«Body Positivity»

03. Januar 2019 05:44; Akt: 03.01.2019 07:20 Print

Frauen pfeifen aufs Abnehmen im neuen Jahr

von J. Käser - Geniessen statt hungern: Dank der «Body Positivity»-Bewegung steht bei vielen Frauen Abnehmen nicht mehr auf der Liste von Neujahrsvorsätzen.

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Die 28-jährige Anna Rosenwasser hat genug: Ab diesem Jahr gehört das Abnehmen nicht mehr zu ihren Neujahrsvorsätzen. «Dicksein und Glücklichsein, Zunehmen und Schönsein sind keine Gegensätze», schreibt die Aktivistin auf Facebook. Mit Rosenwasser kämpfen Tausende junge Frauen im neuen Jahr unter den Hashtags #bodypositivity gegen die traditionellen Diätvorsätze. Sie teilen auf Instagram etwa Posts wie diese: «You dont need to start a diet today», «Let 2019 be the year about finding and accepting you!» oder «New Year, absolutely no need for a New You because you're super». Eine der wenigen, die «Body Positivity» öffentlich kritisch gegenübersteht, ist die Kolumnistin Tamara Wernli. Die Bewegung drifte ins Lächerliche ab, hält sie in einem Youtube-Video fest. «Ursprünglich, als die Bewegung als Protest gegen den Schönheitswahn und gegen untergewichtige Models gestartet ist, habe ich sie für sinnvoll gehalten. Dann ist sie irgendwann aber aus dem Ruder gelaufen, als Aktivistinnen begannen, starkes Übergewicht in der Öffentlichkeit zu feiern und es schönzureden.» Morena Diaz, besser bekannt als Morenita, ist das Schweizer Aushängeschild von «Body Positivity». Die Lehrerin hat bereits ein Buch zum Thema geschrieben und verdankt der Bewegung viel. «Ich war lange Zeit in einer Spirale von Diäten, Fressattacken und Selbsthass gefangen. Durch «Body Positivity» konnte ich mich aus dieser schlimmen Zeit befreien.» Es gebe eine grosse Vielfalt an Körpern in der Gesellschaft, und es sei wichtig, dass diese in der Öffentlichkeit entsprechend vertreten würden. Laut Diaz ist die Diätmentalität aber tief verankert.

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Die 28-jährige Anna Rosenwasser hat genug: Ab diesem Jahr gehört das Abnehmen nicht mehr zu ihren Neujahrsvorsätzen. «Dicksein und Glücklichsein, Zunehmen und Schönsein sind keine Gegensätze», schreibt die Aktivistin auf Facebook. Dazu postet sie ein Bild von sich, das sie strahlend an einem Event zeigt. Es wird über 200-mal gelikt. «Unsere Gesellschaft ist durch eine regelrechte Körperobsession geprägt. Dabei stehen Körperideale im Zentrum, die alles andere als gesund sind», so Rosenwasser.

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Mit Rosenwasser kämpfen Tausende junge Frauen im neuen Jahr unter den Hashtags #bodypositivity gegen die traditionellen Diätvorsätze. Sie teilen auf Instagram etwa Posts wie diesen: «You don’t need to start a diet today», «Let 2019 be the year about finding and accepting you!» oder «New Year, absolutely no need for a New You because you’re super». Die User werden dazu aufgerufen, im neuen Jahr nicht Kalorien zu zählen, sondern zu lächeln. Man solle nicht Kohlenhydrate aufgeben, sondern negatives Denken. Nicht das Gewicht solle man verlieren, sondern den Selbsthass.


«Body Positivity» im Aufschwung

Die Body-Positivity-Bewegung wächst stetig. Inzwischen zeigt Instagram fast 11 Millionen Beiträge unter den Hasthtags #bodypositivity oder #bodypositive an. Da erscheinen einerseits Bilder von vollen Oberschenkeln, die weder frei von Celluliten noch perfekt rasiert sind. Andererseits findet man Fotos von Schokoladentorten und jungen Frauen, die stolz reinbeissen. Schliesslich ziert der Hashtag #bodypositivity Sprüche wie diesen: «Wie wäre es, wenn wir unseren Körper dafür lieben, was er tut, und nicht dafür, wie er aussieht?»

Unsicherheiten beflügeln Weltwirtschaft

Rosenwasser, die froh darüber ist, dass die Bewegung immer sichtbarer wird, sagt: «Für mich bedeutet «Body Positivity», dass jeder Körper richtig ist und keiner falsch. Es geht darum, dass wir viel zu viel Zeit damit verschwenden, uns Gedanken darüber zu machen, ob wir schön sind oder nicht. Wie wäre es, wenn uns das einfach mal egal ist?» Dann bliebe uns viel mehr Zeit übrig für andere Aktivitäten, beispielsweise ein schönes Essen mit einem lieben Date.

Mit der Unsicherheit, die durch die kaum erreichbaren Schönheitsideale entstehe, liesse sich viel Geld machen, so Rosenwasser. Die Wirtschaft profitiere ungemein von den zahlreichen Menschen, die haufenweise Zeit und Geld investierten, um ihren Körper zu verändern. Rosenwasser verweist auf ein Zitat der britischen Feministin Laurie Penny: «Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.»

«Fett ist langfristig nie gesund»

Eine der wenigen, die «Body Positivity» öffentlich kritisch gegenübersteht, ist die Kolumnistin Tamara Wernli. Die Bewegung drifte ins Lächerliche ab, hält sie in einem Youtube-Video fest. «Ursprünglich, als die Bewegung als Protest gegen den Schönheitswahn und gegen untergewichtige Models gestartet ist, habe ich sie für sinnvoll gehalten. Dann ist sie irgendwann aber aus dem Ruder gelaufen, als Aktivistinnen begannen, starkes Übergewicht in der Öffentlichkeit zu feiern und es schönzureden», sagt Wernli zu 20 Minuten.

«Fette Körper sind nicht schön, vor allem aber sind sie nicht gesund. Indem man sie in der Öffentlichkeit prominent bewirbt, suggeriert man, dass starkes Übergewicht und Adipositas gut seien», so Wernli weiter. Body Positivity rede den Leuten ein, dass sie nichts ändern sollten, und fördere so einen ungesunden Lifestyle. Grundsätzlich sei es aber durchaus positiv, dem eigenen Körper mit Akzeptanz zu begegnen und mit sich im Reinen zu sein. Für Cellulite oder Übergewicht sollte man sich nicht schämen, sagt Wernli. Aber: «Gleichzeitig ist es aber auch erstrebenswert, durch etwas Disziplin und Sport auf sich zu achten.» Pfunde schönzureden sei halt aber einfacher.

«Es hat meine Essstörung geheilt»

Morena Diaz, bekannt als Morenita, ist das Schweizer Aushängeschild von «Body Positivity». Die Lehrerin hat bereits ein Buch zum Thema geschrieben und verdankt der Bewegung viel. «Ich war lange Zeit in einer Spirale von Diäten, Fressattacken und Selbsthass gefangen. Durch «Body Positivity» konnte ich mich aus dieser schlimmen Zeit befreien.» Für Diaz bedeutet «Body Positivity» vor allem Akzeptanz und Toleranz. Es gehe darum, sich selber und seinen Körper so zu akzeptieren, wie er sei, und auch im Umgang mit anderen toleranter zu werden.

Keinesfalls aber wolle die Bewegung Übergewicht glorifizieren, so Diaz. Aber: «Einer übergewichtigen Person ist nicht geholfen, wenn sie immer wieder damit konfrontiert wird, dass sie ungesund und falsch sei.» Es gebe eine grosse Vielfalt an Körpern in der Gesellschaft, und es sei wichtig, dass diese in der Öffentlichkeit entsprechend vertreten würden. Laut Diaz ist die Diätmentalität aber tief verankert: «Es ist sehr wichtig, dagegenzuhalten. Ich muss schon meinen 7-jährigen Schülerinnen erklären, dass Essen nichts Böses ist, sondern ein Genuss, und dass es guttut.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Subo am 03.01.2019 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dick? Schön?

    Weil die Menschen immer dicker werden erklärt man es einfach zum neuen Schönheitsideal. Aber dick ist ungesund, das kann man drehen wie man will.

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  • MFS am 03.01.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nächste Nutzlos-Initiative

    Das Jahr ist noch keine zwei Tage alt, schon haben wir die nächste me#too Nutzlos-Initiative. Nur weil eine Gruppe von unzufriedenen Menschen nicht genug Selbstbewusstsein aufbringt, um normal zu leben, muss wieder die ganze Welt aktiviert werden. Liebe Frauen, nehmt es einfach an, wenn ihr dick und nicht besonders schön seid - das Leben ist nie fair. Esst soviel ihr wollt, lebt wie ihr wollt, aber glaubt nicht, dass ihr das Schönheits- und Gesundheitsempfinden der Mitmenschen ändert.

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  • Lulzim Lener am 03.01.2019 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    Und dann schämen sie sich

    Natürlich ist es einfacher immer Fast-Food, Süssigkeiten & Süssgetränke zu konsumieren, aber am Schluss schämen sich diese Leute trotzdem für ihr Übergewicht. Ein paar Pfunde zu viel schaden niemandem aber die meisten sogenannten "Plus-size Models" sind einfach nur fett.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Word am 03.01.2019 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Bei mir stehts auf der Liste

    Die Kohlenhydrate werden massiv runtergeschraubt, bis ich ein paar Kilos abgenommen habe. Aber schön wenn gewisse Leute sich einreden, Nichts tun wäre toll. Nur seltsam das dieses "Positivity"-Zeugs immer von/für Frauen ist, aber man sich weiterhin über unsere Männerränzen kaputtlacht. Mich persönlich stören auch molligere Frauen nicht, ich mag alle bis auf die extremsten Fälle. Aber für die eigene Gesundheit bissl abnehmen, das ist wirklich positiv.

  • m.h. am 03.01.2019 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern kommt bald

    Und nächsten Sommer jammern warum die Männer nicht hinterherkucken weil man sich zufest gehen lassen hat....Leute es ist ok wenn man den Druck ablegt dem perfekten Körper nachzurennen, dass muss sich kein Mann und keine Frau antun wenn er/sie nicht will ABER ihr sollt tortzdem auf eure Gesundheit achten, Sport treiben, gesunde Ernährung beibehalten und euch halt nicht zuuuu fest gehen lassen. Und denkt dran liebe Frauen die meisten Männer mögen keine Klappergesteller aber eben auch keine Kugeln. Macht euch kein Druck seid euch selbst.

  • Lisi am 03.01.2019 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Überfressungspause :)

    stimmt, man sollte sich nicht zwanghaft den Diäten stellen, der Frust kommt dan schmeller als gedacht. Weniger ist mehr ;-) mehr Bewegung, gesundes Essen. Die innere Balance muss stimmen, dann fühlt man sich besser.. positive Ausstrahlung, seid fröhlich seid albern. Ich mache 8/16 passe auf was ich in den 8 Stunden esse. Aber ich esse! ;) klappt wunderbar. Es guets Neus an Alli !

  • speakthetruth am 03.01.2019 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Body Reality wäre angebracht

    Was die Cheflesbe Rosenwasser meint, hat mich als Mann ohnehin nicht zu interessieren, da ich ja nicht zum auserwählten Geschlecht zähle. Ich bin daher frei mich als unzufrieden mit mir selbst zu outen und ich tue alles um wenigstens irgendwie noch annehmbar auszusehen, denn ich sehe mich realistisch. Das heisst trotz Normalgewicht 4 kg abnehmen und noch gezielter Sport treiben als im Vorjahr. Ich werde immer scheitern beim Ziel gut auszusehen, aber wenigstens habe ich immer gekämpft und mich nicht gehen lassen.

  • Lina F. am 03.01.2019 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber wahr

    Wir haben nie ungesundes zu hause, ich esse viel Gemüse, gehe ins Boxen (2x pro Woche) und 1x ins Cardio Training und wiege 80kg...keine Chance dagegen anzukommen, mein Körper hat den Stoffwechsel einer trägen Schnecke und keine Besserung in Sicht :( schon nur wenn jemand Schokolade ruft nehme ich automatisch zu -.-