Abgelaufener Pass

09. April 2019 12:04; Akt: 10.04.2019 09:07 Print

«Ich wurde von der Polizei festgehalten»

Der Pass einer US-Touristin war bei ihrer Ankunft in der Schweiz nur noch 85 Tage lang gültig. Die Frau gibt an, am Flughafen Zürich verhaftet worden zu sein.

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Sie hatte sich ihre Ferien anders vorgestellt, als sie in San Francisco in den Swiss-Flieger stieg. Elena P. wollte sich endlich den Eiffelturm von Nahem ansehen, doch sie schaffte es nicht einmal nach Paris. Die Amerikanerin sei beim Versuch, in die Schweiz einzureisen, am Zürcher Flughafen von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Das schreibt ein von ihr beauftragtes Anwaltsbüro.

Zwar war Elena P. schon beim Buchen der Europa-Reise aufgefallen, dass ihr Reisepass im Mai ablaufen würde. Da sie den Rückflug jedoch bereits im März antreten wollte, dachte sie sich aber nichts weiter dabei.

Bestimmungen für den Schengen-Raum

Was die Amerikanerin nicht wusste: Für die Einreise in die Schweiz ist ein Reisepass nötig, der mindestens noch 90 Tage nach der Ausreise gültig ist. Der Pass der Reisenden war bei ihrer Ankunft allerdings nur noch 85 Tage lang gültig.

Diese Regelung gilt für US-Bürger bei der Einreise in den Schengen-Raum, zu deren 26 Mitgliedstaaten auch die Schweiz gehört. Elena P. hatte sich nicht über die Einreisebestimmungen informiert, der Fehler lag eindeutig bei ihr.

Nacht im Polizeigewahrsam

Doch kam noch eine Portion Pech dazu: Weil am gleichen Tag kein Flug von Zürich zurück in die USA ging, musste die Frau nach Angaben des Anwaltsbüros die Nacht im Polizeigewahrsam verbringen, was sie als «sehr unangenehme Erfahrung» erlebte. Auch fielen ihr so Unkosten für das gebuchte Hotel in Paris an, ganz zu schweigen vom Ärger über den verpatzten Urlaub.

Elena P. verstand nicht, wieso die Swiss sie überhaupt mit Dokumenten an Bord gelassen hatte, die zur Einreise nach Europa nicht ausreichten. Deshalb forderte sie von der Flugline eine Wiedergutmachung von 3000 US-Dollar – und wurde abgewiesen.

Online und ohne Gepäck eingecheckt

Die Swiss verweist auf die Absätze 13.2 und 13.3 ihrer Beförderungsbestimmungen, wonach der Kunde verpflichtet ist, über für das jeweilige Zielland gültige Reisedokumente zu verfügen. Auch schliesst die Fluglinie eine Haftung aus im Falle der Nichteinhaltung.

Doch spricht auch die Swiss auf von einem «bedauerlichen Fall». Wie jede Fluggesellschaft sei die Swiss nur dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass alle Fluggäste über die notwendigen Reisedokumente verfügen. Normalerweise würde aber auch ein Verstoss gegen die Einreisebestimmung bereits vor Flugantritt, nämlich beim Check-in am Flughafen, bemerkt.

«Rückerstattung und Kulanz»

Im Falle von Elena P. sei dies jedoch nicht geschehen, weil die Kundin online eingecheckt hatte und kein Gepäck aufgab. «Deshalb konnte bedauerlicherweise keine Kontrolle der Dokumente stattfinden», schreibt die Swiss auf Anfrage.

Den Eiffelturm hat Elena P. noch immer nicht gesehen. Doch die leidige Geschichte hat mittlerweile ein Happyend gefunden: Die Lufthansa, über deren Seite sie den Swiss-Flug gebucht hatte, habe der Kundin die Kosten für den Flug zurückerstattet, wie das Anwaltsbüro schreibt. Auch die Swiss reagierte kulant und entschädigte die Kundin mit einem Reisegutschein über 300 US-Dollar.

Frei bewegen im Transitbereich

Die Kantonspolizei Zürich, die am Flughafen Zürich für die Grenzkontrolle verantwortlich ist, hält fest, dass es aufgrund von ungültigen Reisedokumenten nicht zu Verhaftungen komme.

Zum konkreten Fall von Elena P. kann Mediensprecherin Carmen Surber nichts sagen. Sie betont aber, dass sich Personen, denen die Einreise verwehrt wird, bis zum Rückflug frei im Transitbereich des Flughafens bewegen können.

(mat/doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ramon am 09.04.2019 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbegründet diese Forderung

    Sorry, wenn wir in die USA reisen, müssen wir uns auch über die Einreisebestimmungen informieren. Ich sehe hier die Entschädigung völlig falsch platziert.

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  • Reto F. am 09.04.2019 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstschuld

    Von den Amis gäbe es nix, also ist es nur gerecht!

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  • buffalo bill am 09.04.2019 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    So du mir, so ich dir....

    Versuchen sie so etwas wenn sie in die USA ankommen: der Empfang wird viel unfreundicher (was auch im Normalfall so ist)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno am 10.04.2019 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichbehandlung

    In den USA ist null Toleranz angesagt .... also gilt auch für US wenn sie zu uns kommen !

  • roli am 10.04.2019 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und in den USA

    Was würde einem Europäer passieren, wenn er mit dem gleichen Pass in die USA einreisen möchte. Ich denke da hat jemand grössere Probleme als die Frau in Europa.

  • Eri am 10.04.2019 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    ...online eingecheckt und kein Gepäck aufgegeben....wahrscheinlich einen Rucksack auf dem Rücken und jetzt noch ein Sackgeld von 300 US-Dollar erhalten...die weiss wie man um die Welt reist...;-)

  • Mauri am 10.04.2019 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe wer wolle!?

    Sehr kleinkariertes denken der meisten hier. Aber Leute ohne Reisepass lässt man frei in die Schweiz und füttert Sie noch Monatelang gratis durch.

  • Zuozer am 10.04.2019 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal sind weltweit 6 Monate

    Eigentlich überall wo ich den Pass brauche heisst es bei den Einreisebestimmungen, dass der Pass bei der Ausreise noch 6 Monate gültig sein müsse. Warum hat die Schweiz eigentlich nur 3 Monate? Daher sollte man sich vorher informieren wenn man ein Land bereisen möchte. Kann mir aber schon vorstellen, dass sich die Frau auf diese 6 Monate beruht hat, was eigentlich sonst weltweit der Fall ist. Warum muss die Schweiz immer was spezielles handhaben?