Mobbing in der Romandie

22. April 2016 16:17; Akt: 22.04.2016 16:26 Print

Franzosen sind die neuen Deutschen

Kulturschock, Vorurteile und Rassismus: Laut einer Journalistin haben französische Einwanderer in der Romandie nichts zu lachen.

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Die Schweiz ist bei französischen Einwanderern äusserst beliebt: Mittlerweile leben laut den neusten Zahlen des Bundes rund 120'000 Franzosen in der Schweiz – das sind doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. Auch in den letzten zwölf Monaten wanderten 6500 Franzosen mehr ein als aus. Damit lassen sie die Deutschen in Sachen Neuzuzüger locker hinter sich.

Naturgemäss lassen sich viele der Zuwanderer in der Westschweiz nieder. Die in Lausanne wohnhafte französische Journalistin Marie Maurisse (33) hat nun ein Buch über die Erfahrungen französischer Zuwanderer in der Schweiz geschrieben. Darin berichtet sie, dass Franzosen in der Romandie mit ähnlichen Vorurteilen zu kämpfen haben wie Deutsche in der Deutschschweiz.

«Franzosen gelten als arbeitsscheu»

«Es sind nicht alle Immigranten und Grenzgänger unglücklich in der Schweiz, aber viele leiden unter den Ressentiments, die ihnen die Schweizer entgegenbringen», sagt Maurisse. Die antifranzösische Haltung sei sehr stark zu spüren. «Franzosen gelten als arbeitsscheu, ständig am Apéro, als kompromissunfähige Nörgler, die ständig Stunk machen.» Zudem würden ihre Landsleute als arrogante Schmarotzer betrachtet, die von den höheren Schweizer Löhnen profitierten.

Laut Maurisse halten die Schweizer mit ihrer Abneigung auch nicht hinter dem Berg: beispielsweise mit verletzenden Sprüchen, die über normale Witzeleien hinausgingen. Die Franzosen versuchten dann, möglichst unsichtbar zu bleiben und bloss nie zu spät zu kommen.

Dass diese Abneigung bis hin zu offenem Hass gehen kann, zeigt Maurisse am Beispiel der Tötung eines französischen Kadermitglieds der Genfer Verkehrsbetriebe im Jahr 2011. «Der Mörder erhielt Gratulationsbriefe, dass er wenigstens einen der Grenzgänger zur Strecke gebracht habe», sagt Maurisse. «Das ist schockierend.» Sie selbst hat nach der Veröffentlichung ihres Buches zahlreiche Schmähbriefe erhalten. Der Tenor: Wenn es ihr hier nicht passe, solle sie heimgehen. «Offenbar ist Kritik von aussen nicht gern gesehen.»

«Vertikale Hierarchien»

Von «Rassismus» spricht Welschland-Kenner und Publizist Peter Rothenbühler nicht. In der Westschweiz herrsche ein offenes Klima. Aber: «Es gibt zweifelsohne gewisse Ressentiments.» Obwohl man den Franzosen in der Schweiz anders als den Deutschen nicht sogleich an der Sprache erkennen könne, sieht er kulturelle Unterschiede. Beispielsweise sei Frankreichs Arbeitswelt durch vertikale Hierarchien geprägt. «Der Chef hat immer recht, während er in der Schweiz auf die Leute hören und sich beweisen muss.» Passten sich die Franzosen nicht an, komme es zu Konflikten.

Laut Rothenbühler grenzen sich Westschweizer stark von Franzosen ab, ganz ähnlich wie die Deutschschweizer von Deutschen. «Gerade den Pariser hält man für arrogant, unhöflich und zu direkt.» Gleichzeitig habe der Welsche ein Überheblichkeitsgefühl, weil man in einem Land mit weniger Arbeitslosigkeit, höherem Wohlstand und direkter Demokratie lebe.

Maurisse macht in ihrem Buch denn auch eine überraschende Feststellung: Für Franzosen sei es trotz Sprachbarriere fast einfacher, in der deutschen Schweiz Tritt zu fassen. Sie würden dort als charmant und sympathisch wahrgenommen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jack Bauer am 22.04.2016 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein CH Problem!

    Fragt mal einen Amerikaner wie es so mit Mexikanern ist, oder einen Griechen ob er Kosovaren mag... Jedes Land hat Stolz und Vorurteile.

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  • Rodjo am 22.04.2016 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmmm.....,

    und im tessin sind es die italienner... normal oder? in basel die zürcher usw.

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  • S.S. am 22.04.2016 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Und ich dachte

    Und ich dachte, die Welschen sind arbeitsscheu und ständig am Apero, das ist tatsächlich steigerungsfähig ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Elena Tirana am 23.04.2016 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    welcome

    solange alle arbeiten und keine sozial oder rav beziehen ist alles okey.

    • Loreley am 23.04.2016 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Elena Tirana

      Dann sollen sie aber auch hier leben und hier das verdiente Geld ausgeben und keine Rappenspalterei betreiben!

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  • dado16 am 23.04.2016 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hass = noch mehr Hass zurück

    Ich hoffe für die Schweizer das euch der Wohlstand hier für immer und ewig erhalten bleibt. Solltet ihr irgendwann mal die Schweiz aus Wirtschaftlichen gründen verlassen müssen und in eins der EU Länder gehen müssen, werdet ihr all den Spott und Hass den Ausländern gegenüber zurückbekommen.

  • Karlsson am 23.04.2016 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Entwicklung

    Das ist mit Sicherheit ein Problem, sind wir doch alle nur Menschen und sollten etwas Nächstenliebe zeigen. Aber das ist kein Alleiniges Problem der Schweizer sondern kommt in jedem Land vor. Hinzugezogene werden, so lange es nur wenige sind, gerne gesehen. Wenn sie dann aber häufig anzutreffen sund, werden sie zur Plage und man will sie nicht mehr. Sie können einem den Arbeitsplatz wegnehmen. Dann muss man sich halt weiterbilden und sich so besser positionieren.

  • Hello! am 22.04.2016 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Le français suisse

    Und ob man Franzosen an der Sprache merkt! Der Akzent so wie einige Wörter sind anders. Deutschschweizer die in der Schule französisch lernen verstehen meistens Franzosen besser als Romands, so wie Romands Deutsche besser verstehen als Deutschschweizer.

    • 5F am 23.04.2016 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hello!

      Sie haben eine gut ausgeprägte Fantasie. Romands verstehen Deutsche besser als wir Deutschschweizer? Glauben Sie ja selber nicht wirklich oder?

    • Sly Fox am 23.04.2016 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @5F

      naaaaaaain, romands verstehen das hochdeutsch besser als das schweizerdeutsche *facepalm*

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  • MKA1919 am 22.04.2016 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle werden überbezahlt

    Das ist nicht mehr normal. Retten diese Menschen Leben dass sie soviel verdienen und so wertvoll werden? Jeden Tag etwas machen wo man Spass hat und dann noch soviel Geld dafür erhalten, so ein Leben wünsche ich mir auch. Kein einziger Fussballer oder Sportler sollte soviel verdienen! Wärend wir normale Bürger 8 h am Tag arbeiten und knapp leben haben diese Menschen 20 Autos 5 Villas etc.