Mitten in der Nacht

20. August 2019 20:11; Akt: 20.08.2019 20:11 Print

Flixbus lässt Station aus und Passagiere stehen

Leser D. C. und seine Begleiterin warteten mitten in der Nacht stundenlang auf ihren Bus. Der kam nie. Eine Entschädigung gibt es seit Wochen nicht.

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Der Busbahnhof von Toulon in Frankreich: Hier verbrachten D. C. und seine Begleiterin die Nacht auf den 11. Juli. Der Flixbus, der sie nach Genf hätte bringen sollen, liess die Haltestelle aus. C. erhielt SMS, die eine Verspätung ankündigten, doch nach mehreren Stunden war klar: Der Bus würde nicht mehr kommen. Flixbus bestätigt den Vorfall. (Symbolbild) Ein Fahrfehler und der Ausfall eines GPS hätten dazu geführt, so ein Flixbus-Sprecher. Das Unternehmen bedauere den Vorfall und werde die entstandenen Kosten erstatten. (Symbolbild) In den Fernbus-Markt kommt Bewegung: Blablacar, eine Firma, die bisher ein Mitfahrportal betrieb, lanciert mit eigenen Fernbussen unter dem Namen Blablabus eine Alternative zu Flixbus. Blablabus kommt auch in die Schweiz. Bereits aktiv sind Linien von Genf nach Mailand, Paris, Lyon, Grenoble und Chamonix, die das Unternehmen vom früheren Konkurrenten Ouibus übernommen hat. Dabei soll es nicht bleiben. Ein Blablabus-Sprecher sagt, die Firma werde bis Ende Jahr 70 Linien eröffnen und 400 Orte in ganz Europa anfahren. Fernbus-Experte Patrick Angehrn geht davon aus, dass bald neue Linien in die Schweiz folgen. Marktführer ist der deutsche Anbieter Flixbus. Er hat je nach Schätzung einen Marktanteil in Deutschland von bis zu 95 Prozent, auch in der Schweiz ist Flixbus der grösste Anbieter internationaler Linien. Flixbus ist für die Verkaufsplattform und die Angebotsplanung verantwortlich. Die Busse hingegen gehören den Subunternehmern, die mit Flixbus zusammenarbeiten. Innerhalb der Schweiz ist bisher Eurobus der einzige Anbieter von Fernbus-Linien. Eurobus arbeitet mit Flixbus zusammen und vertreibt seine Tickets über die Flixbus-Internetseite. Ebenfalls in den Schweizer Markt eintreten will die österreichische Firma Dr. Richard, die in der Schweiz im Reisegeschäft bereits unter der Marke Albus präsent ist. Der Bund hat aber noch keine Bewilligung erteilt. Nicht mehr im Markt mit innerschweizerischen Fernbussen tätig ist der Anbieter Domo Bus. Sein Geschäft ging an Eurobus über. Ebenfalls Geschichte ist der österreichische Anbieter Hellöbus. Die ÖBB-Tochter wurde an Flixbus verkauft und ging im Fernbus-Riesen auf.

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D. C. und seine Begleiterin warteten in der Nacht auf den 11. Juli vergeblich auf ihren Bus des Fernbus-Betreibers Flixbus. Auf dem Rückweg aus ihren Ferien von Toulon nach Genf hätte der Bus um 00.10 Uhr abfahren sollen. Insgesamt 10 Passagiere hofften auf eine baldige Weiterreise.

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Via SMS wurde C. über Verspätungen informiert. Um halb ein Uhr hiess es, der Bus habe 60 bis 70 Minuten Verspätung. Dieselbe Nachricht erhielt C. um 2.40 Uhr und 6.35 Uhr nochmals. Schliesslich rief ein Mitreisender bei der Flixbus-Hotline an – und erfuhr, dass der Bus nicht mehr komme, weil die Strasse zum Busbahnhof laut Auskunft der Busfahrer gesperrt sei.

Zug statt Bus

«Das war vollkommener Schwachsinn», sagt C. Alle anderen Flixbusse mit derselben Abfahrtszeit seien am Busbahnhof aufgetaucht. Eine Mitreisende habe dann von einer Freundin, die in Marseille auf den Bus ging, erfahren, dass der Bus mit grosser Verspätung unterwegs war und ohne Halt in Toulon durchgefahren sei. Reisende hätten die Fahrer in Marseille auf die Zurückgebliebenen angesprochen, denen sei das aber egal gewesen.

C. sagt, der Mitarbeiter der Hotline habe sie mit einer Reservation am nächsten Tag vertrösten wollen: Das habe er nicht akzeptiert. Stattdessen nahmen er und seine Begleiterin den Zug und erreichten mit sechs Stunden Verspätung und nach mehrmaligem Umsteigen Genf.

Fahrfehler und GPS-Ausfall

Flixbus versprach C. und seiner Begleiterin schriftlich die Rückerstattung der Kosten für die Bahnfahrt von 244 Franken. Doch auch über einen Monat später hat C. kein Geld erhalten. «Schlimm ist nicht nur, was passiert ist, sondern vielmehr, dass sich Flixbus nicht aus eigener Initiative für sein Fehlverhalten entschuldigt hat», so C.

Flixbus bestätigt den Vorfall auf Anfrage. «Wir bedauern diesen sehr», sagt Sprecher David Krebs. «Durch vorherige Strassensperrungen auf der Verbindung und einen daraufhin erfolgten Fahrfehler des Busfahrers verpasste dieser den Halt in Toulon. Durch einen Ausfall des Navigationssystems an Bord konnte er diesen Fehler nicht mehr korrigieren.» Alle 10 Fahrgäste, die in Toulon einsteigen wollten, hätten auf alternative Beförderungsmittel zurückgreifen müssen.

Die Rückerstattung der Kosten, die C. und seiner Begleiterin entstanden, sei genehmigt worden, so C. Sie werde auch erfolgen. «Wir haben das nochmals bei der zuständigen Abteilung in Auftrag gegeben», so der Flixbus-Sprecher.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Neumann am 20.08.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Erwartet ihr etwas anderes von Flixbus, Uber und ähnlichen Diensten? Jeder will es billig und billiger und erwartet dafür Luxus-Service. Einfach traurig.

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  • Sara am 20.08.2019 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flixbus wieder in den Schlagzeilen

    Jeder selber Schuld, die diese Firma unterstützt

  • Marc'oh'polo am 20.08.2019 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll man da noch sagen?

    Geiz ist geil.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sam70 am 21.08.2019 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    flixbus am handy

    vor paar wochen hat mich ein flixbus aus der bahn gedrängt und ein beinahe unfall und das über eine doppelte sicherheitslinie .... als ich den bus überhilen konnte, sah ich das er mit der linken sein weises handy bediente. reaktion von flixbus .... es tut uns leid das sie nicht zufrieden waren .... natürlich war ich nicht zufrieden, wenn der mir fast ins auto donnert.

  • globi am 21.08.2019 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Stop weggelassen und nun was?

    Wieso gibt es bei der SBB wenn so etwas passiert eine Entschaedigung?? Danke fuer den Hinweis: ist mir passiert. PS: Flixbus ist billig die SBB nicht!

  • Flixbus Fahrer am 21.08.2019 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ziel erreicht

    Ich bin bis jetzt noch jedes mal am Ziel angekommen

  • Andy am 21.08.2019 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Vergesst endlich den; nichts wert.

    • Mara am 21.08.2019 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andy

      flixbus Katastrophe, eine std. vor Abfahrt habe ich Nachricht erhalten das er zwei Stunden Verspätung hat und das bei einer Abfahrt Zeit um 23.00 und das die Toiletten im Bus nicht gehen das bei einer fahrt von 12 Stunden. zu erreichen war niemand also bin ich nach Hause

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  • Roland am 21.08.2019 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geniessen

    Wenn ich es mir nicht leisten kann, bleibe ich lieber Zuhause und geniesse die Ferien, statt mich über billig Flieger und Buse zu ärgern und sich auf Onlineportalen zu beschweren.

    • Wenig_Verdiener am 21.08.2019 13:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Roland

      nicht alle gehen in die Ferien welche wenig Geld haben. Ich bin Gotten froh dass es sowas wie Flixbus gibt da meine Freundin und ich beide wenig Geld haben und uns seit Jahren keine grosse Ferien leisten können. also weder weg fliegen noch sonst ein Erholungsurlaub. Aber wir Mussten dringendst nach Deutschland um uns bei Ihrem schwerst kranken Vater verabschieden zu können der vor wenigen Wochen gestorben ist. und ohne diese "billig" Möglichkeit hätten wir uns nicht verabschieden können. Mit SBB oder einem Flug wäre es NICHT MÖGLICH gewesen da zu Teuer. Bitte mal dein Hirn nutzen

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