Neue EU-Richtlinie

24. Oktober 2018 10:27; Akt: 25.10.2018 08:37 Print

Für «Let's Play» und Memes wird es eng

Neue EU-Regeln könnten Youtuber künftig stark einschränken, denn Inhalte aus Games und Filmen sollen gefiltert werden.

Auch der Schweizer Streamer ZinusHD wäre wohl von der Richtlinie betroffen. (Video: 20 Minuten)
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Die EU will mit ihrem neuen Datenschutzgesetz die Urheber von Werken besser schützen. Leidtragende könnten die Game-Streamer und Filmkritiker sein. Youtube-CEO Susan Wojcicki stellte am Montag in einem Blogpost klar: Weil die Plattform neu verantwortlich für alle hochgeladenen Inhalte sein soll, könnten vielleicht bald nur noch grosse Firmen Videos hochladen, weil die Kontrolle der kleinen User zu aufwendig wäre. Doch wer könnte von der neuen Richtlinie betroffen sein?


Der Westschweizer Fifa-Streamer Psyko17 hat fast 700’000 Youtube-Subscriber. (Video: 20M)

Game-Streamer

Wer «Let's Play»-Videos hochlädt oder andere User per Livestream beim eigenen Spiel zuschauen lässt, verbreitet mit den Game-Inhalten natürlich auch urheberrechtlich geschütztes Material. Klagt ein Game-Hersteller diese Rechte ein, so würde neu die Plattform, also Youtube oder Twitch, haften. Diese würde solche Streams vermutlich nur noch bei Spielen erlauben, bei denen der Hersteller eine generelle Erlaubnis erteilt hat.

Bisher musste Youtube diese Erlaubnis selbst einholen, wer dies nicht tat, hatte aber nicht unbedingt ein Problem: Da die Streams in der Regel Werbung für das Spiel sind, drücken die Hersteller laut der deutschen Kanzlei Wilde Beuger Solmecke ein Auge zu, solange der Stream in einem positiven Kontext steht. Als aber zum Beispiel Streamer PewDiePie mit rassistischen Aussagen in einem Video negativ auffiel, machte «Firewatch»-Entwickler Campo Santo Druck. Sämtliche Videos des Games von PewDiePie wurden gelöscht.

Filmkritiker

Wer auf Youtube Filmkritiken veröffentlicht und dabei Szenen aus dem Film zeigt, verbreitet ebenfalls urheberrechtlich geschütztes Material. Dieses könnte in den Upload-Filtern hängen bleiben, und selbst wenn es publiziert wird, könnte der Filmkritiker von den Rechteinhabern belangt werden.

Parodien

Die Szene wurde tausendfach parodiert: Bruno Ganz wird als Adolf Hitler im Film «Der Untergang» von seinem Generalstab darüber informiert, dass Berlin kurz vor der Eroberung durch feindliche Truppen steht. Daraufhin flippt Hitler aus und beschimpft seine Generäle.

Auch Swissmeme hat die Szene diesen Sommer parodiert, Hitler reagiert hier empört auf den Vorschlag, statt in Zürich in Basel oder im Thurgau in den Ausgang zu gehen. Auch hier werden Urheberrechte verletzt, die Produktionsfirma Constantin Film verlangte schon im April 2010 von Youtube, dass die Plattform die Videos herunternehmen solle. Youtube leistete dem zunächst Folge, erlaubte aber ab Oktober 2010 die Parodien wieder.

Laut Rechtsexperten handelt es sich hier um sogenannte «Fair Use»-Fälle, bei denen ein öffentliches Interesse überwiegt. Ob und wieweit dieses Fair-Use-Prinzip auch mit der neuen EU-Datenschutzverordnung gilt, ist unklar. Doch Youtube und andere Portale könnten solche Parodien herausfiltern, bevor sie überhaupt publiziert werden.


Parodien wie diese von Swissmeme könnten künftig gesperrt werden. (Video: Youtube/Swissmeme TV)

Memes

Bereits im Juni regte sich im Internet Widerstand gegen die neue Richtlinie. Die geplanten Uploadfilter würden nämlich auch Memes den Todesstoss versetzen, denn die meisten Memes enthalten Bilder, die von Dritten gemacht wurden und für die es daher auch Rechteinhaber gibt. Und wer ein Meme anfertigt und hochlädt, verfügt in den allermeisten Fällen nicht über die Rechte an dem verwendeten Bild. Hier würde der Upload-Filter also ein Hochladen verhindern. Die Kampagne Save Your Internet warnt deshalb eindringlich vor Artikel 13 und schreibt: «Die Europäische Kommission und der Rat wollen das Internet, wie wir es kennen, zerstören.»

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • OliverD am 24.10.2018 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zensur

    Die ganze Aktion ist zusammengefasst nichts anderes als eine Zensur für den Privatgebrauch von YouTube.

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  • Tell's Lady am 24.10.2018 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwangs-Apparat

    Typisch EU! Gibt es eigentlich immer noch Schweizer Politiker, die uns möglichst in allem von diesem "Zwangs-Apparat" abhängig machen wollen?

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  • Bob-Design am 24.10.2018 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird immer schlimmer

    Verbote, Zensuren und und und.... Das wird auch in Zukunft nicht besser. Das Europäische Volk hat keine Chance dem entgegenzuwirken. Und das nennt sich Demokratie.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Advokatus Diabolis am 25.10.2018 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlersuche

    Ich werde mich mit diesen Kommentar keine Freunde machen, aber; das Urheberrecht existierte schon vor YouTube und hätten sich die Verantwortlichen an die Regeln gehalten, müsste die EU nicht solche Massnahmen ergeiffen! Bitte den Fehler bei sich suchen liebe Interyouber...

  • Lukas am 25.10.2018 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Auch die Schweiz wird darunter leiden

    Die Schweiz hätte nach dem WK2 sich bemühen sollen, autark zu werden. Stichwort Grundversorgung. Was tat die Schweiz. Sämtliche Grünflächen überbauen und jetzt sind wir total Abhängig von allen EU Staaten. Die können mit uns machen was sie wollen. Es ist zu spät. Die EU Diktatur wird auch hier Einzug gewinnnen. Uns wird an Abstimmungen vorgegaukelt, dass wir etwas dagegen tun können. Das ist gelogen. Sie bringen uns dazu, ein Überwachungsgesetz nach dem anderen anzunehmen. Verkaufen uns das als Kampf gegen Betrüger und die meisten fallen noch darauf herein.

  • YoutubePOWER am 25.10.2018 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Youtube wird NICHT ÜBERLEBEN!

    Youtube wird NICHT ÜBERLEBEN. Ich verstehe Lionel nicht. Wenn seine Videos für Memes gebraucht werden, um mit seinen Inhalten für neue Unterhaltung zu kreiren, IST das doch Werbung für seinen Kanal... Jemand, der mit diesem Thema zwar nicht in Kontakt tretet, aber sich in einem neueren Video darüber geäussert hat, ist Julien Bam. Er kreiert neue aufwändige Inhalte d.h. er benutzt keine urheberrechtliche Inhalte. Er betont, wie Youtube zur Reactionplattform wird. FAZIT: Youtube würde auf das Mindeste an Unterhaltung schrumpfen. Für Neulinge wird der Aufwand grösser, um neue Videos zu drehen.

  • warum am 24.10.2018 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Die Produzenten von all dem content den die YouTuber, meme maker use. für ihre Werke verwenden unterschätzen den Werbeeffekt welcher die letsplay, memes, Parodien verursachen. Schneiden sich ins eigene Fleisch.

  • Claude am 24.10.2018 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsames, schizophrenes Gebiet!...

    Ach, und was ist mit meinem Urheberrecht in gegenüber Youtube? Das gebe ich an dem Punkt ab, wenn ich etwas hochlade... Und Youtube schert sich herzlich wenig gegenüber "Geistiges Eigentum". Die Benutzer noch viel weniger. Aber hey, disruptive neue Zukunft. Es kann nicht sein, dass jemand etwas sein eigen nennt und gleichzeitig eine offene und jederzeit zugängliches Wissen. Hier kommen wir an dem Punkt, wo entschieden werden muss. Kein Urheberrecht, damit jeder zugriff hat oder wir geraten wieder zu der Zeit vor der Digitalisierung.