Flughafen Zürich

06. Oktober 2018 20:44; Akt: 08.10.2018 09:46 Print

Airlines meiden Zürich wegen Lärm-Auflagen

von Stefan Ehrbar - Der Bund hat dem Flughafen Zürich verboten, weitere Flüge am Abend zu planen. Airlines verlieren das Interesse an Direktflügen, warnt der Flughafen.

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Der Flughafen Zürich darf am Abend keine neuen Flüge planen. Das hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) im Sommer entschieden, um «die übermässige Lärmbelastung in der Nacht nicht weiter ansteigen zu lassen». Das hat Konsequenzen: Wie der Flughafen in einer eigenen Zeitschrift schreibt, könnten «nachgefragte und bereits geplante neue Flugverbindungen nach Südamerika nun nicht angeboten werden».

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Soll der Flughafen neue Flüge am Abend planen dürfen?

Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling sagt, der Flughafen führe in Lateinamerika regelmässig Gespräche mit Airlines, die Interesse an einer Verbindung nach Zürich bekunden. Das, weil der Flughafen Zürich in Lateinamerika an verschiedenen Flughäfen beteiligt ist. Diese befinden sich in Brasilien und Chile. Die Airlines seien darauf angewiesen, in den für Langstreckenflüge wichtigen Randstunden abends einen entsprechenden Slot, also eine Lande- respektive Starterlaubnis, zugeteilt zu bekommen.

«Zürich ist für diese Airlines nicht attraktiv»

«Mit der Plafonierung der Slots durch das Bazl ist es für diese Fluggesellschaften nicht attraktiv, Zürich in ihr Streckennetz aufzunehmen», sagt Zöchling. Für den Flughafen selbst habe das zwar keine direkten Konsequenzen. Es bedeute aber, dass ein Aufbau von Langstreckenverbindungen zu diesen Zeiten vorerst nicht mehr möglich sei. «Das Nachsehen hat der Markt, sprich die Passagiere», erklärt Zöchling.

Wegen der Verfügung des Bazl darf der Flughafen ab nächstem Jahr keine neuen Landungen ab 21 Uhr und keine weiteren Starts ab 22.20 Uhr mehr bewilligen. Bazl-Sprecher Urs Holderegger sagt, von der Plafonierung könnten neue Verbindungen nach Südamerika betroffen sein. Eine Fluggesellschaft oder Allianz könne aber einen Slot für eine Europastrecke gegen einen Langstreckenflug eintauschen, wenn das in ihrem Interesse liege.

Muss Bundesgericht entscheiden?

Bis der Flughafen Zürich zusätzliche Flüge am Abend einplanen kann, kann noch einige Zeit vergehen. Einerseits verlangte der Flughafen vom Bazl neue Lärmkurven, die auf aktuellen Berechnungen beruhen. Diese hat der Flughafen der Behörde bereits vorgelegt. Während der Einsprachefrist, die am Dienstag zu Ende ging, sind laut Holderegger «praktisch keine» Einsprachen eingegangen. Sie dürften deshalb bald bewilligt werden.

Andererseits muss der Flughafen aber auch die Situation am Abend in den Griff bekommen. Dann sind viele Flugzeuge verspätet. Dazu muss er selbst einige Massnahmen umsetzen, andererseits ist er auf neue Möglichkeiten, die er mit dem neuen Betriebsreglement 2014 erhält, angewiesen. Es ist aber davon auszugehen, dass gegen dieses vor dem Bundesverwaltungsgericht Klage von Einsprechern erhoben wird und sich der Prozess deshalb weiter verzögert. Danach ist der Gang vors Bundesgericht möglich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Airport am 06.10.2018 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ok so wie es ist

    so wie es jetzt ist ist es vollkommen okay. an all diejenigen die schreiben: selber Schuld wer am Flughafen wohnt. ich wohne selber nahe beim Flughafen und der Fluglärm nehme ich seit 20Jahren in Kauf und jammere nicht...aber einige Stunden Nachtruhe sind einfach angebracht.

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  • A~ am 06.10.2018 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lärm

    Die Anwohner wollen immer Das Weggli und den Foifer. Einerseits eine hünstige aber doch zentrale Wohnung, andererseits aber so wenig Fluglärm wie möglich. Ein Nachtsperre ist i.O. aber der Flughafen soll ja auch wachsen können, wenn sich schon die Gelegenheit bietet.

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  • Geissenpeter am 06.10.2018 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn ich Flughafen CEO wäre...

    würde ich den Flughafen am nächsten Tag schliessen. Dann merkt der Bund was der Flughafen für eine Bedeutung für die Schweiz hat. Eine sehr grosse!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurt am 15.10.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    ok... weniger ist mehr...

    Es wird so oder so schon viel unnötig geflogen... Fliegen müsste einfach viel teurer werden... solange Kerosin billig ist, bleibt es so... leider. Und Leute verzichten nie wegen Ökologie auf etwas, auch nicht aufs fliegen... einfach: Nach mir die Sintflut....

  • Flieger am 15.10.2018 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zürich

    ist fliegerisch der wohl mieseste Airport in Europa. Teuer, schikanös, und wenn mehr als 3 Flugzeuge pro Stunde kommen und gehen ist die Flugsicherung am Abschlag. Kommen noch die blöden Reklamationen aus dem süddeutschen Raum und die Hunderte Arbeitnehmer mit der Autonummer WT... so stimmt alles und weder BAZL noch die Politik lösen das Problem. Logo, im BAZL sitzen die abgehalfterten ehemaligen Swissairler. Alles nur Zufall und keine Mauschelei.

  • Christoph Schmid am 15.10.2018 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Egoistisches Verhalten

    Dekadent! Immer gieriger und NOCH mehr! Von den Umweltschäden spricht niemand! (CO2 etc.) Da es anscheinend kein freiwilliges Verzichten auf NOCH MEHR fliegen gibt ist eine gewisse Einschränkung durch die Sperrzeiten (Nachtruhe) angebracht und willkommen!

  • SZ am 14.10.2018 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr ?? Nööö

    Irgendwann muss es doch gut sein Immer mehr immer mehr Gierig

  • Karl am 13.10.2018 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht! Wachstum ist nicht Alles!

    Es braucht nicht mehr Starts- und Landungen. Für die Schweiz reicht das aktuelle Angebot völlig aus. Wieso sollte der Flughafen weiter wachsen, wenn für die Bürgerinnen und Bürger die Verbindungen ausreichen? Mehr Verbindungen bringen dem Bürger nicht zwingend viel mehr aus eine höhere Lärmbelästigung! Ich will keine Nachtflüge, da kann man in gewissen Regionen nur bei geschlossenem Fenster schlafen. Also ganz klar Nein!