Angriff auf Vermögende

19. Oktober 2014 12:23; Akt: 19.10.2014 20:10 Print

Für Reiche wird es in der Schweiz ungemütlicher

Abzocker-Initiative, Aufweichung des Bankgeheimnisses, Erbschaftssteuer- und Pauschalbesteuerungs-Initiative: Die Schweiz wird für vermögende Ausländer unattraktiver.

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(Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Wird die Pauschalbesteuerungs-Initiative Ende November vom Stimmvolk angenommen, könnten reiche Ausländer der Schweiz den Rücken kehren. Das befürchten die Gegner der linken Initiative. Die Erfahrung von Kantonen, in denen die Pauschalbesteuerung bereits abgeschafft wurde, gibt ihnen Recht: Im Kanton Zürich sind seit der Abschaffung 2009 mehr als zwei Drittel der Betroffenen entweder ins Ausland oder in andere Kantone weggezogen.

Dies spüren laut «Tages-Anzeiger» auch die Zürcher Immobilienmakler. Gegenüber der Zeitung bestätigen verschiedene Branchenvertreter, dass ihre reiche Kundschaft aus dem Ausland in den letzten Jahren deutlich abgenommen habe. Diese Erfahrung macht auch André Ginesta, Verwaltungsratspräsident der Zürcher Ginesta Immobilien AG: «Die Nachfrage nach Luxuswohnungen ist spürbar zurückgegangen.»

Politisches Umfeld vertreibt vermögende Ausländer

Die Abschaffung der Pauschalbesteuerung dürfte nicht der einzige Grund dafür sein. Auch die Diskussionen über eine Abschaffung des Bankgeheimnisses, die Abzocker-Initiative, die Zuwanderungsinitiative der SVP und die hängige Erbschaftssteuerinitiative der SP sollen dazu geführt haben, dass die Schweiz von vermögenden Ausländern nicht mehr als ein so sicherer Hafen wie früher wahrgenommen wird.

Politgeograf Michael Herrmann bestätigt, dass Volksinitiativen in den letzten Jahren häufiger auf Reiche gezielt haben. «Gerade die Linke hat gemerkt, dass sie mit klassischen Vorlagen, wo es etwa um die Besserstellung der Armen geht, keine Chance hat», so Hermann. «Es kommt viel besser an, wenn man auf Reiche und Ausländer schiesst.»

«Die Politik ist übermütig geworden»

Laut Hermann zeugt der Trend von einer gewissen Überheblichkeit der Schweiz. «Weil es uns in den letzten Jahren so gut ging, sind die Leute übermütig geworden», sagt der Politgeograf. «Man hat das Gefühl, die Schweiz könne wirtschaftlich gar nicht in eine Rezession reinrutschen.» Das sei aber überhaupt nicht selbstverständlich. «Die Schweiz ist in einem globalen Wettbewerb. Da braucht es nicht viel, dass die Lage kippen kann.»

Volkswirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger von der Universität Freiburg betont, dass bei einem Wegzug von vielen vermögenden Ausländern grosse Steuerausfälle drohen, die dann mit flächendeckenden Steuererhöhungen kompensiert werden müssten. «Reiche Personen sind Nettozahler – sie zahlen viel mehr Steuern und Abgaben, als sie vom Staat Leistungen beziehen.»


«Gleiche Spielregeln für alle»

Genau vor diesen negativen wirtschaftlichen Folgen warnt SVP-Nationalrat Thomas Aeschi: «Die Initianten realisieren nicht, dass bei einem Wegfall dieser Steuereinnahmen für die übrigen Steuerzahler die Steuerbelastung steigen würde», so Aeschi. «Wenn reiche Ausländer ihr Vermögen künftig nicht mehr in der Schweiz ausgeben würden, riskieren wir Wohlstandsverluste für alle.»

Niklaus Scherr, Zürcher AL-Politiker und geistiger Vater der Pauschalbesteuerungs-Initiative, hält diese Befürchtungen für absurd. «Diese Katastrophenszenarien, die da hochbeschworen werden, sind hochgradig unrealistisch.» Er glaubt nicht, dass sich Reiche aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen massenhaft ins Ausland absetzen. Für ihn steht im Vordergrund, dass für alle die gleichen Spielregeln gelten: «Die Zeiten, in denen den Superreichen der rote Teppich ausgerollt wird, sind vorbei.»

(rok)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Piotr am 19.10.2014 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Der Herr AL-Politiker..

    ..glaubt nicht, dass die Reichen wegziehen? Na denkste, die Zahlen sprechen eine andere Sprache. 50% haben wir bereits verloren, das ist den reichen doch egal, wo sie wohnen, die sind mobil. Wie doof muss die Linke noch werden?

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  • Petra am 19.10.2014 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Wenn die Reichen wegziehen, müssen wir alle viel mehr an den Staat zahlen! Jetzt kann jeder entscheiden was er möchte. Steuern senken und die besten Steuerzahler vertreiben geht nicht auf, liebe SP. Vergleiche sämtliche europäische Länder.

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  • Mick J. am 19.10.2014 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich!!!

    Gerade im Luxusbereich macht sich die Immobilienblase am meisten bemerkbar. Dies mit der Abschaffung der Pauschalbesteuerung zu begründen ist einfach nur lächerlich. Schafft endlich mehr bezahlbaren Wohnraum!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • H.B. Nichts am 20.10.2014 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Was Hänschen nicht lernt..

    ...lernt der Hans nimmermehr. Dem reichen Hans hätte man im Kindergarten schon eins hinter die Löffel geben sollen, als er alles Spielzeug für sich selber beansprucht hat. Traurig, das so eine Diskussion um Mehrabgaben überhaupt geführt werden muss. Die Krux an der Geschichte: Leute für welche das Teilen selbstverständlich ist, werden selten sehr reich. Ein Teufelskreis... ;)

  • true am 20.10.2014 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit!

    Bitte immer schön bei der Wahrheit bleiben. Gemäss den letztmals erhobenen Daten vom 2012 haben die Pauschalbesteuerten in der Schweiz CHF 695 Millionen Steuern bezahlt. Ziehen ALLE PAUSCHALBESTEUERTEN WEG, zahlt jeder Schweizer (695 Mio. durch 8 Mio.) nur CHF 86.- mehr. Lohnt sich doch oder nicht? Dieser Betrag ist aus meiner Sicht verkraftbar. Zudem wird somit ein klares Zeichen gesetzt.

    • Moi am 20.10.2014 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wahrheit?

      Genau so! Bei der Wahrheit bleiben! Woher haben sie denn 8 Mio. Steuerzahler?

    • Jürg Steiner am 20.10.2014 14:23 Report Diesen Beitrag melden

      Sehr Kurzsichtig

      Der Mehrwert der Reichen besteht nicht hur aus deren Steuern sondern aus dem was die Reichen hier Konsumieren Ink. Wohnung etc. Schätze dies macht gegenüber den Steuern etwa das 10 fache aus. Wenn wir also von 2 Mio Steuerzahler ausgehen macht macht dies etwa 270.- Steuern und geschätzte 2700.- Konsum aus. Wobei der Konsum noch etwa verdreifacht werden kann. Die Leute die den Konsum erfüllen haben auch weniger Geld zum Konsumieren.

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  • Normalo am 20.10.2014 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    "Reichenfalle"

    Sie kommen in Scharen in unser Land. Besetzen die schönsten Flecken und lassen sich und ihren Reichtum gerne in Life-Style-Medien bewundern und wundern sich irgendwann, dass sie für das Leben in ihrem "Paradies auf Erden" früher oder später hierzulande Steuern bezahlen müssen.

  • Mani Mutter am 20.10.2014 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Steuerverlust

    Gemäss Tagesanzeiger sind zwar in Zürich viele ehemals Pauschalbesteuerte weggezogen - diejenigen die bleiben, bezahlen aber im Gegenzug gleich viel wie alle vorher zusammen. Es gab also keine Verluste für den Staatshaushalt. Ich gehöre nicht ins linke Lager (EDU), aber die Pauschalbesteuerung ist einfach nicht gerecht gegenüber dem arbeitenden Volk. Andere linke Volksinitiativen kann man aber getrost den Bach runter schicken....

    • Stephan am 20.10.2014 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zuwenig überlegt

      Würden alle Kantone die Pauschalbesteuerung abschaffen woher sollten Ihrer Meinung nach Reiche nachziehen welche die Kassen bei Stange halten? Wenn dies ein Kanton wie Zürich macht, kann dies ja gut sein das Reiche aus anderen Kantonen nachrücken welche die Kasse durch ihre Vollbesteuerung füllen. Doch würden dies alle Kantone tun, woher sollen dan noch so viele Reiche nachziehen um den Verlust auszubügeln? Rechnung geht nun mal nicht auf.

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  • Ueli am 20.10.2014 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so!

    Dann lohnt es sich für die Immobilienspekis auch nicht mehr so wahnsinnig wenn sie am Markt vorbei irgendwelche Luxuswohnungen bauen, die dann ein Steuerflüchtling "bezieht" um darin Steuern zu sparen. Wohnen und Geld ausgeben wird der aber in New York oder Berlin oder sonst in einer echten Stadt von Welt findet und nicht in unseren Bauerndörflein Zürich oder Genf. Alle, die hier ihre Angst kundtun, müssen verstehen, dass der Mittelstand immer die Steuern bezahlt hat und bezahlen wird. Die Reichen wissen wie sie sich davor drücken können. Deshalb Schluss mit Steuergeschenken für Reiche!