Sprachregeln

24. Juni 2019 12:29; Akt: 24.06.2019 15:26 Print

Frauen halten wenig von gendergerechter Sprache

78 Prozent der Schweizer halten wenig von der geschlechtergerechten Formulierung von Texten. Auch bei Frauen ist der Widerstand gross.

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Die Verwendung des gendergerechten Sprachgebrauchs, etwa beim Gendersternchen (Student*innen) oder Gender-Gap (Professor_Innen), ist in der Schweiz höchst umstritten: Eine deutliche Mehrheit, nämlich 78 Prozent der Schweizer, hält nur wenig von gendergerechter Sprache. Lediglich 17 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass Geschlechterstereotype durch die Sprache zementiert werden. Das zeigt eine gewichtete Umfrage von 20 Minuten zum Frauenstreik bei 11’596 Personen.

Werden die Resultate nach Geschlecht aufgeschlüsselt, fällt auf, dass auch eine grosse Mehrheit der Frauen die Verwendung der gendergerechten Sprache für überflüssig befindet. Dieser Meinung schliessen sich 87 Prozent der Männer an.

In Schweizer Institutionen und Unternehmen scheint die Thematik des gendergerechten Sprachgebrauchs jedoch angekommen zu sein. So empfahl etwa die Uni Bern in einem Sprachleitfaden die Verwendung des Gender-Gaps. Und der Versicherungsmulti Swiss Re appellierte an alle Mitarbeiter, keine «diskriminierenden» Wörter (wie etwa «Heirat», «Frau» oder «Ehemann)» zu benützen. Auch die Bundeskanzlei oder die Uni Basel rufen dazu auf, Texte geschlechtergerecht zu formulieren.

«Sprachlenkung von oben»

Nun regt sich jedoch Widerstand: Die Journalistin Regula Heinzelmann hat einen Schweizer Ableger des Vereins Deutsche Sprache (VDS) gegründet. Bereits über 34’000 Personen unterzeichneten die Online-Petition des Vereins, der gegen den «Gender-Unfug» kämpft (20 Minuten berichtete). Auch in Deutschland ist der Verein aktiv und mobilisiert Intellektuelle gegen den «zerstörerischen Eingriff in die deutsche Sprache».

Auch Heinzelmann spricht von «Sprachtyrannei» und kritisiert beim gendergerechten Sprachgebrauch die «massive Sprachlenkung von oben». Dass ein Grossteil der befragten Frauen der Sprach-Genderisierung kritisch gegenüberstehen, überrascht Heinzelmann jedoch nicht: «Wie ich fühlen sie sich auch in der männlichen Form mitgemeint.»

«Fortschritt ist Gewöhnungssache»

Anna Rosenwasser, Geschäftsführerin der Lesbenorganisation LOS, bestreitet jedoch genau das: «Den Frauen wurde beigebracht, dass sie bei Nennung des generischen Maskulinums mitgemeint seien – was aber nicht stimmt.» So würden verschiedene Studien beweisen, dass sich die Probanden etwa beim Wort «Schauspieler» eher Männer vorstellen – und nicht Frauen. Das sei aber nicht nur ein sprachliches, sondern auch ein kulturelles Phänomen, sagt Rosenwasser. Beim Begriff «Mensch» würden sich die meisten Personen ein männliches Wesen vorstellen, die Frau werde als Abweichung von der Norm wahrgenommen.

Viele Frauen würden darum nicht realisieren, dass sie von der Sprache diskriminiert werden. «Darum bin zwar enttäuscht, aber nicht überrascht, dass eine Mehrheit der befragten Frauen gendergerechte Sprache für überflüssig hält», sagt Rosenwasser. Trotz der kritischen Haltung der Frauen sei es aber trotzdem richtig, auf mehr sprachliche Geschlechtergerechtigkeit zu pochen. «Die Einführung einer gendergerechten Sprache ist zumindest zu Beginn nicht einfach. Und Fortschritt ist häufig eine Gewöhnungssache», sagt Rosenwasser. «Immerhin: Wenn sich die Leute darüber aufregen, denken sie darüber nach – und geben unseren Ideen Raum.»

Die Umfrage
11'596 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 28. Mai online an der 20-Minuten-Umfrage zum Frauenstreik vom 14. Juni teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichteten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,6 Prozentpunkten.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruedi am 24.06.2019 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    traurig ist....

    dass nur 78% den Quatsch nicht mögen. Es müsste bei 100% sein.

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  • 50+ am 24.06.2019 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja klar

    die Worte "Frau, Ehemann und Heirat" sind diskriminierend? Wie sieht es dann mit "Herr, Ehefrau und Scheidung" aus? Ich in meinem Alter werde ganz bestimmt nicht mehr anfangen gendergerecht zu sprechen, vorher lerne ich lieber Thailändisch

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  • Findnicht am 24.06.2019 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig und unbrauchbar

    Die Deutsche Sprache und Grammatik ist schon schwierig genug. Eine gendergerechte Anpassung würde alles nur noch verschlimmbessern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • dude am 24.06.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fussgängerinnenstreifen?

    fussgänger-und fussgängerinnenstreifen klingt einfach dämlich. daher schlicht fussgängerstreifen.

  • Louise am 24.06.2019 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig so

    das ist eine erfreuliche nachricht. da sind 80% der frauen und 90%der männer (wenn man die 6% der "weiss nicht" auf jedes geschlecht hoch rechnet), gegen das krampfhafte gezwänge, der online zeitungen, gender zu etablieren. bravo Schweizer Bevölkerung!

  • Lisi am 24.06.2019 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam

    Langsam nervt es. Letztens gab es eine Ausschreibung, wo ein stellvertretender Oberstaatsanwalt oder eine stellvertretende Oberstaatsanwältin gesucht wurde. Das braucht auch in den Gesetzestexten oder Zeitungsartikeln immer sooo viel Platz (Gesamter Text muss dann u.U. kleiner geschrieben oder der restliche Text gekürzt werden, damit alles auf einer Seite Platz hat) und es braucht auch viel mehr Zeit zum Lesen. Ich fühle mich mit /in nicht weniger angesprochen.

  • Pablo am 24.06.2019 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung !

    Als ob man keine dringenderen Sachen zu lösen hätte. Die Praxis zeigt es vor, nicht mal die Frauen haben Interesse daran bis auf ein paar unterbeschäftigte Luxusdinger .... Man kanns auch übertreiben zB. mit "Frau Bundesrätin", einmal weiblich nämlich Frau reicht doch, oder? M. E. sind es immer dieselben Nörglerinnen: Sie wollen Gleichberechtigung und geschlechtsgerechte Sprache bis ad Absurdum. Auf der andern Seite wird aber erwartet, dass Mann der Frau den Vortritt lässt, ihr die Türe aufhält, schwere Lasten abnimmt usw. usw. Lasst doch bitte Vernunft und Kinderstube walten ...

  • Liselotte am 24.06.2019 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mathematika vor!!

    Ich finde die gendergerechte Mathematik ist mal angebracht!!