Essen teilen

26. Mai 2013 21:51; Akt: 04.06.2013 13:19 Print

Foodsharing-Trend erreicht die Schweiz

von S. Heusser - Der Foodsharing-Trend geht von New York aus um die Welt. Doch in der Schweiz wird fast nur verschenkt statt getauscht. Nicht selten kommt es wegen Essensgeschenken zum Streit.

Der Film «Taste The Waste» hat viele Foodsharer inspiriert. Quelle: Youtube/MoviepilotTrailer
Zum Thema
Fehler gesehen?

Der sogenannte «Food sharing» oder «Food swapping» Trend (Essenstausch auf Deutsch) findet immer mehr Anhänger in der Schweiz. Die Bewegung, welche in Brooklyn (USA) ihren Ursprung nahm und über England ihren Weg bis in die Schweiz gefunden hat, will den Lebensmittel-Abfall reduzieren und lokale Gemeinschaften zusammenbringen, indem Mitglieder Essen tauschen, welches sie selber nicht benötigen.

Die Essenstauschs sind organisierte Events, an welche die Leute ihre Lebensmittel mitbringen und mit diesen handeln. Geld wird dabei keines gewechselt, Essen ist die einzige Währung. Doch während in England einige Gruppen die Idee weiterentwickeln und thematisch orientierte Essenstauschs wie «Zweiter Weltkrieg Essenstausch» veranstalten, wandelt sich der Tauschgedanke in der Schweiz zur Spendenbörse.

Ich geb dir meins - gib du mir deins nicht

Weil nur bei wenigen der 555 Mitglieder in ihrer Gruppe die Abfallreduktion noch im Vordergrund stand, änderte die Foodsharerin und Gruppengründerin Maria Scheuch den Namen ihrer Facebook-Gruppe in «Schweizer Lebensmittel Schenkbörse» um. «Mittlerweile geht es fast ausschlieslich darum, ärmeren Menschen Essen zu schenken, darum habe ich den Namen der Gruppe angepasst.» Obwohl sie sich wünschte, dass mehr Menschen bei realen Treffs zusammenfänden, verschickten Schweizer Spender hauptsächlich Lebensmittel-Pakete per Post.

Immer öfter stellen sich in der Gruppe Menschen «mit ihrer Leidensgeschichte» vor und «betteln» um ein Fress-Päckli, klagt Scheuch. Einige hätten auch schon nach einem iPhone gefragt. Offenbar seien viele Gruppenteilnehmer Sozialhilfe- oder Arbeitslosengeld-Empfänger. «Doch vor allem selber Bedürftige melden sich in der Gruppe, wenn sie einmal Teigwaren übrig haben, um es jenen zukommen zu lassen, denen es noch schlechter geht», freut sich Scheuch.

Teilen verdoppelt das Glück

Ab der Frage, wer wirklich arm genug sei für ein Essenspaket, eskaliere jedoch immer öfter Streit, sagt die Gruppengründerin, die selber durch den Dokumentarfilm «Taste The Waste» motiviert wurde, etwas gegen die «Wegwerfmentalität der modernen Wohlstandsgesellschaft» zu unternehmen. Sie wünscht sich, dass die Essensschenker und –teiler sich zwischenzeitlich wieder einmal an das Gruppenmotto erinnern. Es kommt von Albert Schweitzer: «Das Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.»

Dass nicht mehr Leute den Tausch-Trend mitmachen, findet auch Hans-Niklaus Müller von Umweltnetz-Schweiz schade. «Es könnte viel Lebensmittel-Abfall eingespart werden, wenn mehr Schweizer Foodsharing machen würden.» Er glaubt, die Schweizer würden sich vielleicht vor abgelaufenem Essen fürchten und wollten darum lieber ihr Essen verschenken, als es zu tauschen. Jede Verwertung von Lebensmitteln, die ansonsten weggeworfen würden, sei aber intelligent. «Die Idee des Tauschens, Teilens und Ausleihens ist ökologisch sinnvoll und erfreut sich zum Glück wachsender Beliebtheit.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trickmann am 27.05.2013 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Trick

    Also ich gehe immer mit vollem Magen einkaufen. Dann habe ich weniger Lust etwas zu essen und kaufe deshalb auch weniger ein. Dann wäre das Problem erledigt ;-)

  • Belinda am 27.05.2013 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch heute noch

    Auch ich teile ohne Facebook. Zusammen mit anderen Frauen kochen wir am Mittag. Jede trägt was dazu bei. Da unsere Männer mittags nicht da sind ( oder man alleinerziehend ist ) ist keine mit den Kids alleine. Ausserdem pflegt man so auch die sozialen Kontakte.

    einklappen einklappen
  • Cybot am 27.05.2013 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Tauschen

    Wie soll das mit dem Tauschen denn funktionieren? Um tauschen zu können, muss man ja erst mal selbst etwas haben. Tauschen ist doch nur für Leute interessant, die z.B. einen Garten haben und nicht alles aufessen können, oder wie ist das gedacht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 27.05.2013 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mangelndes soziales Gewissen

    Die Idiotie, das eine Tomate ein bestimmtes Rot haben darf, um verkauft werden zu können, zeigt doch den mangelnden Geist über Lebensmittel, welcher sich fortpflanzt, je grösser der Wohlstand ist. Die Auslagen bei Detailisten müssen gestylt sein mit Bilderbuchgemüse u -Früchte u das Angebot möglichst global u zu jeder Saison erhältlich sein. Wie krank ist all das nur? Es gibt auch hier genügend Bedürftigte, welche froh wären um weniger schöne Lebensmittel, doch Coop & Co haben nichts zu verschenken, denn solche Verantwortliche haben noch nie Hunger kennen gelernt. Verrückt!

  • Trickmann am 27.05.2013 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Trick

    Also ich gehe immer mit vollem Magen einkaufen. Dann habe ich weniger Lust etwas zu essen und kaufe deshalb auch weniger ein. Dann wäre das Problem erledigt ;-)

  • Nachbarin am 27.05.2013 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Foodsharing auf eine andere Art!!

    Das macht meine Nachbarin ganz anders... sie kauft nur das nötigste ein und wenn ihr etwas fehlt, schickt sie ihre Kinder die benötigten Esswaren bei uns zu holen.Da die Kinder sonst nur aus Dosen u.Tiefkühlfertigprodukten ernährt werden,gebe ich die Frischprodukte gerne ab und habe nachher noch das Gefühl etwas GUTES getan zu haben.Dafür können die Kinder mit den Eltern mit dem ersparten Haushaltungsgeld auf Übersee in die Ferien!!!

    • Patrice Vrabec am 27.05.2013 20:33 Report Diesen Beitrag melden

      selber doof

      Selber doof, wenn Sie Mitmenschen unterstützen, welche die Gutmütigkeit ihrer Mitmenschen ausnutzen!

    • So Nicht am 27.05.2013 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nachbarin

      Hat Ihre Wohnungstüre keinen Spion oder was? Sie scheinen drauf zu warten, etwas geben zu " müssen", um sich später darüber zu ärgern. Ist auch ein bisschen........

    einklappen einklappen
  • marcel thalmann am 27.05.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Sozialer werden

    ist die Lösung, dem sollten sich die Chefs bewusst werden, nur in einem stabilem Land mit sozialem Frieden kann der Reichtum genossen werden. Die Arbeiter brauchen mehr Lohn, Stellen müssen geschaffen werden. Die Grosskonzerne zahlen lieber 500 SFR pro m2, als einige Meter abseits , weil die Immoinhaber innerhalb der Reichengesellschaft sind. Bonzen teilen auch gerne, aber nur Gegenseitig, denn die Arbeiter sollen arbeiten und sich nicht wohl fühlen. Solange die Unterschicht so Probleme hat, werden sie die Machenschaften der Bonzen nicht erkennen.

  • Cybot am 27.05.2013 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Tauschen

    Wie soll das mit dem Tauschen denn funktionieren? Um tauschen zu können, muss man ja erst mal selbst etwas haben. Tauschen ist doch nur für Leute interessant, die z.B. einen Garten haben und nicht alles aufessen können, oder wie ist das gedacht?