Asylgesuche

01. Juli 2014 10:41; Akt: 02.07.2014 12:05 Print

Flüchtlings-Ansturm auf die Schweiz erwartet

Aus Krisengebieten erreichen immer mehr Flüchtlinge Europa. Der Direktor des Bundesamtes für Migration rechnet auch mit einem Ansturm auf die Schweiz.

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Über 35'000 Flüchtlinge erreichten alleine in den vergangenen zwei Monaten Italien. Am Montag entdeckte die italienische Küstenwache ein Flüchtlingsboot mit 600 Menschen und 30 Leichen. «So dramatisch wie die Lage vor den Toren Europas zurzeit ist, war es wohl seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr», sagt der Direktor des Bundesamts für Migration (BFM), Mario Gattiker, im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Fünf bis zehn Prozent der Flüchtlinge, die Italien erreichen, würden erfahrungsgemäss später in die Schweiz kommen: «Wir erwarten deshalb in der zweiten Jahreshälfte klar einen Anstieg der Asylgesuche, die im Moment auf tiefem Niveau sind», so Gattiker. Weil vor allem Flüchtlinge aus Krisengebieten kämen, sei damit zu rechnen, dass die Menschen eine Weile hier blieben. Denn nicht nur in Syrien, auch in Mali, in der Elfenbeinküste, im Südsudan, in der Ukraine oder im Irak seien Menschen auf der Flucht. Deshalb müsse sich die Schweiz auf einen Anstieg der Asylgesuche einstellen.

Mehr Unterkünfte für Flüchtlinge – auch bei Privaten

Laut Gattiker steht das Bundesamt für Migration in engem Kontakt mit den Kantonen, um weitere Unterkünfte für die Flüchtlinge bereitzustellen. Welche Orte dafür infrage kommen, konnte der BFM-Direktor nicht sagen. Er hofft auf Verständnis der Schweizer Bevölkerung: «Die Schweizerinnen und Schweizer haben sich immer solidarisch gezeigt, wenn Menschen in Not waren.»

Auch die Flüchtlinge bei Privaten unterzubringen, wie es die Flüchtlingshilfe möchte, wäre für Gattiker eine Option. Eine solche Lösung brauche jedoch Zeit: «Obwohl viele Leute Flüchtlinge aufnehmen möchten, konnte noch keine einzige Person platziert werden.»

Strengere Kontrollen wegen Schlepperbanden

Mit dem Flüchtlingsstrom dürften auch Schlepperbanden in der Schweiz aktiv werden. Das Grenzwachtkorps habe deshalb die Einsatzkräfte aufgestockt. «Ziel ist es, möglichst viele Schlepper vor Gericht zu stellen und zu bestrafen», erklärt Gattiker.

Flüchtlinge, deren Schlepper auffliegt, würden in den normalen Asylprozess kommen. Wenn sich dabei beispielsweise herausstelle, dass sie bereits in Italien registriert wurden, würden diese im Rahmen des Dublin-Abkommens zurückgeführt. Grundsätzlich gehe man davon aus, dass die Rückführung nach Italien zumutbar sei. Ausnahmen, beispielsweise aus medizinischen Gründen, seien möglich.

(ngl)