Menschenrechtsverletzungen

18. September 2019 10:19; Akt: 18.09.2019 11:48 Print

Schuften Kinder auf Borneo für Nestlé-Palmöl?

Auf malaysischen Palmölplantagen arbeiten Zehntausende Kinder. Laut Solidar Suisse importiert Nestlé dieses Öl in die Schweiz und weiss von den Menschenrechtsverletzungen.

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Guetsli, Nutella, Päcklisuppen und Handseifen: Jedes sechste Produkt, das in unseren Supermarktregalen steht, enthält Palmöl. Das wichtigste Herkunftsland von Palmöl in der Schweiz ist Malaysia. Laut dem Bund stammt knapp ein Viertel der Importe von dort (siehe Box).

Teile dieses Palmöls werden unter menschenrechtsverletztenden Bedingungen hergestellt, wie neueste Recherchen der Schweizer Organisation Solidar Suisse zeigen. So ist etwa Kinderarbeit auf den von Solidar Suisse besuchten Plantagen alltäglich.

«Unmenschliche Bedingungen»

Die Organisation spricht von «unmenschlichen Bedingungen», unter denen rund 850'000 Menschen in den Palmölplantagen in Sabah auf der malaysischen Seite der Insel Borneo arbeiten. Unter den meist illegalen Einwanderern befinden sich 50'000 bis 200'000 Kinder. Laut Solidar Suisse haben diese keinen Zugang zu öffentlichen Schulen. Viele von ihnen würden arbeiten, um ihre Eltern zu unterstützen, weil deren Löhne kaum zum Überleben reichten.

Der Grossteil der Erwachsenen und Kinder habe keine gültige Papiere. Und sie hätten dadurch keine Möglichkeit, die Plantagen zu verlassen: Sonst drohten ihnen Verhaftung und Ausschaffung. Trotz Arbeit mit langen und schweren Stangen sowie Pestiziden besitzt laut Solidar Suisse niemand auf den Plantagen richtige Schutzkleidung. Die malaysische Regierung soll die prekären Bedingungen kennen.

Nestlé soll von Kinderarbeit wissen

Doch nicht nur sie: Solidar Suisse prangert weiter den multinationalen Konzern Nestlé an. Dieser ist einer der Hauptimporteure von Palmöl auf dem Schweizer Markt. Gemäss der Organisation bezieht der Konzern das Palmöl unter anderem aus der Region Sabah – also von jenen Plantagen, auf denen auch Kinder arbeiten.

«Unsere Recherche hat ergeben, dass die Mojokuto-Plantage ihre Ernte an zwei Palmölmühlen liefert, die beide auf der Liste der Palmölmühlen 2018 von Nestlé aufgeführt sind. Auch alle
weiteren Mühlen in der näheren Umgebung sind dort aufgelistet. Das Palmöl von Mojokuto landet mit fast vollständiger Sicherheit in der Lieferkette von Nestlé», schreibt Solidar Suisse. Bei Nestlé soll man von den desaströsen Zuständen auf den Plantagen wissen.

«Kein Platz für Menschenrechtsverletzungen»

Der Nahrungsmittelkonzern nimmt in einem Schreiben an 20 Minuten Stellung. «Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit haben haben bei uns keinen Platz», schreibt Nestlé. Die Vorwürfe von Solidar Suisse würden untersucht. «Falls sie zutreffen, werden wir Massnahmen ergreifen.» Menschenrechtsverletzungen würden nicht toleriert.

Auch auf Kakaoplantagen schuften Kinder

Es ist nicht das erste Mal, dass Nestlé mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht wird. 2012 etwa machte das UNO-Kinderhilfswerk Unicef publik, dass auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste bis zu 200'000 Kinder schufteten.

Nestlé liess daraufhin die eigene Lieferkette in der Elfenbeinküste überprüfen und versicherte, internationale Konventionen zu Arbeits- und Menschenrechten einzuhalten sowie die eigene soziale Verantwortung wahrzunehmen. Dazu hielt das Unternehmen schriftlich Standards fest.

Kontakt mit lokalen Behörden

Gemäss Solidar Suisse ist das der erste Schritt in die richtige Richtung, aber nicht genug, um Kinderarbeit zu bekämpfen: «Trotz der Menge an öffentlichen Publikationen ist es nicht möglich, das tatsächliche Engagement hinter den schönen Hochglanzbroschüren abzuschätzen.»

Simone Wasmann von Solidar Suisse sagt, es sei dringend nötig, dass Grosskonzerne wie Nestlé Kontakt mit den lokalen Behörden aufnehmen. «Weiter müssen die betroffenen Arbeiter direkt eine Stimme erhalten. Sie müssen die Möglichkeit haben, sich zu organisieren, um den Plantagenbesitzern nicht vollkommen ausgeliefert zu sein.»

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wirzwei am 18.09.2019 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    boikottieren

    Nestlé boikottieren. Keine Produkte mehr kaufen.

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  • Alex Be am 18.09.2019 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neehstle

    Wer kontrolliert denn das bitte? Wahrscheinlich eine einheimische Prüfstelle. Die ist sicher für umgerechnet 5 Fr zu kaufen.

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  • Pesche FR am 18.09.2019 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es gibt nur eine Lösung:

    hört auf Produkte mit Palmöl zu kaufen!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ema ema am 19.09.2019 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ema

    Die arme Familien leben von diesem Geld sehr wahrscheinlich. Die Welt und die Menschen sind gleich wie Hölle

  • Migro Feind am 19.09.2019 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    auch für die Migros!

    Nicht nur für Nestle auch für die Migros!

  • Geri am 19.09.2019 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrechte ?

    Nestle haben Menschenrechte noch nie interessiert Hauptsache der Profit stimmt darum kaufe ich rein gar nichts von Nestle

  • Otto Walkes am 19.09.2019 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nestle Bashing

    Schuften Kinder für Schweizer Bauern. Sah Kinder auf einem Samro bei der Kartoffelernte :-)

  • Holla die Waldfee am 19.09.2019 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Narziamus

    Narzisten, und das sind viele Reiche und Spitzenmanager, haben kein Mitgefühl. Solange die an der Macht sind, geht die Welt zu Grunde. Nestlé ist da nur ein schlimmes Beispiel...