Fragen zur «Pille danach»

29. September 2016 14:36; Akt: 03.10.2016 13:56 Print

Frauen fühlen sich von Apothekern gedemütigt

Viele Frauen beklagen sich darüber, dass sie beim Kauf der «Pille danach» Fragen beantworten müssen, die zu weit gehen. Apotheker würden sie ausserdem vorverurteilen.

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Bevor sie die «Pille danach» ausgehändigt bekommen, müssen Frauen in manchen Apotheken unangenehme Fragen beantworten. (Bild: Jasper Juinen)

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In die Apotheke zu gehen, um nach der «Pille danach» zu fragen, verlangt vielen Frauen einiges an Mut ab. Wie es scheint, machen es ihnen die Apotheker auch nicht erträglicher: Eine wesentliche Anzahl Frauen fühlt sich verurteilt, wenn nicht sogar erniedrigt, nachdem sie in der Apotheke nach der Notfallpille gefragt hat, wie «Le Matin» berichtet. Sie müssten sich ironische, moralische und entwürdigende Sprüche gefallen lassen.

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Mit Prävention haben einige kaum mehr etwas zu tun. Das Vorgehen ärgert auch Berufskollegen. Noëllie Genre, Pharmazeutin und Soziologin, sagt zur Zeitung: «Das sind schlechte Erfahrungen. Es ist schade, wenn es so schlimm verläuft.» Die Pharmazeuten hätten die Aufgabe zu lernen, mit den Patientinnen ohne Vorurteile in Kontakt zu treten. «Sobald man zu werten beginnt, funktioniert es nicht mehr. Selbst die Moral geht schon über professionelle Ethik hinaus», sagt Genre.

«Ich werde jetzt lügen»

Einige Apotheker stellen bei der obligatorischen Befragung der Frauen sogar Fragen über das Vergnügen oder die Stellungen beim Sex. Eine Betroffene erzählt: «Die Fragen des Pharmazeuten wurden zu detailliert. Im Bett? Im Stehen? Hatten Sie Spass daran? Ich bin ohne Pille wieder gegangen.» Eine andere berichtet: «‹Läuft wenigstens noch etwas?›, hat mich die Apothekerin in einem verächtlichen Ton gefragt. Und ‹Kennen Sie ihn wenigstens?›»

Einer 31-Jährigen wurde in der Apotheke gesagt: «Um eine Standpauke zu vermeiden, werde ich jetzt lügen.» Eine 27-jährige Frau erzählt, dass sie gefragt wurde, ob sie wisse, wie Kinder gezeugt werden. Die Reaktion auf ihre Antwort: «Und was denken Sie? Dass es reicht, zum Heiligen Geist zu beten, um nicht schwanger zu werden?» Eine 30-Jährige habe zudem einen Schwangerschaftstest vor den Augen der Apotheker machen müssen, um die «Pille danach» zu erhalten.

Hormondosis ist enorm

Für Genre ist dieses Verhalten alles andere als in Ordnung. «Es ist einfach skandalös.» Solche Details zum Geschlechtsakt seien keinesfalls nötig. Genre rät den betroffenen Frauen deshalb, danach zu fragen, auf welcher medizinischen Grundlage die Frage beruhe.

Das obligatorische Gespräch sollte eigentlich dazu dienen, Risiken einzudämmen. Durch eine Befragung können Apotheker helfen, solche Situationen in Zukunft zu vermeiden, denn das Medikament hat es in sich. Alexandre Grand-Guillaume-Perrenoud, Arzt und Doktor in pharmazeutischer Wissenschaft: «Die Hormondosis, die in einer ‹Pille danach› enthalten ist, ist enorm.»

Patientinnen sind misstrauisch

Der Arzt erinnert daran, dass man die Apotheke ohne Probleme wechseln könne. Doch nicht jede Kritik sei auch gerechtfertigt. Während manche Frauen sich darüber beklagten, sie hätten die Pille vor den Augen der Apotheker einnehmen müssen, beschwichtigt Grand-Guillaume-Perrenoud: «Sie denken, so verhindern zu können, dass die Pille zum Beispiel als Reserve für später oder zum Weitergeben an andere gebraucht wird.» Ausserdem sei das Misstrauen der Patientinnen bei Schuldgefühlen umso grösser. Es sei deshalb wichtig, diese abzubauen. Denn nicht jede Frage zum Privatleben sei unprofessionell.

Haben Sie schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Berichten Sie uns davon. Ihre Angaben behandeln wir auf Ihren Wunsch anonym.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc am 29.09.2016 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Aehm

    Wenn ich in eine Apotheke reinlaufe (egal welche), ist das Personal zu 70% weiblich.

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  • Egon am 29.09.2016 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Hintergrund der fragen

    also wenn mich eine apotheker nach einem ONS ohne kondom fragt ob ich den "partner" kenne, nehme ich schwer an dass das nicht mit neugier sondern eher mit möglichen geschlechtskrankheiten zu tun hat... aber wenn den damen zu persönlich ist... es gibt kondome, die pille und zur not kann man auch zum hausarzt/gynäkologen /// was spass, stellung etc... angeht habt ihr recht, das gehört sich nicht.

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  • Elena W. am 29.09.2016 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ist auch mir passiert ...

    Ich wurde in ein Nebenzimmer geführt und musste anschliessend eine ganze Litanei an gehässigen Fragen und demütigenden Kommentaren über mich ergehen lassen. Nach der Einnahme wurde mir gesagt, ich solle besser aufpassen, die Pille danach sei kein Verhütungsmittel. Ich bin 30, bestens aufgeklärt, seit Jahren in festen Händen (derzeit entschieden ohne Kinderwunsch) und habe, wegen eines Einnahmefehlers bei der Antibaby-Pille, zum ersten und bisher einzigen Mal Gebrauch von der Pille danach gemacht, was mir die Apothekerin jedoch partout nicht glauben wollte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ich bin kein blödmann am 30.09.2016 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    An alle Typen

    die sich hier über Frauen aufregen. Die Pille danach holen ausschliesslich Frauen (bei Euch-uns-mir bringt es nichts), also sind Frauen die Opfer.

  • Pia G. am 30.09.2016 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich froh

    will ich nie mehr einen Freund. Problem gelöst

  • Rico am 30.09.2016 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerungen werden wachl

    Ach, war das vor 50 Jahren ein Unterfangen. Mit hochrotem Kopf in die Apotheke. Kucken ob die Damen beschäftigt waren, damit man vom einzigen Herrn im Laden bedient werden konnte. Man(n) konnte das Wort "Pariser" oder "Verhüterli" kaum gacksen. Zum Glück wusste der Mann ja sofort wo das Problemchen lag. Ja, liebe Damen. Es kommt mir vor, als wären wir immer noch in dieser Zeit - jedoch mit anderen Vorzeichen.

  • auf in den automat mit bargeld am 30.09.2016 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Mir ist aufgefallen

    wenn jemand Verhütung kauft. (Kondome) schämen diese sich. Das beschriebene ist voll daneben, aber die Schämquelle ist sehr tief. Da müsste man nur nach evtl. Allergien fragen, würden die sich schon schämen

  • Sandra am 29.09.2016 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Frecheit

    Ich habe auch schlechte Erfahrung gemacht, als ich die Pille brauchte weil der Kopf zum ersten mal wo anders war.... musst ich mir anhören "Wie lang kennen sie in schon? sind sie sicher das er nicht viel Geld hat?"

    • Ene Lady nie ohne am 30.09.2016 00:23 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz neue Aspekte

      Egon - du schreibst: .. also wenn mich ein Apotheker nach einem ONS fragt ... ich habe nicht gewusst, dass Männer nach einem ONS schwanger werden können - ganz neue Aspekte.

    • Susi Schläfli am 30.09.2016 00:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Lady

      Kaum hatte ich der Apothekerin gesagt, dass ich nicht ohne Baldrian einschlafen könne, wollte sie sofort seine Telefonnummer kriegen...

    • Sandmännchen am 30.09.2016 03:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Susi Schläfli

      Unmögliches wird sofort erledigt - Wunder dauern etwas länger.

    • Peter Moser am 30.09.2016 06:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra

      Hoffentlich auch gleich 24 h nach dem Akt auch noch gleich die Pille gegen AIDS eingeschmissen. Aber stimmt ja, ist ja nicht mehr so schlimm heute muss man nur noch so 1-5 Tabletten im Tag, und nicht mehr 40-60 wie in den 90er Jahren.... Mensch Leute denkt einfach mal auch mit dem Hirn!

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