Gerigate

17. August 2016 16:54; Akt: 17.08.2016 18:07 Print

Für Müllers Chat-Partnerin wird es teuer

In der Nacktselfie-Affäre soll Geri Müller von seiner Chat-Bekanntschaft entschädigt werden. Dem Badener Stadtammann werden 16'000 Franken zugesprochen.

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Der Stadtammann von Baden und Nationalrat der Grünen schickte der 33-jährigen Gymi-Lehrerin N.W. (Name bekannt) erotische Fotos und Nachrichten. Die anfänglichen Behauptungen, Müller habe die Frau unter Druck gesetzt, ihm ihr Handy mit den kompromittierenden Daten auszuhändigen, erwiesen sich als falsch. In der Einvernahme der Staatsanwaltschaft sagte Müllers Chat-Bekanntschaft, sie sei aus eigenem Antrieb auf Sacha Wigdorovits zugegangen, weil er ihr als erklärter politischer Gegner Geri Müllers aufgefallen sei. Beim Treffen hätte Wigdorovits darauf bestanden, dass sie ihm Fotos und Chatverläufe kopieren solle, was sie schliesslich getan habe. Wigdorovits bestreitet dies. Im Bild: Chatprotokoll von N.W. und Sacha Wigdorovits. Der Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» machte die Affäre publik. Er rechtfertigte die Veröffentlichung mit der Tatsache, dass die Bilder in Amtsgebäuden gemacht wurden und der Stadtammann in diesem Zusammenhang in einen Polizeieinsatz verwickelt gewesen sei. Der PR-Berater behauptete zuerst, N.W. nur so gut zu kennen «wie alle anderen, die in den letzten Tagen Zeitungen gelesen und Fernsehen geschaut haben». Im Verlauf der Enthüllungen musste er jedoch zugeben, dass er mit der Frau sogar nach dem Erscheinen des Artikels in der «Schweiz am Sonntag» in Kontakt stand. Wigdorovits empfahl N.W., den Anwalt Josef Bollag zu kontaktieren. Laut der Frau hätten Wigdorovits und Bollag später zusätzliche Chat-Informationen verlangt. Wigdorovits und Bollag entgegnen, solche Forderungen habe es nie gegeben.

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Zwei Jahre schwelt die Affäre um Nacktbilder von Geri Müller bereits – nun wurde ein weiteres Kapitel abgeschlossen: Die Chat-Partnerin des früheren Grünen-Nationalrats hat ihre Einsprache gegen den Strafbefehl zurückgezogen.

Aus dem Strafbefehl, der bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Berner Seeland-Jura in Biel aufliegt, geht hervor, dass das Verfahren die Angeklagte teuer zu stehen kommt. Die 36-jährige Gymnasiallehrerin wird wegen fünf Straftatbeständen schuldig gesprochen, wie die «NZZ» berichtet: Wegen versuchter Nötigung, übler Nachrede, Beschimpfung, unbefugten Aufnehmens von Gesprächen und Urkundenfälschung.

Die Zahlungsverpflichtungen der Angeklagten setzen sich laut Bericht wie folgt zusammen:

  • Eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 60 Franken (9000 Franken)
  • Eine sogenannte Verbindungsbusse in Höhe von 1800 Franken
  • Verfahrenskosten in Höhe von etwas über 8000 Franken
  • Eine Entschädigung an Geri Müller in Höhe von 16'292 Franken (Anwaltskosten und weitere Auslagen)
Ausserdem seien weitere Forderungen seitens Geri Müller offen, die auf den Zivilweg verwiesen wurden.

Rüge für Berichterstattung

Die Nacktselfie-Affäre hatte im Sommer 2014 für Wirbel gesorgt. Die «Schweiz am Sonntag» berichtete, dass der Badener Stadtammann von seinem Stadthausbüro aus einer Chat-Bekannten Nacktbilder geschickt hatte. Danach soll er sie zum Löschen der Mitteilungen aufgefordert haben.

Daraufhin entband der Badener Stadtrat Müller zwischenzeitlich von seinen Führungs- und Repräsentativaufgaben. Die Oberstaatsanwaltschaft Aargau verzichtete jedoch darauf, ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs gegen Müller einzuleiten. Bei den Nationalratswahlen im Herbst 2015 trat Müller nicht mehr an.

Die Berichterstattung der «Schweiz am Sonntag» wurde jüngst vom Schweizer Presserat gerügt. Mit dem ersten Artikel über Müllers Sex-Chat habe die Zeitung die Privat- und Intimsphäre des Politikers in schwerer Weise verletzt. Ein höher zu wertendes öffentliches Interesse, das die Veröffentlichung gerechtfertigt hätte, verneinte der Presserat.

(kat/SDA)