Verteidigung

29. September 2011 15:53; Akt: 29.09.2011 15:53 Print

Freispruch für Stauffacher gefordert

Im Prozess gegen die Linksaktivistin Andrea Stauffacher und eine 46-jährige Zürcherin hat die Verteidigung am Donnerstag Freisprüche gefordert. In keinem der Anklagepunkte würden die Beweise ausreichen.

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Sympathisanten von Andrea Stauffacher demonstrieren am 28. September vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. (Bild: Keystone)

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Die 61-jährige Andrea Stauffacher, die bereits wegen Landfriedensbruch vorbestraft ist, steht wegen des Verdachts auf mehrfache Gefährdung durch Sprengstoffe in verbrecherischer Absicht, Brandstiftung, Sachbeschädigung, Aufbewahren von Sprengmitteln und Erwerb von Waffen vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat für sie eine Strafe vonvon viereinhalb Jahren gefordert.

Der 46-jährigen Zürcherin, die ebenfalls dem «Revolutionären Aufbau» nahesteht, wird ausschliesslich Brandstiftung vorgeworfen. Sie soll im jahr 2004 gemeinsam mit Stauffacher, mit der sie sich vorübergehend eine Wohnung teilte, das Auto eines in der Szene verhassten Polizisten angezündet haben. Hier plädierte der Staatsanwalt auf eine Strafe von 18 Monaten bedingt.

Verteidigung: Keine geschlossene Indizienkette

Das wichtigste Beweismittel, ein Überwachungsvideo, wollten die Anwälte am Donnerstag nicht akzeptieren. Die Personen auf dem Video seien nicht zu erkennen. Die mutmassliche Identifizierung wäre nur über die Vermessung der Körper und die Sichtung des Videos durch Polizeibeamte erfolgt.

Beide Methoden hätten aber nach Meinung der Verteidigung zu wenig Beweiskraft: Die Vermessung liefere uneindeutige Ergebnisse. Die Beamten der Bundeskriminalpolizei, die die Bilder gesehen hätten, seien voreingenommen gewesen, da sie zuvor als Observanten in der linksautonomen Szene eingesetzt waren.

Auch im Hinblick auf die fünf Sprengstoff-Anschläge in Zürich und Bern, die Andrea Stauffacher zur Last gelegt werden, konnte der Verteidiger keine eindeutigen Hinweise entdecken. Zu keinem der Anklagepunkte gäbe es eine geschlossene Indizienkette, erklärte er in seinem Plädoyer.

Die ermittelten DNA-Spuren seien unbrauchbar, da es sich entweder um Mischspuren handle oder der Abgleich des DNA-Profils unter rechtswidrigen Umständen erfolgte. Die bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmten Dokumente, darunter Bekennerschreiben und Flyer, könnten von der Angeklagten zu rein archivarischen Zwecken aufgehoben worden sein.

Stauffacher: «Ein politischer Prozess»

Andrea Stauffacher selbst, die zu Beginn des Prozesses keine Aussagen gemachte hatte, bezeichnete das Verfahren - als ihr am Schluss das letzte Wort zugeteilt wurde - als rein politischen Prozess. Nicht «das abgebrannte Auto und die paar Knaller» würden im Mittelpunkt stehen, sondern ihre Gesinnung.

In einer Erklärung, die im Gericht von den anwesenden Mitgliedern des «Revolutionären Aufbaus» mit Applaus bedacht wurde, sprach sie vom Kapitalismus als Wurzel allen Übels und der Notwendigkeit einer Revolution.

Im Anschluss an die Verhandlung wurde Stauffacher von rund 50 Linksautonomen vor dem Gebäude in Empfang genommen. Da sie sich nicht in U-Haft befindet, kann sie sich bis zum Urteil frei bewegen. Die 46-jährige Mitangeklagte, Mutter von zwei Pflegkindern, war aus familiären Gründen am Donnerstag nicht mehr anwesend.

Der Termin der Urteilseröffnung ist noch nicht bekannt. Das Gericht wird zu einem späteren Zeitpunkt darüber informieren.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman Meier am 29.09.2011 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Aufbau leider verändert...

    Leider hat sich der revolutionäre Aufbau in letzter Zeit stark verändert. Ich bin der gleichen Meinung wie der Aufbau und teile dessen Ziele, doch die Methoden sind leider ziemlich fragwürdig. Besser würden sie kommunistische Organisationen und Parteien unterstützen, die ihre Ziele ohne Gewalt erreichen wollen, anstatt völlig isoliert von der Gesellschaft irgendwelche Autos anzuzünden.

  • Marco Berner am 29.09.2011 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Wie kann man diese offensichtlich psychisch gestörte Person frei herumlaufen lassen, bis zum Urteil??? Ihr Anwalt gehört auch hinter Gitter, so einen Blödsinn zu verteidigen. Kommunismus wird nie funktionieren, es sei denn jeder Mensch ist Perfekt und stellt die Bedürfnisse der Gemeinschaft über die eigenen, und das ohne Ausnahme. Dies wird nie der Fall sein.

  • Shana am 29.09.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Psychi

    Die gehört nicht in den Knast....die gehört in die Psychi.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Balduin am 30.09.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Toleranz der Intoleranz

    Man bedenke...wenn diese Frau Stauffacher mit Ihren anarchistischen, kommunistischen Freunden könnte, wie sie wollte und predigt, dann sässen viele, viele, viele, viele, viele, viele von uns allen in Umerziehungslagern. So viel zur Toleranz die diese Intolerante Frau einfordert.

  • Marco Berner am 29.09.2011 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Wie kann man diese offensichtlich psychisch gestörte Person frei herumlaufen lassen, bis zum Urteil??? Ihr Anwalt gehört auch hinter Gitter, so einen Blödsinn zu verteidigen. Kommunismus wird nie funktionieren, es sei denn jeder Mensch ist Perfekt und stellt die Bedürfnisse der Gemeinschaft über die eigenen, und das ohne Ausnahme. Dies wird nie der Fall sein.

  • Luigi T. am 29.09.2011 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hinfort mit ihr

    Sie ist nicht linksautonom, die A.S. Sie ist linksradikal/linksextrem/kriminell. Nichts anderes. A.S. gehört eingesperrt und mit ihr die ihresgleichen gesinnte Reithalle in Bern abgerissen.

  • Roman Meier am 29.09.2011 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Aufbau leider verändert...

    Leider hat sich der revolutionäre Aufbau in letzter Zeit stark verändert. Ich bin der gleichen Meinung wie der Aufbau und teile dessen Ziele, doch die Methoden sind leider ziemlich fragwürdig. Besser würden sie kommunistische Organisationen und Parteien unterstützen, die ihre Ziele ohne Gewalt erreichen wollen, anstatt völlig isoliert von der Gesellschaft irgendwelche Autos anzuzünden.

  • Rolf Wittwer am 29.09.2011 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Egal...

    ...wie das Urteil ausfällt: "Madame" Stauffacher steht gerne im Mittelpunkt. So ist es.