Neonazi-Symbolik?

25. März 2013 22:57; Akt: 26.03.2013 07:59 Print

Freysinger und die Reichskriegsflagge

In der Sendung «Reporter» über SVP-Nationalrat Oskar Freysinger sah man eine Reichskriegsflagge in seinem Büro hängen. Rechtsextremismus-Experten und Oskar Freysinger klären auf.

Oskar Freysinger und die Reichskriegsflagge. (Video: 10vor10 vom 25. März 2013)
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Die SRF-Sendung «Reporter» hat sich am Sonntagabend dem SVP-Nationalrat und neu gewählten Walliser Regierungsrat Oskar Freysinger gewidmet. Irgendwann schwenkt die Kamera in Oskar Freysingers Büro an die Decke, an der eine grosse Reichskriegflagge hängt. Oskar Freysinger erklärt: Diese Fahne symbolisiere das wilhelminische Deutschland. Er habe sie aus einer Ausstellung. «Da war ein U-Boot ausgestellt und dann hatten sie auch die Flagge auf diesen Schiffen. Mir hat die Flagge gefallen». Mehr hat er zu der vor sich hin staubenden Flagge nicht zu sagen. Der Reporter fragt aber auch nicht nach.

Doch in den sozialen Medien gibt diese Szene zu reden. Einer der meist verbreiteten Tweets: «Neonazis schwenken sie auf Demos, bei Freysinger hängt sie im Keller: die kaiserliche Kriegsflagge.» Oder: «Wäre der O. Freysinger in der SVP-Hierarchie etwas weiter unten, wäre er nicht mehr lange SVP-Mitglied.»

Die Nachrichtensendung 10vor10 hat nachgehakt. Laut Hans Stutz, Rechtsextremismus-Experte, ist die Flagge 1871 bei der Neugründung des Deutschen Reiches geschaffen worden. Sie hat die deutsche Grösse symbolisiert, erklärt der Experte. «Sie wurde nachher leicht verändert von den Nazis gebraucht. Anstelle des Adlers hat Adolf Hitler ein Hakenkreuz reingesetzt», sagte er in 10vor10.

Aus historischem Interesse

Neonazis halten die Flagge ohne Hakenkreuz hoch, denn sonst wäre die Fahne verboten. Stutz kritisiert Freysinger: «Man kann diese Flagge nicht brauchen, ohne zu wissen, was sie für Nazi-Deutschland bedeutet.» Anderer Meinung ist Rechtsextremismus-Experte Samuel Althof, der in 10vor10 erklärt, dass die Fahne von den Rechtsextremen kaum mehr verwendet werde. Doch er habe sich gewundert, dass diese Fahne in Freysingers Büro hängt. «Ich kann mir nur vorstellen, dass ihm die Fahne tatsächlich gefällt. Er hat sie wohl aufgehängt, ohne zu wissen, welche Symbolik dahinter steckt», so Althof.

Es ist bekannt, dass Oskar Freysinger Kontakte zu rechtsextremen Szenen in Europa hat. So kam er 2011 einer Einladung einer Gruppe nach, die von den französischen Behörden als rechtsextrem eingestuft wird. Die umstrittene Organisation Riposte Laïque bat ihn, in Paris zur Islamisierung zu reden.

Freysinger selber hat sich in 10vor10 zum Thema nicht geäussert. Er liess aber wissen, dass er die Fahne aus historischem Interesse aufgehängt habe. Dass sie von Rechtsextremen benutzt wird, habe er nicht gewusst.

(kub)