21. April 2005 07:43; Akt: 21.04.2005 09:50 Print

Fremdsprachen: Nationale Regelung statt kantonale Alleingänge

Falls die Zürcher Initiative «Nur eine Fremdsprache an der Primarschule» Erfolg haben sollte, verlangt der Kanton Fribourg eine nationale Regelung des Fremdsprachenunterrichts.

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Dabei müsse die erste Fremdsprache eine Landessprache sein.

Der Kanton Fribourg trage eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Landessprachen, sagte Staatsrätin Isabelle Chassot am Mittwochabend einer Podiumsdiskussion im Zürcher Landesmuseum. Und der Tessiner Erziehungsdirektor Gabriele Gendotti betonte die Bedeutung der Landessprachen für den Zusammenhalt des Landes.

Fribourg und Tessin gehören zu den Kantonen, die eine Abwertung der Landessprachen zu Gunsten der englischen Sprache nicht hinnehmen wollen. In der Debatte um den Fremdsprachenunterricht an den Primarschulen machen sie staatspolitische Argumente geltend.

Andere Akzente setzt die Sprachenpolitik des Kantons Zürich. Die Schüler müssten befähigt werden, sich in einer vielsprachigen und multikulturellen Arbeitswelt zurechtzufinden, sagte die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli an der Podiumsdiskussion.

Der Kanton Zürich setzt auf Englisch als Einstiegsfremdsprache im 2./3. Schuljahr und auf Französisch ab dem 5. Schuljahr. Gegen diese Regelung wehrt sich allerdings ein Komitee, dessen kantonalen Initiative im vergangenen Jahr eingereicht wurde.

Überforderung der Schüler?

Das Komitee verlangt, dass in der Primarschule nur eine Fremdsprache unterrichtet wird: «Alles andere überfordert die Schüler», erklärte Rolf Saurenmann vom Initiativkomitee. Auch in mehreren Kantonen der Ost- und Zentralschweiz seien inzwischen Volksinitiativen gegen zwei Fremdsprachen lanciert worden.

Das Argument der Überforderung relativierte der Zürcher Pädagogikprofessor Peter Sieber. Kinder seien in der Lage, Sprachen spielerisch und unbewusst zu lernen. Dabei müssten die Lehrkräfte ihre Didaktik anpassen. Ausserdem spiele die formale Schulung - Grammatik und Rechtschreibung - heute eine untergeordnete Rolle.

Die Überforderung habe vielmehr etwas mit einem Teil der Lehrerschaft zu tun, sagte die Zürcher Bildungsdirektorin Aeppli. Die Freiburger Erziehungsdirektorin Chassot ergänzte, dass es nicht so sehr um die Angst vor Überforderung der Kinder gehe, sondern um die Angst von Lehrern und Eltern vor dem gesellschaftlichen Wandel.

Sprachenkonzept der EDK

Eine Grundlage der Debatte über den Fremdsprachenunterricht an der Primarschule ist das vor einem Jahr verabschiedete Sprachenkonzept der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK).

Gemäss der EDK sollen alle Schülerinnen und Schüler künftig bereits in der Primarschule zwei Fremdsprachen lernen. Spätestens ab 2012/13 wird neben der Lokalsprache eine erste Fremdsprache ab der 3. Klasse und eine zweite ab der 5. Klasse gelehrt.

Eine der beiden Fremdsprachen muss eine zweite Landessprache sein. Die Reihenfolge der Sprachen soll den Kantonen aber frei stehen - diese soll von EDK-Regionalkonferenzen koordiniert werden.

Die hängigen Volksinitiativen gegen zwei Fremdsprachen an der Primarschule könnten aber das Sprachenkonzept der EDK durchkreuzen. Ihre Annahme würde bedeuten, dass der Unterricht der zweiten Landessprache auf das 7. Schuljahr verschoben werden müsste.

(sda)