar schaden.

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Zwischen 30 und 120 Franken sollen Airlines bald pro Passagier bezahlen, wenn sie von einem Schweizer Flughafen abheben. Transitpassagiere sind davon ausgenommen. Der Ständerat hat einer solchen Flugticketabgabe am Mittwoch bei der Beratung des neuen CO2-Gesetzes klar zugestimmt.

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Die Befürworter sind überzeugt, dass die Bevölkerung dann auf Reisen verzichtet oder auf klimafreundlichere Verkehrsmittel wie die Bahn umsteigt. CVP-Ständerat Beat Vonlanthen sagte im Rat, dass das Fliegen heute viel zu billig sei. Er gehe davon aus, dass schon 30 Franken zu deutlich weniger Passagieren führten, sagte er unter Verweis auf wissenschaftliche Studien.

«Airline-Kunden reagieren empfindlich auf höhere Preise»

Auch Martin Peter, Ökonom beim Forschungsbüro Infras, rechnet damit, dass eine Abgabe eine Wirkung erzielt: «Wie stark die Nachfrage abnimmt, hängt von der Destination und der
Erhöhung der Ticketpreise ab. Wenn eine Airline die Ticketpreise für einen Flug wegen der Abgabe um beispielsweise zehn Prozent erhöht, dann passen rund zehn Prozent der Passagiere ihr Reiseverhalten an.» Bei Geschäftsreisen sei der Effekt weniger stark als bei Freizeitreisen. Aber: «Airline-Kunden reagieren empfindlich auf höhere Preise. Deshalb ist der Preiskampf in der Branche so gross.»

Der Verein Umverkehr fordert darum eine noch höhere Abgabe: «Um die Emissionen des internationalen Flugverkehrs zu reduzieren, muss die Flugticketabgabe mindestens 65 Franken betragen und gegen oben offen sein», sagt Projektleiterin Greta Stieger. Es brauche zudem ein Verbot von Kurzstreckenflügen.

«Man fliegt dann ab Mailand oder München»

SVP-Nationalrat Thomas Hurter sieht die Schweiz auf dem Holzweg: «Die Flugticketabgabe wird keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten – im Gegenteil.» Vielmehr bewirke sie, dass Passagiere Zwischenstopps und Umwege in Kauf nehmen würden für günstigere Preise. «Man fliegt dann ab Mailand, Wien oder München, wo die Abgabe viel tiefer ist.» Genau aus diesem Grund hätten Dänemark, die Niederlande und Irland die Abgaben wieder abgeschafft. «Golfairlines werden den Preisunterschied zu nutzen wissen, um die Kunden über ihren Hub zu lenken.» Da Fliegen kein Selbstzweck sei, werde die Schweiz internationale Anbindungen und damit Arbeitsplätze verlieren.

Bedenken hat auch die Swiss. Sprecherin Karin Müller sagt: «Wir sind nicht überzeugt, dass nationale Flugticketabgaben im internationalen Luftverkehr zum gewünschten Ziel führen.» Sei die Abgabe zu tief angesetzt, verfehle sie die Wirkung. Sei sie zu hoch, führe dies zu einer Verlagerung der Verkehrsströme ins nahe Ausland, «insbesondere bei einer übermässigen Belastung der Langstrecken-Direktflüge über andere Hubs in Europa, der Türkei und im Mittleren Osten. Swiss sei gerade in Europa einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt und könne die Ticketpreise nicht beliebig erhöhen. «Folglich ist fraglich, ob die Fluggesellschaften die Abgabe auf den einzelnen Fluggast überwälzen können.» Zielführender seien globale Initiativen.

Ständerat Beat Vonlanthen beeindruckt das nicht. Er rechnet nicht damit, dass ein grosser Teil der Passagiere ausweichen wird. «Auf Europaflügen gibt es gute Alternativen», sagt Vonlanthen zu 20 Minuten. Er verweist etwa auf den Zug, unterstreicht aber, dass das Angebot an Nachtzügen noch ausgebaut werden müsse. Noch muss der Nationalrat über die Flugticket-Abgabe befinden. Stimmen beide Räte zu, könnte das Referendum gegen das Klimaschutzgesetz ergriffen werden.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eibeler8 am 26.09.2019 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herrje.

    Na dann. Flughafen ZH für Fr. 800 Mio ausbauen und einige weichen auf andere Flughäfenaus. Unsere Politiker sollens doch erst mal vor machen und selbst nicht mehr fliegen. Mir ists egal. Wenn ich fliegen muss kann ichs mir nicht aussuchen. Und wenn ich will dann fliege ich auch. Die Aussage des Politikers dass Fliegen viel zu billig ist kann nur von jemanden stammen der zu viel verdient.

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  • Büezer Unterschicht am 26.09.2019 05:40 Report Diesen Beitrag melden

    Super Ablassbriefe

    Diese Klima-Taxen sind einzig modernen Ablassbriefe die dem Volk durch Politiker aufgebrummt werden. Ist doch super um das Gewissen zu beruhigen.

  • Ares am 26.09.2019 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltfremd

    Hauptsache noch die letzten paar Franken aus jedem Schweizer auspressen wollen. Als würde das die Weltbevölkerung oder die Umwelt stören, wenn 8 Millionen Schweizer normal am Flugverkehr teilnehmen können! Hunderte Millionen Menschen welche in Industrieländer leben, welche immer wohlhabender werden werden garantiert absolut keine Bedenken haben, ob sie nun wegen des Klimas fliegen wollen oder nicht ;) Hoffe die darauffolgende Gegeninitiative wird den weltfremden Parlamentarier zeigen, dass der Hammer immer noch beim Volk hängt. Bin ausserdem 20 Jahre alt und kein "Babyboomer Bünzli".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Norman Schweizer am 26.09.2019 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Jetzt sind die Preise dann endlich wieder da, was Flugreisen wirklich kosten. Fertig mit dem Geiz, nichts mehr für die Dinge bezahlen wollen weil man Dinge nicht mehr schätzen kann. Ich liebe das Fliegen, werde immer, wenn ich Lust habe fliegen und es schätzen. Wahrscheinlich ist dann das Flugzeug auch von dem innerlich leeren Menschen befreit, der es sowieso nicht schätzen konnte. Eine Technik die uns die Welt öffnete, viele Dinge in unsere Zuhause brachte an denen wir uns täglich erfreuen und wir treten sie mit dem Geiz- und Klimawahnsinn mit Füssen. Absurd...

  • Patrizia am 26.09.2019 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    ExPat in Down Under

    Wenn die Tickets ab CH deutlich steigen wuerden, werde ich eher nach Paris oder Mailand fliegen statt direkt in die Schweiz - und gleich noch ein paar Tage Ferien einplanen en France oder in Italia!

  • Izmir Egal am 26.09.2019 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pffftt

    50Fr. von Zürich nach München und dann weiter zur Zieldestination. Mach ich seit 8 Jahren so. Und es kommt mir erst günstiger als ab Zürich.

  • Wahrheit am 26.09.2019 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wachstum und mehr Einnahmen sind gewollt, Umweltsc

    nein, wird es nicht. Aber darum geht es ja auch nicht. Je mehr Passagiere desto mehr Abgaben für den Staat. Klar erkennbar am Ausbau des Flughafens. Wachstum ist gewollt, Umweltschutz ist reiner Vorwand. Das Gleiche gilt für höhere Bezinpreise. Niemand wird deshalb weniger fahren. Zudem gibt es auch immer mehr Autos und Verkehr durch Zuwanderung. Also wieder mehr Einnahmen.

  • Gabi am 26.09.2019 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umweltabgabe

    Das der Flugverkehr nichts gutes bringt,ja ok,und dass man etwas gegen den Klimawandel machen muss,auch das ist logisch und sinnvoll ,aber ist das nicht nur ein Tropfen auf den Heissen Stein? Ist die Menschheit,sind die Regierungen, bereit an einem Strang zu ziehen? Bin ich bereit z.b aufs fliegen zu verzichten? Antwort nicht wirklich,und nur der Verzicht hilft!