Reisen in die Heimat

16. Oktober 2017 10:48; Akt: 16.10.2017 13:45 Print

Flüchtlinge verlieren immer öfter ihr Asylrecht

In 168 Fällen entzogen die Behörden Flüchtlingen den Asylstatus, weil sie in ihr Heimatland gereist waren. Am häufigsten betroffen sind Iraker und Bosnier.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der bekannteste Fall eines Flüchtlings, dem der Bund dieses Jahr den Asylstatus wegen einer Reise ins Heimatland entzogen hat, ist der Bieler Hassprediger Abu Ramadan.

Laut dem «St. Galler Tagblatt» ist er nur einer von 167 Fällen, in dem das Staatssekretariat für Migration (SEM) 2017 eingriff, weil die Flüchtlinge sich «unter den Schutz des Heimatstaates» gestellt hatten. Werden die Zahlen bis Ende Jahr hochgerechnet, resultiert ein neuer Höchststand in den vergangenen fünf Jahren.

Iraker reisten am meisten in die Heimat zurück

Entgegen Berichten über Eritreer, die für Ferien in ihr Heimatlandgereist sein sollen, zeichnen die Zahlen des SEM für dieses Jahr ein anderes Bild: Von einer Aberkennung des Asylstatus wegen einer Reise in die Heimat waren am häufigsten Iraker (33), Bosnier (25) und Vietnamesen (16) betroffen. «Die Behörden haben bis jetzt keine Beweise für massenhafte Ferienreisen von Eritreern in ihre Heimat festgestellt», sagt SEM-Sprecher Lukas Rieder.

Ein möglicher Grund für die steigenden Zahlen ist laut SEM die zunehmende Zahl anerkannter Flüchtlinge. Denkbar sei zudem auch, dass die Behörden durch die Debatte sensibilisiert sind für das Thema unerlaubte Heimatreisen. Seit September führt das SEM eine Meldestelle, bei der die Behörden Verdachtsfälle melden können.

Bundesrat und Parlament wollen handeln

Die Debatte um Heimatreisen von Flüchtlingen hat auch die Politik erfasst. SVP und FDP forderten in Vorstössen strengere Regeln. Auch der Bundesrat will handeln: Er schlägt vor, die Beweislast umgekehrt wird und die anerkannten Flüchtlinge beweisen müssen, dass sie sich nicht «in den Schutz ihres Heimatlandes gestellt» haben. Das Parlament wird diese Vorschläge noch behandeln.

(pam)