Defizit

18. November 2019 08:13; Akt: 18.11.2019 11:04 Print

Ruag baut Flieger, jetzt will sie die Sparte verkaufen

Der bundeseigene Rüstungskonzern Ruag ist 2003 in den Flugzeugbau eingestiegen. Nun will das Unternehmen die deutsche Tochterfirma Ruag Aerospace Services loswerden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vergangenen Frühling hat der Bundesrat entschieden, den bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag in die Freiheit zu entlassen. Dazu spaltet er ihn ab 2020 in zwei Unternehmen auf. Das eine (genannt MRO Schweiz) soll wie bisher Leistungen für das VBS erbringen, dazu gehören etwa Wartungen und Reparaturen sowie die Instandhaltung der Kampfjets.

Die privatisierte Ruag International dagegen bündelt die Aerospace-Aktivitäten sowie die Bereiche Cyber oder die Ruag Ammotec. Die Munitionsfabrik Ruag Ammotec soll mittelfristig ganz verkauft werden. Wie die NZZ schreibt, will der Konzern basierend auf diesem Entscheid nun «unnötigen Ballast» loswerden.

Zu diesem zählt offenbar auch die zweimotorige Propellermaschine Dornier 228, die in Luftfahrtkreisen Legendenstatus geniesst. Sie wird durch die in Deutschland ansässige Tochterfirma Ruag Aerospace Services gebaut, die 450 Mitarbeiter beschäftigt. «Der Verkaufsprozess für das Werk ist initiiert», bestätigt Ruag-Sprecher Clemens Gähwiler gegenüber der Zeitung. Unter den Projektnamen «Mars» und «Dragon» bietet der Bundesbetrieb derzeit die Wartungs- und Flugzeugbausparte des Unternehmens an.

Fast ausnahmslos rote Zahlen geschrieben

Seit Aufnahme der Produktion der Dornier 228 soll Ruag Aerospace Services fast ausnahmslos rote Zahlen geschrieben haben. Insgesamt hat das Unternehmen gemäss der «Handelszeitung» so von 2008 bis 2017 nicht weniger als 72 Millionen Franken Verlust angehäuft.

Wie die NZZ weiter schreibt, habe diese Rechnung nur aufgehen können, weil diese Verluste querfinanziert worden seien. So soll die Ruag der Schweizer Armee über Jahre hinweg überhöhte Rechnungen für den Unterhalt des Flugparks der Schweizer Luftfahrt ausgestellt, wie die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) diesen Sommer feststellte.

Deshalb ist die Ruag in den Flugzeugbau eingestiegen

Weil das VBS und somit die Schweizer Armee immer weniger Leistungen bei der Ruag bezogen hat, ist das Unternehmen 2003 schliesslich in den Flugzeugbau eingestiegen. Als der deutsch-amerikanische Flugzeugbauer Fairchild-Dornier Insolvenz anmeldete, soll sich der Rüstungskonzern die Rechte am Flugzeugtyp Dornier 228 gesichert und diesen mit Ausnahme von Rumpf und Tragflächen rundum erneuern lassen haben.

Doch seit der Aufnahme der Produktion vor zehn Jahren soll der Bestellungseingang nur schleppend verlaufen sein. Zudem habe man mit Qualitätsproblemen und Lieferschwierigkeiten zu kämpfen gehabt.

So wartet zum Beispiel die venezolanische Regierung noch immer auf sieben von 2013 insgesamt zehn bestellten Maschinen, die die indigene Bevölkerung in entlegenen Gebieten des Landes versorgen sollten. Der südamerikanische Staat soll eine Vorauszahlung von rund 52 Millionen Franken geleistet haben, was der Hälfte des Auftragsvolumens entsprach.

Schliessung würde mindestens 100 Mio. Euro kosten

Für das Unternehmen dürfte es nicht nur deshalb schwierig werden, einen Käufer für die deutsche Aviatik-Tochter zu finden. Eine Schliessung der Luftfahrtsparte käme die Ruag laut der NZZ jedoch teuer zu stehen. Gemäss einer betriebsinternen Untersuchung würde dies den Bundesbetrieb 85 Millionen Euro kosten. «Da das Unternehmen seither weitere Verluste angehäuft hat, dürfte dieser Betrag mittlerweile wohl mindestens 100 Millionen Euro betragen», schreibt die Zeitung.

(rab)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil Krill am 18.11.2019 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... Priorität ...

    ... die Bundesnahen-Betriebe bringen es einfach nicht auf die Reihe, siehe auch Post und SBB. Das beste währe diese Betriebe wieder voll dem Bund zu unterstellen. Dann währe es auch mit diesem Managergehabe endlich wieder vorbei und das Kerngeschäft hätte wieder erste Priorität ...

    einklappen einklappen
  • Schofseckel am 18.11.2019 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ammotec verkaufen?

    Ganz ehrlich, wenn Ammotec an einen Privaten verkaudt wird, kann man das Schweizer Militär vergessen. Wer stellt dann die GP90 fürs stgw90 her? Eine Privatfirma?

    einklappen einklappen
  • Friedmann am 18.11.2019 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Was auch immer

    Lange wird es nicht mehr dauern, dann kracht die ganze Ruag zusammen. Die Manager haben eine dermassen Misswirtschaft betrieben, dass in allen Bereichen nur noch Probleme gibt. Die Heilige Entflechtung hatte die Mitarbeiter nicht nur massiv belastet, es war auch von Anfang an unmöglich. Man hat den Steuerzahler mit falschen oder keinen Informationen beliefert und betrogen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • ORCH_IDEE am 19.11.2019 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    warum hier bleiben?

    damit hat man dann unser militär definitiv zu tode verpolitisier( eu-hörig). denn auch bei pilatus will man den stecker ziehen. damit ist unser militär vollständig vom ausland abhängig...wer in unserem land will das? das volk? warum gehen die nicht gleich selber ausser land- jene denen es so hier gar nicht passt?geht es denen etwa auch nur um macht ausleben?

    • Kurt am 19.11.2019 13:10 Report Diesen Beitrag melden

      Warum nicht

      Wir wären beileibe nicht das einzige Land, dass keine Flugzeuindustrie oder gar Militärindustrie hat. In anderen Ländern wird auch fast alles von der Stange im Ausland gekauft. Warum nicht in der Schweiz? Warum sollten wir ein Flugzeug produzieren nur wegen dem Militär? Frage mich warum wir Kampfjets evaluieren und sie nicht selber herstellen. Ganz richtig uns fehlt das Know how.

    • Fränzi am 19.11.2019 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ORCH_IDEE

      Wäre schön, wenn alle die nicht Deine Meinung haben gehen würden. Dann wären mal noch ungefähr 30% der jetzigen Bevölkerung da. Aber warum gründet ihr ewiggestrigen nicht irgendwo auf diesem Planeten eine Kolonie? Ich hätte jedenfalls nichts dagegen wenn alle mit Deiner Einstellung weg wären.

    • Schneidewind am 20.11.2019 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fränzi

      Liebe Leser, das war ein Beitrag von Fränzi zum Thema Demokratieverständnis.

    • Ch.U.R. am 20.11.2019 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      Warum überhaupt noch irgendetwas hier produzieren? Finanzwesen, Industrie und Landwirtschaft kaputt regulieren und alle leben von der Fürsorge, ist es das, was Sie wollen?

    einklappen einklappen
  • Drazen am 19.11.2019 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu fassen

    Einfach nicht zum glauben was unsere möchtegern Politiker hier machen.Die RUAG gehört zur Schweiz und wiederspiegelt die dass technische Können der Schweiz.Jetzt stösst man alles ab???Falsche Politik.Am Schluss musd das Volk das Disaster wieder ausbaden.Die Waffenschmiede der Schweiz wird am Schluss zu einer 0815 werkstatt.

  • W. Meier am 19.11.2019 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal wach werden wäre gut

    Da könnt ihr schimpfen wie ihr wollt, interessiert niemand. Politiker lachen zuerst vom Strassenrand vor den Wahlen und als gewählte über uns vom Bundeshaus.

  • Motorradfahrer am 19.11.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann man ...

    ... mit einem legendären Flugzeug Verluste schreiben? Hat die RUAG Aerospace wohl zuviele, zu gut bezahlte Manager, welche nicht fähig sind (zu liefern und Probleme zu lösen)? Als Zürcher Betriebswirt schätze ich mal, dass zuviele StGaller im Management sitzen; tolle Ideen, tolles Salär, aber keine Ahnung von der Praxis.

    • Kurt am 19.11.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Motorradfahrer

      Kennen Sie Tesla? Oder Amazon? Es dauert einige Zeit bis man ein Geschäft stabil aufgebaut hat.

    • Motorradfahrer am 19.11.2019 10:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      Ja, das ist mir klar; doch mit einem 'legendären' Produkt sollte innerhalb 5-6 Jahren langsam der Turnaround absehbar werden.

    • Urs G. am 19.11.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Betriebswirte = Manager

      @ Kurt Aber gut 15 Jahre sollten dann doch reichen? auch wenn HSG drin steckt. spielt eigentlich eh keine Rolle ob ZH oder SG, die Teppichetage (da gehört der Arbeiter leider nicht dazu) hat sich die Tasche doch längst gefüllt!

    • Friedmann am 19.11.2019 21:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Motorradfahrer

      Die Manager kommen von der HSG St. Gallen. Erst gehen sie zur ABB und anschliessend kommen sie zur RUAG. HSG'ler kann man nicht brauche, mehr als Excel können die nicht. Die Zahlen malen sie sich einfach schön und nach unten geben sie Druck, dass die Zahlen schön bleiben. Die Manager haben den Mitarbeitern mit einer Kündigung gedroht, wenn es nicht so ausgeführt wird.

    • Schneidewind am 20.11.2019 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      Kurt hab bitte ein wenig Verständnis, er schreibt ja das er Betriebswirt ist!

    einklappen einklappen
  • Ch.U.R. am 19.11.2019 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Immer noch nichts gelernt?

    Halbstaatlich funktioniert nicht. Entweder ist ein Betrieb staatlich, dann muss er nur den Auftrag erfüllen, oder privat, dann muss er sich auf Augenhöhe im freien Markt behaupten. Immerhin, geht es hier nicht um einen Kaugummi, sondern um Millionen Beträge. Werden jetzt Köpfe rollen? Kommen die Verantwortlichen ins Zuchthaus? Natürlich nicht. In der Schweiz gibt es noch viele Halbstaatliche Betriebe, SBB, Swisscom, SRG, usw.

    • Urs G. am 19.11.2019 10:37 Report Diesen Beitrag melden

      lernen

      Die verantwortlichen sind Betriebswirte (gemäss Motorradfahrer) und weil aus SG nicht fähig - geht umgekehrt auch - die lernen an beiden Schulen ZH und SG wie man sein Geld abschöpft und sich dann verdünisiert. Müsste mit Gefängnis wegen Verschleuderung von staatlichem Eigentum bestraft werden.

    einklappen einklappen