Managed Care

03. März 2011 11:30; Akt: 11.04.2011 16:36 Print

Freie Arztwahl kommt teuer zu stehen

Wer sich bei der persönlichen Wahl des Mediziners nicht einschränken lassen will, soll künftig doppelt so viel Selbstbehalt bezahlen wie heute. So will es der Nationalrat.

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Der Nationalrat will von Bundesrat Didier Burkhalter, dass traditionell Versicherte einen Selbstbehalt von 20 Prozent zahlen müssen.

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Der Nationalrat sprach sich am Donnerstag mit 95 zu 80 Stimmen dafür aus, den Selbstbehalt auf 20 Prozent zu erhöhen, wenn sich Versicherte nicht einem sogenannten Managed-Care-Modell anschliessen wollen. Nur wer bereit ist, die freie Arztwahl im Rahmen eines solchen Versicherungsvertrages einzuschränken, soll wie heute 10 Prozent bezahlen.

Der Nationalrat widersetzt sich damit einem Kompromissvorschlag aus dem Ständerat. Dieser hatte angesichts von Referendumsdrohungen von Patientenorganisationen und von linken Parteien vorgeschlagen, Managed-Care-Versicherte mit einem Selbstbehalt von 5 Prozent zu belohnen. Den Selbstbehalt für alle anderen Versicherten möchte die kleine Kammer auf 15 Prozent erhöhen.

Keine fixe Obergrenze

Der Nationalrat hielt auch daran fest, dass für Managed-Care- Versicherte im Gesetz keine absolute Obergrenze für den Selbstbehalt festgelegt wird. Während der Ständerat eine Obergrenze von 500 Franken will, möchte es der Nationalrat dem Bundesrat überlassen, einen jährlichen Höchstbetrag festzulegen.

Mit diesen Entscheiden hielt der Nationalrat an den wesentlichsten Differenzen zum Ständerat fest. Die kleine Kammer wird sich im Rahmen der Differenzbereinigung voraussichtlich bereits nächste Woche wieder über die Vorlage beugen.

Sparen dank Managed Care

Von integrierten Versorgungsnetzen oder Managed-Care-Modellen wird gesprochen, wenn sich Leistungserbringer - etwa Hausärzte, Spezialärzte und Physiotherapeuten - zum Zweck der Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliessen.

Davon versprechen sich die Gesundheitspolitiker eine Optimierung der Behandlungsprozesse, eine Verbesserung der Behandlungsqualität und ein Dämpfung des Kostenwachstums.

Gespart werden soll durch eine enge Begleitung der Patienten während des gesamten Behandlungsverlaufs. Dadurch sollen etwa überflüssige Konsultationen eines Spezialisten oder Mehrfachdiagnosen verhindert werden. Indem die beteiligten Leistungserbringer zusammen die Budgetverantwortung tragen müssen, würde zusätzlich Druck geschaffen, die Kosten im Griff zu behalten.

(sda)