Hypochonder im Notfall

25. März 2020 04:51; Akt: 25.03.2020 04:51 Print

Für Test täuschen Corona-Simulanten Symptome vor

von B. Zanni - Corona-Tests sind nur für bestimmte Personen vorgesehen. Simulanten versuchen deshalb, Arztpraxen und Spitäler auszutricksen.

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Eine etwa 40-jährige Frau sei kürzlich vor der Clinique des Grangettes in Genf aufgetaucht und habe um einen Corona-Test gebeten, sagt Zivilschützer S.T*. «Sie sah aus, als würde sie gleich sterben. Sie hustete fürchterlich und machte ein leidendes Gesicht.» Wenige Minuten später kam der Arzt laut T. genervt zurück. «Er sagte, dass die Dame nur Theater gemacht habe. Sie sei kerngesund», sagt T. Er kann sich das Verhalten nur so erklären, dass sich die Frau so stark vor einer Ansteckung fürchtete, dass sie sich Symptome einbildete. Solche Fälle erschwerten die Arbeit zusätzlich, so T. «Wir haben nur wenige Tests. Leute, die Corona-Symptome simulieren, sind Egoisten», empört er sich. Auch bei der Berner Insel-Gruppe sind Simulanten ein Thema. Vor Tests unternähmen sie umfangreiche Abklärungen, sagt Aristomenis Exadaktylos, Klinikdirektor des Universitären Notfallzentrums am Inselspital. «Es ist relativ rasch ersichtlich, ob jemand einen Test benötigt oder nicht. Simulieren bringt nichts». Täuschungsmanöver rührten von einer Angst her, so Exadaktylos. «Vielfach sind Patienten beruhigt, wenn sie von einer Fachperson hören, dass ihre Symptome nicht gravierend sind.» Sie würden niemanden verurteilen. «Wir klären die Personen ab – egal, aus welchen Gründen sie zu uns kommen, und besprechen ihre Ängste.» Mit Simulieren kommen die Leute aber nich weit. «Gerade als Hausarzt kennt man seine Patienten gut und findet schnell heraus, ob jemand wirklich Symptome hat oder nicht», so Peter Tomasi, Hausarzt in Wädenswil ZH. Moralisch sei Simulieren sehr verwerflich, sagt Tomasi. «Damit nimmt man allenfalls jemandem eine Test weg, der schwer krank oder gefährdet ist.» Wenn man den Leuten dies erkläre, reagierten sie meist einsichtig. Auch in Deutschland belasten Simulanten das Personal. Laut dem «Hamburger Abendblatt» melden sich beim Arztruf Menschen, die Symptome schildern und aus Risikogebieten kamen. Vor Ort stelle das mit grossem Schutzaufwand ausgestattete mobile Testteam jedoch fest, dass nicht einmal dieses Symptome wirklich existierten.

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Wer mit einem Schnupfen oder Husten um einen Corona-Test bettelt, hat keine Chance: Vorgesehen sind die Abstriche für Risikopersonen mit möglichen Symptomen einer Covid-19-Erkrankung. Allen anderen empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG), daheimzubleiben. Grund dafür ist, dass die Testkapazitäten zurzeit nicht ausreichen, um alle Personen zu testen. Einige Menschen schrecken nicht davor zurück, das Personal auszutricksen.

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Zivilschützer S.T.* erlebte vor dem Eingang der Clinique des Grangettes in Genf einen derartigen Fall. Es habe sich wohl um eine Hypochonderin gehandelt, so der 33-Jährige. Eine etwa 40-jährige Frau sei dort kürzlich aufgetaucht und habe um einen Corona-Test gebeten. «Sie sah aus, als würde sie gleich sterben. Sie hustete fürchterlich und machte ein leidendes Gesicht.»

«Arzt sagte, sie habe nur Theater gemacht»

Vor Schreck habe er gleich seinen Tisch leergeräumt, sagt T. «Ihr Husten war so stark. Ich befürchtete, dass sie alle Gegenstände darauf infizieren könnte.» Er und sein Kollege seien überzeugt gewesen, dass die Frau eine Corona-Patientin sei, und hätten sie in die Notfallaufnahme geschickt. Zu ihrem Zustand nicht gepasst habe allerdings ihr Outfit. «Sie war gekleidet, als würde sie gleich in einen Club gehen.»

Wenige Minuten später kam der Arzt laut T. genervt zurück. «Er sagte, dass die Dame nur Theater gemacht habe. Sie sei kerngesund», sagt T. Er kann sich das Verhalten nur so erklären, dass sich die Frau so stark vor einer Ansteckung fürchtete, dass sie sich Symptome einbildete.

Solche Fälle erschwerten die Arbeit zusätzlich, so T. «Wir haben nur wenige Tests. Leute, die Corona-Symptome simulieren, sind Egoisten», empört er sich. Nur eine Stunde später habe er gesehen, wie unauffällig sich dagegen echte Corona-Patienten verhielten. «Eine ältere Frau kam und erklärte ganz ruhig, dass es ihr nicht gut gehe. Kurze Zeit später erzählte mir der Arzt, dass sie an einem Atemgerät angeschlossen ist.»

«Simulieren bringt nichts»

Die Clinique des Grangettes äusserte sich nicht zum Fall. Die Patienten könnten im Allgemeinen die Screening-Kriterien gut nachvollziehen, sagt Claude Kaufmann, Mediensprecher der Hirslanden AG, zu der auch die Genfer Klinik gehört. «Einzelne Patienten fragen trotzdem nach dem Screening-Abstrich – diese Patienten gilt es vor allem zu beruhigen und angemessen zu beraten.»

Auch bei der Berner Insel-Gruppe sind Simulanten ein Thema. Vor Tests unternähmen sie umfangreiche Abklärungen, sagt Aristomenis Exadaktylos, Klinikdirektor des Universitären Notfallzentrums am Inselspital. «Es ist relativ rasch ersichtlich, ob jemand einen Test benötigt oder nicht. Simulieren bringt nichts.»

Täuschungsmanöver rührten von einer Angst her, so Exadaktylos. «Vielfach sind Patienten beruhigt, wenn sie von einer Fachperson hören, dass ihre Symptome nicht gravierend sind.» Sie würden niemanden verurteilen. «Wir klären die Personen ab – egal, aus welchen Gründen sie zu uns kommen, und besprechen ihre Ängste.»

Simulanten schnell entlarvt

«Es kann sein, dass jemand seine Beschwerden eher intensiver angibt, in der Hoffnung, zu einem Test zu kommen», sagt Peter Tomasi, Hausarzt in Wädenswil ZH. Die Patienten seien oft beunruhigt und hätten Angst, jetzt das «Corona» zu haben. Oft komme auch Druck von aussen, insbesondere vom Arbeitgeber, sich testen zu lassen.

Mit Simulieren kommen die Leute aber nicht weit. «Gerade als Hausarzt kennt man seine Patienten gut und findet schnell heraus, ob jemand wirklich Symptome hat oder nicht», so Tomasi. Moralisch sei Simulieren sehr verwerflich. «Damit nimmt man allenfalls jemandem eine Test weg, der schwer krank oder gefährdet ist.» Wenn man den Leuten dies erkläre, reagierten sie meist einsichtig.

Behörden drohten mit Kosten

Bianca Roth, Oberärztin Infektiologie und Spitalhygiene am Luzerner Kantonsspital, sagt: «Dieses Problem wurde bisher so nicht festgestellt. Es kann natürlich Einzelfälle geben, aber wir machen die Leute darauf aufmerksam, dass ein Test nur dann Aussagekraft hat, wenn die Symptome auch wirklich echt sind. Andernfalls könnten sie sich in falscher Sicherheit wiegen.» Es könne sein, dass man das Virus in sich trage und ein Test trotzdem negativ ausfalle. «Zwei Tage später kann die Krankheit ausbrechen und erst dann wäre der Test positiv.»

Auch in Deutschland belasten Simulanten das Personal. Laut dem «Hamburger Abendblatt» melden sich beim Arztruf Menschen, die Symptome schildern und aus Risikogebieten kamen. Vor Ort stelle das mit grossem Schutzaufwand ausgestattete mobile Testteam jedoch fest, dass nicht einmal dieses Symptome wirklich existierten. Täuscher müssten die Einsatzkosten selbst tragen, drohten die Behörden deshalb.

*Name der Redaktion bekannt


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 25.03.2020 05:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So traurig

    Die sollten eine satte Busse bekommen und einen Termin beim Psychiater

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  • Tamara am 25.03.2020 05:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Simulanten

    Solche Leute verstopfen das Gesundheits wessen schon vor der Pandemie. Und jetzt erst recht. Als ob die Gesundheits Leute nicht schon genug zu tun hätten.

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  • Igel am 25.03.2020 05:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klappsmühle

    Es gibt also Leute welche durch die eigene Blödheit noch Blöder werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 26.03.2020 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solidarität?

    Die Ego-Narzissten Generation ist am Werk

  • Frisco1993 am 26.03.2020 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hansterkäufe

    Solche leute sind warscheinlich auch die die hamstereinköufe machen

  • Max am 26.03.2020 21:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lesen

    Asiatische grippe . Wikipedia

    • Human am 26.03.2020 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Max

      Rassistisches A......och....

    • human am 26.03.2020 23:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Human

      sehr schön ein paar Rassisten sind am bewerten.....sicher wiedet ein paar "neutrale, ehrliche" Deutschweizer

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  • Isabella am 26.03.2020 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hinterfragen

    Achja? zu bedenken ist aber, dass man momentan auch nicht mit anderen Krankheiten zum Hausarzt gehen kann? Tests werden eh nur bei den Risikogruppen und solchen welche schwere Symptome aufweisen gemacht (gemäss Tel. beim Ärztephon) und nicht wie in den Pressekonferenzen vom Bund angegeben, es werde Flächendeckend getestet. Da kommt doch langsam die Frage auf, was machen den alle anderen Ärzte, welche nicht in einem Spital angestellt sind?

    • Max Planck am 27.03.2020 00:32 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nötig

      Man muss auch nicht zum Hausarzt gehen, wenn nichts lebensbedrohliches und kritisches vorliegt. Oder sind Sie auch jemand welche bei jedem Bobo zum Hausarzt rennt und sei es nur für eine Gesprächstunde?

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  • Ruth1975 am 26.03.2020 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber bezahlen

    Die Simulanten sollten die Kosten selber bezahlen müssen.