Ungewollte Schwangerschaften

10. Juli 2014 16:04; Akt: 14.07.2014 11:18 Print

Flüchtlinge sollen gratis verhüten dürfen

von R. Kayser/N.Glaus - Viele Asylbewerberinnen in der Schweiz werden ungewollt schwanger. Die Pille können sie sich nicht leisten. Nun wird die Politik aktiv.

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Auf der Flucht, in einem fremden Land, ohne Perspektiven. Eine ungewollte Schwangerschaft verschärft die ohnehin schon ungewisse Lage von Asylbewerberinnen zusätzlich. In der Schweiz können sich aber viele Flüchtlinge keine Verhütungsmittel leisten.

Dies beobachtet eine Gynäkologin aus dem Kanton Zürich, die namentlich nicht genannt werden möchte. Viele Asylbewerberinnen hätten ein Bedürfnis nach einer Verhütungsmethode, scheiterten dann aber an den Kosten: «Die Frauen können sich die Spirale oder die Pille schlicht nicht leisten und müssen darauf verzichten.» Nicht selten kämen sie dann nach einigen Wochen wieder zu ihr zurück – schwanger. «Das ist ein grosses Problem.» Kondome sind für viele Flüchtlinge keine Option – je nach kulturellem Hintergrund sind sie verpönt.

Der Bund sieht jedoch keine Finanzierung von hormonellen Verhütungsmitteln für Asylbewerberinnen vor, da Verhütung nicht im Leistungskatalog der Krankenkasse aufgeführt ist. Auch in den Kantonen gibt es keine einheitliche Regelung. So werden beispielsweise im Kanton Aargau oder St. Gallen die Verhütungskosten für Asylbewerberinnen übernommen, während der Kanton Zürich keine solchen Unterstützungszahlungen kennt.

«Es muss dringend eine Lösung her»

Die Dachorganisation «Sexuelle Gesundheit Schweiz» kennt das Problem. Ihre Beratungsstellen verfügen über einen Notfonds für Asylbewerberinnen, die sich keine Verhütung leisten können. Laut der Geschäftsleiterin Barbara Berger wird diese Finanzierungshilfe extrem häufig eingefordert. «Die stetige Kostenreduktion im Asylwesen erhöht den Druck auf unsere Beratungsstellen enorm.» Wenn es nach ihr ginge, müssten die Verhütungsmittel von den Behörden finanziert werden. «Es muss dringend eine Lösung her. Es kann nicht sein, dass wir jeden einzelnen Fall individuell lösen müssen.»

Auch in der Politik wird diese Forderung nun laut. Laut EVP-Nationalrätin Maja Ingold liegt es im Interesse der Schweiz, dass die Frauen nicht mehr Kinder bekommen, als sie eigentlich möchten. Ingold prüft deshalb einen Vorstoss: «Es braucht eine schweizweite Spezialregelung, die diesen Frauen die hormonelle Verhütung ermöglicht.» Für den Zürcher SVP-Nationalrat Hans Fehr hingegen sind solche Forderungen eine «Pervertierung des Asylwesens». Dies habe nichts mehr mit dem Schutz von Menschen in Not zu tun, sondern sei eine «unnötig teure, luxuriöse Leistung».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Denker & Zahler am 10.07.2014 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wunschkonzert oder was?

    Zitat: "Kondome sind für viele Flüchtlinge keine Option je nach kulturellem Hintergrund sind sie verpönt." eh, was genau? Ich glaub es hackt! Bin ich der einzige Idiot der sich noch (selbstgekaufte, mit eigenem Geld) Kondome überzieht? Langsam aber sicher bin ich echt im falschen Film ...

  • timon am 10.07.2014 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Was soll das? Ist mir völlig egal, ob kondome bei denen "verpönt" sind. Sollen wir eigentlich für alles aufkommen? diese ärzte wittern wohl das grosse geschäft.

  • frechheit am 10.07.2014 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    ich glaubs nicht..

    Soweit kommt es noch. und ich als Schweizerin gehe 10 Stunden pro Tag arbeiten und darf die doofe Pille aus meinem eigenen Sack bezahlen und die Pillen für die Asylanten gleich auchnoch? Wenn Sie in die Schweiz kommen können Sie auch ein Kondom nehmen und sich anpassen oder keinen sex mehr haben fertig!!!! Oder für alle Frauen die Pille Gratis machen!!!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • World Traveller am 11.07.2014 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Persönlichkeitsveränderung

    Eine überlegte Familienplanung würde ich sehr befürworten. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, und rate es auch immer wieder meinen Kolleginnen, das Hormonelle Verhütung gut überlegt sein muss, eine hormonelle Behandlung ist einer der krassesten Eingriffe, und dies meist an gesunden Menschen! Es verändert die Persönlichkeit und das emotionale Leben/ Partnerschaft extrem. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ich jedoch nehme das 1- 2 mal Verhütung/ zykl. mit Kondomen gern in kauf um dafür ich selbst zu bleiben .

  • Antifaschist am 11.07.2014 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schäme mich..

    Viele dieser Kommentare sind rassistisch und egoistisch! WIR in der Scheiz kennen keinen Armut ist das euch nicht klar? Sie möchten es zahlen, weil sie es sich nicht leisten können (im gegensatz zu uns) und nicht um Flüchtlinge zu bevorzugen... GIBT ES IN EUREM LEBEN AUCH WAS ANDERES ALS GELD?! Wieso muss es immer ein "nur ich bin wichtig" und nicht ein miteinander geben? Ich bin Schweizerin, aber ich schäme mich für die Menatlität der meisten meiner Mitbürger.. Es ist einfach nur noch traurig...

  • CHAG am 11.07.2014 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Absurd

    Ich denke die Meinung der Mehrheit ist durch diese Kommentare eindeutig klar geworden.... Ich muss mich da auch sowas von anschliessen! Finde das einfach nur frech!

  • My Opinion am 10.07.2014 23:01 Report Diesen Beitrag melden

    Verhütungspolitik ist eh katastrophal!

    Mal abgesehen von der Pille für die Asylanten ist die Verhütungspolitik in der Schweiz sowieso ein Witz!Verhütung muss jeder selber zahlen, selbst eine Unterbindung - die Abtreibung dagegen wird bezahlt. Was soll das denn???

  • Alois Stalder (TG) am 10.07.2014 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Es soll ihnen besser wie uns gehen

    Langsam habe ich das Gefühl, dass gewisse Politiker von SP, Grünen, EVP und dergleichen durchaus in Kauf nehmen, dass es Asylanten mittlerweile besser in der Schweiz geht, als uns erwerbstätigen Schweizern. Wozu gehe ich eigentlich noch jeden Tag arbeiten?