Umstrittene Praxis

09. Februar 2016 16:09; Akt: 09.02.2016 16:23 Print

Frauen können nun ohne Bedenkzeit abtreiben

Gespräche, mehrere Arztbesuche – erst dann konnten Frauen eine Abtreibung vornehmen lassen. Das ist vorbei. Eine Konsultation reicht. Die Praxis ist umstritten.

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Schon beim ersten Arztbesuch gibts die Abtreibungspille - ohne Bedenkzeit. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Der Schwangerschaftsabbruch wurde in den letzten Jahren vereinfacht. Früher wars ein chirurgischer Eingriff, jetzt genügt die Einnahme von Tabletten. Nun wirds noch einfacher: Der Arzt kann das erste Abtreibunsgmedikament gleich bei der ersten Konsultation verabreichen, berichtet der «TagesAnzeiger». Das zweite, das 48 Stunden später eingenommen werden muss, nimmt die Frau mit nach Hause.

Für abtreibungswillige Frauen entfallen somit die zweite Konsultation, aber auch die Bedenkzeit. Viele Frauen seien sich sicher, dass sie abtreiben wollten, sagt der Zürcher Arzt André Seidenberg. Er bietet seit Anfang 2015 den erleichterten Schwangerschaftsabbruch an. Seine Bilanz zeigt, dass sich die Zahl der Abbrüche leicht erhöht hat, aber im Rahmen der letzten Jahre liegt.

Bedenkzeit ist wichtig

Eine Umfrage der Zeitschrift «Swiss Medical Forum» hat ergeben, dass ein Drittel der öffentlichen Schweizer Spitäler Abtreibungen mit nur einer Konsultation anbieten. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) empfiehlt aber in ihren Richtlinien dennoch eine «angemessene Bedenkzeit» zwischen Arztbesuch und Abtreibung. Diese sei wichtig, sagt Thomas Eggimann, Gynäkologe in Kreuzlingen und Generalsekretär der SGGG. Es komme immer wieder vor, dass eine Frau glaube, ganz sicher zu sein, und sich nachträglich umentscheide. Das ist Eggimanns persönliche Meinung – die SGGG hat sich offiziell noch nicht mit der erleichterten Abtreibung beschäftigt.

«Unnötiger Auftrieb»

Auch Yvonne Gilli, Gynäkologin und ehemalige Grünen-Nationalrätin, plädiert für den Status quo. Unter anderem aus politischen Gründen: Religiöse Kreise hätten gegen die bereits erfolgte Vereinfachung in einem Mass opponiert, dass eine Volksabstimmung über die Finanzierung stattgefunden habe. Mit einer weiteren Vereinfachung würde man diesen Kreisen «völlig unnötigerweise Auftrieb verleihen», sagt Gilli.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • miaca am 09.02.2016 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenkzeit...

    Bedenkzeit hatten diese Frauen wahrscheinlich bereits vor dem Arzttermin genug. Privat. Solch einen Termin zu vereinbaren braucht, so denke ich, wahnsinnig viel überwinding. Dann wird man das Vorhaben im Vorhinein auch genügend (selbst) überlegt/studiert/abgewogen/Kopf & Herz zerbrochen haben. Ich bin kein Fan von Abtreibung, aber schlussendlich ist es die eigene Entscheidung einem selbst. Aus welchen Gründen auch immer.

  • tuxepo am 09.02.2016 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Optimierung

    Etwas mehr Bedenkzeit würde es in vielen Fällen vor dem Sex schon brauchen.

  • WeedChiller am 09.02.2016 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wille

    Ich denke wenn sich eine Frau dazu entschieden hat abzutreiben braucht sie nicht auch noch Bedenkzeit. Ist keine Behauptung oder Wissen was ich da von mir gebe, da habe ich als Mann ja keine Ahnung. Meine Ansicht ist folgende: Zuerst Bedenkzeit, dann Entscheid. Und nicht Bedenkzeit, Entscheid, aufgezwungene Bedenkzeit, Entscheid.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pegasus77 am 09.02.2016 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kondom?

    Wie wärs damit? Nichts gegen Abtreibung im Notfall aber nicht als Regel...

  • marko 31 am 09.02.2016 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abtreibung Methoden

    Ich finde diese Methode sehr fraglich!!!!!

  • Ev91 am 09.02.2016 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abtreibung

    Ich verstehe und finde es schon traurig das manche Frauen keine Kinder bekommen können.. Und ich verstehe die Leute nicht die einfach nur Sex wollen, ohne Verhütung und dann noch Schwanger werden! Aber auch wenn man sich verhütet, können nun mal "Unfälle" passieren.. Aber eine Abtreibung ist für mich noch kein Mord. Stellt euch vor eure 12 Jährige Tochter ist Schwanger, Ihr hättet kein Geld .. Kein Abschluss nichts.. Man kann dem armen Kind doch fast nicht bieten..

  • Elvis.in.Action am 09.02.2016 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich diese Welt!

    Wie kann man nur? WIE? Als wären das Kopfschmerztavletten. Wenn man ungeschützten Sex hat muss man auch mit den Konsequenzen leben fertig schluss aus! Ich würde es bei einer Vergewaltigung verstehen wenn man abtreibt aber doch nicht sowas? Ich glaub ich seh nicht richtig was hier geschieht. Die Welt geht wirklich den Bach eunter!

  • panthomas am 09.02.2016 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Persönlichkeitsschutz !

    Es ist im Ermessen jedes Einzelnen was er tut, schlussendlich muss die jenige damit Leben. Dass nennt man Persönlichkeitsschutz.