Liefer-Boom

22. Juli 2019 05:02; Akt: 22.07.2019 06:45 Print

Uber Eats killt das Kochen

Die Schweizer stehen auf Essen vom Kurier. Bald liefert auch Uber nach Hause. «Selbst gekocht wird künftig nur noch am Wochenende», sagt ein Gastro-Experte.

Wie oft bestellen Schweizer ihr Essen beim Lieferanten? Was sind die Menü-Highlights und was darfs kosten?
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Ein Klick oder ein Anruf, und schon steht der Food-Kurier vor der Tür. Die Heimlieferungen boomen: 2016 setzten die Gastro-Kuriere in der Schweiz noch knapp 1 Milliarde Franken um, nun sind es 1,3 Milliarden. Das bestätigt Dominic Millioud, Chef von Eat.ch, gegenüber dem Magazin «Salz & Pfeffer».

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Ein Stück des wachsenden Kuchens will sich Uber schnappen: Vor einem halben Jahr in Genf gestartet, kommt jetzt Uber Eats in die Deutschschweiz. In Zürich erfolgt der Start in diesen Wochen, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. In Genf arbeitet Uber Eats mit über 200 Restaurants zusammen, darunter McDonald’s und Subway. Innerhalb von 30 Minuten bringt ein Fahrer für 5 Franken Liefergebühr das Big-Mac-Menu oder BBQ-Rib-Sandwich nach Hause.

«Kaum mehr Gründe, selbst zu kochen»

Die Food-Revolution habe längst begonnen, der wachsende Markt für Lieferservices werde diese beschleunigen, sagt Gastronomie-Experte Leo Egloff: «Das Essverhalten ist im totalen Wandel. Immer schneller und bequemer muss es sein: Genau das bieten Kurierdienste. Sie sind die Zukunft, auch weil ihr Angebot immer vielfältiger wird.»

Ob Sushi, Wantan-Suppe oder Tagliatelle: Fast jeder Essenswunsch wird heute geliefert. «Das prägt unsere Essgewohnheiten. Es gibt für viele keinen Grund mehr, selbst zu kochen», so Egloff. Das werde sich markant akzentuieren. «In der Schweiz wird immer weniger gekocht. Künftig wird man sich dafür nur noch am Wochenende Zeit nehmen und es als ‹Event› zelebrieren.»

Studien bestätigen das: Laut einer Befragung des Bundes kochen rund 20 Prozent der Schweizer abends nie warme Mahlzeiten – bei den Männern sind es 27 Prozent. Und laut einer Umfrage von Gastrosuisse bestellten über 16 Prozent der Teilnehmer im letzten Monat mindestens einmal zubereitetes Essen nach Hause.

Den Kurier-Boom begründet Gastro-Experte Egloff mit dem geänderten Arbeits- und Freizeitverhalten: Viele seien im Job unter Druck, hätten keine Zeit für lange Mittagspausen. «Und abends frönen sie lieber 40 Minuten länger einem Hobby, als in der Küche zu stehen», so Egloff. «Andere sind schlicht zu faul zum Kochen oder können es nicht mehr.» Vorab die 18- bis 30-Jährigen hätten Mühe, weil ihnen die Eltern die Kochkunst nicht vermittelt hätten.

Keine Zeit, keine Lust, fehlendes Können

Dabei hat Essen heute einen so hohen Stellenwert wie selten: Es wimmelt nur so von Foodblogs, kreativen Kochtipps und Foodporn in sozialen Medien. «Das sind hübsche Nebenschauplätze, aber es geht dort in erster Linie um Selbstprofilierung», so Egloff. «Wer macht sich am Abend nach einem strengen Tag noch Scampis an einer Avocado-Sauce?»

Bequemlichkeit, schlechte Kochkünste, Zeitmangel: Das sind die Hauptgründe, sich Essen liefern zu lassen, wie die Strassenumfrage von 20 Minuten zeigt (siehe Video). «Es ist herrlich einfach: So muss man nicht ausser Haus, wenn man keine Lust hat und kann im Bett liegen bleiben», sagt Sascha Burch, der sich vorab Fast Food nach Hause bestellt.

Daniel Fischer nutzt das Angebot rund einmal im Monat – dann gibts Pizza oder Kebab für die vierköpfige Familie: «Das kostet rund 45 Franken und ist preislich die Schmerzgrenze.» Selbst der praktizierende Koch Thomas Kasbauer lässt sich ab und zu scharfe Curry-Menüs bringen, wenn er zu müde ist. «Die gut-bürgerliche Schweizer Küche fehlt mir im Angebot. Cordon-Bleus oder Röschti – das wäre eine Liefer-Marktlücke.»

Ausländische Betriebe beherrschen Markt

Diese zu füllen, hätten Schweizer Beizer verpasst, sagt Gastro-Experte Egloff. «Sie sind sich zu schade oder zu selbstzufrieden. Das ist mit ein Grund für das Aussterben typischer Schweizer Beizen. Dabei wäre ein Lieferservice eine ideale Chance, das Geschäftsfeld zu optimieren.»

Der Kurier- und Take-Away-Markt werde vorwiegend von Anbietern aus Italien, Portugal, Afrika, Indien oder Asien dominiert. Viele hätten ein ausgeprägtes unternehmerisches Denken. «Sie sind fleissig, engagiert und wollen unbedingt Erfolg haben. Meist hilft zudem die ganze Familie im Betrieb mit – vom Vater in der Küche über die Tochter im Service bis zum Sohn, der ausliefert.»

(rol)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sparfuchs am 22.07.2019 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Nachher reklamieren, mein Lohn reicht nicht bis Ende Monat.

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  • roll2go am 22.07.2019 05:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zal-Uber-tec

    Da zeigt es sich, wie umweltschonend die Greta-Generation lebt, sich alles ins Haus liefern lassen, alles eingepackt in Wegwerfmaterial und durch immer neue Lieferdienste herangekarrt, die mit ihren Fahrzeugen CO2 erzeugen. Das ganze FrydayForFuture nur eine Farce.

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  • Stepi am 22.07.2019 05:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adios Esskultur

    Der Mensch lagert gerne aus. Die Industrie Arbeitsplätze als Beispiel. Tragisch wird es nun, dass das ureigensten Bedürfniss der Menschen, die Nahrung zubereiten, ausgelagert wird. Auf die Dauer bewirkt das einen enormen Kulturverlust. Unkritisch wird gegessen was geliefert wird. Das ist das eine. Das Andere: der Verkehr wird nich mehr belastet. Da die Essenszeiten meist dieselben wie die Arbeitszeiten sind, dürfte es im Feierabendverkehr noch zusätzliche Autos mit all den Lieferdiensten geben. Herrlich, so was zu essen, was in einer Wärmebox 45 Minuten im Stau stand. Lecker abgestanden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Igel am 23.07.2019 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Nur wollen

    Ich Koche am Wochenende viel. Auch verschiedene Menues. Diese kommen dann in den Tiefkühler schön Portioniert. So habe ich immer selbstgemachte Fertigmenues zu Hause selbstgemacht. Kochbücher oder Anleitungen auf You Tube gibt es zu genüge. Als Anregung wer nicht Kochen kann.

  • Mauri am 23.07.2019 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Schmarren....

    Diese Experten wieder! Ist wohl keine 25 jährig, aber weiss alles!? Ich bestelle vielleicht 1-2 Mal im Jahr was zum futtern. Und sonst wird selber gekocht! Ist keine Kunst, nur eine Frage des wollen...

  • Nik G. am 23.07.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zuwenig Zeit, zuviel Arbeitszeit

    Nicht keine Lust. Wir arbeiten immer mehr und haben keine Zeit mehr. In der Schweiz geben uns Wirtschaft und Politiker das Gefühl wir müssen über 40 Stunden arbeiten für unsere Wirtschaft. Was einfach nicht stimmt. Mit weniger Arbeitszeit kann man genau gleich viel erledigen.

  • Delphine Sonntag am 23.07.2019 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kann sehr gut kochen

    Ich kann sehr gut selber kochen, muss mich da selber loben. Das Lieferzeugs ist eh meist asiatisch mit Hormonfleisch oder dann schimpft es sich Pizza. Es geht nichts über ein selber gemachtes Käsesoufflé oder ein fein komponiertes Boeuf Bourguignon.

  • Eidgenossin am 23.07.2019 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Immer Frisch und selber kochen

    Wenn man sich selber gern hat,dann ernährt man sich gesund,dass bedeutet selber kochen! Ich bin Berufstätig und troztdem bereite ich meine Mahlzeiten immer selber frisch und ausgewogen zu! Meine Gesundheit ist mir enorm wichtig! Nie würde ich essen liefern lassen,ich esse kein Fastfood! Auch wenn man von Restaurants liefern lässt ist dies nicht gesund,denn die benutzen fertig Sauce,fertig Pasten etc.Frische Mahlzeiten kann man nur haben,wenn man das Essen selber zubereitet!Traurig,dass sogar Junge behaupten sie hätten keine Zeit zum kochen,ich bin auch berufstätig und nehme mir die Zeit dazu!

    • Eidgenossin am 23.07.2019 07:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Eidgenossin

      Zudem ist es so dass man am Abend auf keinen Fall ein richtiges Menü essen soll,denn über Nacht wandelt dies sich in Fett um! Mittags ein gesundes Menü und abens nur etwas sehr leichtes am besten ohne Kohlenhydrate! Essse Morgens wie ein König,Mittags wie ein Fürst,abends wie ein Bettler,dass ist das einzig richtige um gesund zu bleiben und nicht zu zunehmen!

    • Ernährungsberaterin am 23.07.2019 08:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Eidgenossin

      Ja das stimmt was du sagst,abends soll man nie Menüs essen,dass wandelt sich in Fett und die Verdauung sollte nicht arbeiten in der Nacht sondern auch ruhe haben!

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