Mit Gentechnik

20. Dezember 2013 10:06; Akt: 20.12.2013 10:20 Print

Forscher wollen uns gegen Fett immun machen

von Lea Blum - Lausanner Wissenschaftler haben Mäuse genetisch so verändert, dass sie trotz massenhaft Kalorien dünn bleiben. Auch Menschen könnten so gegen Fettleibigkeit resistent werden.

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So viel essen, wie man will, ohne dabei zuzunehmen. Dank Forschern von der Uni Lausanne könnte das schon bald Realität sein. Sie haben Mäuse herangezüchtet, bei denen ein Transportprotein namens MCT1, das für die Gewichtzunahme verantwortlich ist, teilweise ausgeschaltet wurde. Die Mäuse wurden während zwölf Wochen mit zucker- und fettreicher Nahrung gemästet. Mit erstaunlichem Resultat: Die genetisch veränderten Mäuse nahmen trotz der Kalorienbomben kaum zu, während die Kontrollgruppe massiv an Gewicht zunahm.

Bei Nagetieren will Professor Luc Pellerin aber nicht Halt machen. Auch Menschen sollen künftig so manipuliert werden können, dass auch die grösste Schlemmerei nicht merklich aufs Gewicht schlägt. «Damit konnte die Perspektive geschaffen werden, dass fettleibigen Menschen geholfen werden kann.» Mindestens zehn Jahre werde es aber noch dauern, bis das Konzept für Menschen angewendet werden könne.

Der Berner Immunologe und Uni-Professor Beda Stadler ist erfreut, dass «zum ersten Mal eine handfeste Entwicklung zur Gewichtsreduktion gemacht wurde. Wenn es bei Mäusen funktioniert, geht es auch bei Menschen», ist er überzeugt. Der genetische Aufbau bei Mäusen sei zu 90 Prozent ähnlich wie derjenige von Menschen.

Mittlerweile könne jede Krankheit medizinisch behandelt werden, so Stadler; «Wieso soll das nicht auch für Fettleibigkeit gelten?» Stadler hofft sogar, selbst auch einmal von der neuen Entwicklung profitieren zu können. «Die Lust am Leben und am Essen ist doch etwas Schönes. Wieso auf gutes Essen verzichten, wenns Freude macht?»

«Hemmungsloser Überkonsum» befürchtet

Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung (SAPS), ist hingegen skeptisch – schon was die Übertragbarkeit der Resultate Tiere auf Menschen betrifft. «Es ist nicht erwiesen, dass Menschen auf Medikamente gleich reagieren wie Mäuse.» Bei Menschen könnten Nebenwirkungen auf die Hirntätigkeit auftauchen, die bei Mäusen nicht feststellbar wären. So könnten die Vierbeiner beispielsweise nicht äussern, wenn sie wegen eines Medikaments an Depressionen litten.
Aber nicht nur deshalb hat von Grünigen Vorbehalte gegen die Essen-ohne-Reue-Methode: «Die Qualität der Ernährung würde leiden. Es könnte zu hemmungslosem Überkonsum führen.»

Dr. Ulrich Egermann, Facharzt für Innere Medizin vom Adipositaszentrum an der Privatklinik Lindberg in Winterthur, fürchtete ebenfalls Nebenwirkungen: «Präparate, die die Wirkung von Transporteiweiss wie MCT1 stören, können Nerven- und Muskelfunktionen beeinträchtigen.»

Dennoch sieht er Potenzial in der Entdeckung: Wenn mit einer solchen Methode Übergewicht bei Kindern vorgebeugt werden könne, sei das grundsätzlich sinnvoll. «Auch massiv übergewichtigen Erwachsenen damit zu helfen wäre ein guter Ansatz.»

Es müssten aber auch andere Faktoren berücksichtigt werden: «Übergewicht hat unter anderem auch mit der Zusammensetzung der Nahrung, mit emotionalen und psychologischen Aspekten, wie etwa Essen aus Einsamkeit oder Unzufriedenheit, zu tun.» Wer abnehmen wolle, komme alleine mit Medikamenten nicht ans Ziel.

Egermann hat auch ethische Bedenken und hält fest: Wichtiger als eine fettleibige Minderheit durch Genmanipulation schlank zu machen, sei dafür zu sorgen, dass alle Menschen genug zu Essen haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cédric Günther am 20.12.2013 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    schon immun

    Also ich bin schon immun gegen Fett.. vielleicht kann ich den Forschern ja meine DNA verkaufen :D

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  • Fitnessfreak am 20.12.2013 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Wird einfach die ganze Nährstoffaufnahme blockiert? Der Mensch braucht gute Kohlenhydrate als Energielieferant, Proteine für den Körperaufbau und oh wunder, auch gute Fette. Das ganze einfach in den richtigen Mengen! Dicke Leute sollten mal anfangen ihre Lebens- und Essgewohnheiten umzustellen. Man wird nicht von heute auf morgen dick! 1 Kg fett sind ca. 7000kcal zu viel! Anstatt Gipfeli und Kaffi mit 3 Zuckern am Morgen vielleicht mal Haferflocken essen mit Joghurt und Beeren..und Sport ist auch nicht verkehrt..

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  • Anja ... am 20.12.2013 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie PUR

    Es verhungern immer noch Menschen auf diesem Planeten und hier wird ein Team mit Forschern bezahlt, die mit Gentechnik uns so verändern will, dass wir haufenweise fettiges Zeug in uns reinstopfen können! Einfach nur noch krank!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat am 22.12.2013 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dekadenz!

    Das erinnert mich an die dekadenz der Römer. Wenn die soviel essen wollten wie sie wollten, sind sie regelmässig erbrechen gegangen. Dies ist nur eine moderne Version davon. Einfach ohne die unangeneme Seite. Aber nachdem man jetzt seit mehreren Jahrzenten davon redet, dass diese Welt nicht für alle genug zu Essen bietet, wäre weniger Essen gegen das Fett immer noch die beste Lösung.

  • Laura Fisch am 21.12.2013 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Spielen & Sport

    Totaler Schwachsinn. Wenn Kinder (und Jugendliche und Erwachsene) nicht fett werden sollen, dann muss man sie entweder "nach draußen" (mit entsprechend erklärten Regeln z. B. Straßen - Kinder haben tatsächlich das Recht dazu verkehrsberuhigte Straßen zum Spielen zu nutzen -, Brachflächen, Spielplätze, Grünanlagen, Naturbereiche) oder zum Sportunterricht ihrer Wahl schicken (im übrigen ein Grund, warum ich Ganztagsschulen ablehne, denn es schränkt die Kinder zu sehr ein). Auch eine Umwelt-, Tierschutz-, Pfadfinder oder sonstwas für eine Gruppe schafft ein wenig zusätzliche Bewegung. Und wenn jeder nur noch ohne sichtbare Konsequenzen Fettzeug isst, dann kaum noch gesundes essen, das auf lange Sicht vielen Krankheiten vorbeugt. Würde man das Erbgut von Menschen entsprechend verändern, würde es dadurch zu viel höheren Gesundheitskosten kommen. Jene Wissenschaftler unterliegen leider einfach nur dem Schlankheitswahn und der Maßlosigkeit der heutigen Zeit.

    • Geronimo am 22.12.2013 03:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      1. Linie Gesundes Essen

      Wir brauchen in erster Linie gesundes Essen. Unglaublich und Diese Menschen nehmen sich verdammt wichtig und setzen Methoden ein, die mehr als fragwürdig sind. Die Wundervolle Einrichtung der Natur wird vom Menschen Übergangen, doch irgendwann wird es Folgen haben.

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  • Pietro am 21.12.2013 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Tierversuche ?????? in der Schweiz ???

    ich dachte es gäbe keine Tierversuche mehr in der Schweiz ???

    • Sarah am 21.12.2013 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      Tierversuche...

      .gibt es ganz schöne viele hier - die Schweiz hat einfach ganz viel Forschung, ob an einer Uni oder in der Industrie.

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  • J.C. am 21.12.2013 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit...

    Also das ist wohl die Höhe... das was da zu Kindern steht. Die Idee ist dann wohl, den Kindern präventiv dieses Medi zu geben, damit Schlankheit auch bei extremer Fehlernährung (und das wurde untersucht, nichts anderes) garantiert wird. Das ist wie die massenweise Verabreichung von Ritalin, um die Kinder "einfacher" zu machen. Leute: wenn euch die Kinder nicht mehr passen, dann macht halt keine mehr. Die Fälle von krankheitsbedingter Fettleibigkeit sind wohl extrem selten, und ob das Medi dann da nützt, steht in den Sternen, das wurde nämlich nicht untersucht.

    • fred am 21.12.2013 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      alles nur müll

      Es sind ja nicht nur KINDER die Übergewichtig sind! Man kann auch als Kind ganz normal sein, aber dann erst mit 30 extrem zunehmen. Und wozu braucht es diese ,,Gentherapie,, es gibt ja genug Millionen Menschen die sich alles mögliche reinstopfen können und kein Gramm zunehmen. Von daher..

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  • Peter am 21.12.2013 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdiger Beitrag

    Da hat man bloss ein Gen entdeckt welches die Abspeicherung von Energie in Fettzellen vermindert. Ein "Medikament" gegen diese "Krankheit" ist nicht aussicht. Denn, das einzige "Medikament", welches die Gene anpassen kann, ist die Gen-Therapie und dabei sind sich sogar die Experten uneinig, ob die Gen-Therapie jemals praxistauglich werden kann. Andererseits ist da diese ominöse "Krankheit". Fettleibigkeit ist keine Krankheit, sondern die normale Reaktion des Körpers, auf ein krankhaftes Verhalten. Wir müssten also das Krankhafte verhalten in den Griff kriegen.