«Digitaler Tod»

15. November 2014 14:15; Akt: 15.11.2014 14:21 Print

Geburtstagsgrüsse aus dem Jenseits

Nach ihrem Tod leben Menschen im Internet weiter. Angehörigen ist es kaum möglich, die Accounts zu löschen. Der Bundesrat soll nun Richtlinien für den «digitalen Tod» prüfen.

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Makaber? Facebook erinnert auch an die Geburtstage von Verstorbenen. (Quelle: Screenshot facebook.com)

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«Lena hat heute Geburtstag, schreibe etwas in ihre Chronik», fordert Facebook die 296 Freunde von Lena auf. Ihren Geburtstag wird Lena aber nicht feiern können, denn die Studentin ist tot. Bei einem Autounfall kam sie vor einem Jahr ums Leben.

Das Beispiel ist fiktiv. Auf Facebook gibt es aber rund 30 Millionen Nutzer, die bereits tot sind. Auch auf anderen sozialen Netzwerken geistern Tote herum. Wer vor seinem Tod auf Jobsuche war, sucht auf Xing oder Linkedin auch nach seinem Ableben noch nach einer neuen Herausforderung.

Für Angehörige und Freunde kann es belastend sein, wenn ihre Verstorbenen immer wieder auf einer Timeline auftauchen. Dagegen unternehmen können sie aber wenig. Auf vielen Portalen ist es kaum möglich, ohne Testament oder Gerichtsbeschluss auf einen Account zuzugreifen. Zwar gibt es etwa auf Facebook ein sogenanntes Gedenkprofil, doch an die Daten kommen die Hinterbliebenen trotzdem nicht heran. Andere Plattformen stellen sich gar ganz quer und verweisen auf ihre Nutzungsbedingungen, die eine Herausgabe der Daten verbietet.

Was passiert mit meinen Daten, wenn ich sterbe?

Da klare rechtliche Vorschriften fehlen, wird das digitale Erbe oftmals zu einem makabren Problem. SP-Nationalrat Jean Christoph Schwaab will den Umgang mit dem «digitalen Tod» deshalb klarer regeln. In einem Postulat fordert er, dass Benutzerkonten und Daten automatisch an die Hinterbliebenen weitervererbt werden. «Laut Gesetz vererbt ein Verstorbener sein gesamtes Hab und Gut. Dazu gehört theoretisch auch der Facebook-Account», so Schwaab. Der Jurist will dem Parlament in der kommenden Session eine Änderung des Erbrechts schmackhaft machen.

Handlungsbedarf sieht auch der Bundesrat: Er empfiehlt dem National- und Ständerat die Annahme von Schwaabs Postulat. Damit soll es in Zukunft möglich sein, dass Hinterbliebene auch ohne Testament entscheiden können, was mit dem digitalen Nachlass des Verstorbenen geschehen soll. Dies befürworten auch die eidgenössischen Datenschützer. «Aus unserer Sicht ist es zu begrüssen, wenn gesetzlich geregelt wird, was mit den Daten passiert», sagt Sprecher Francis Meier.

Professionelle Online-Bestatter

Mittlerweile gibt es sogar Unternehmen, die sich gegen Bezahlung als digitale Nachlassverwalter anbieten. Beispiele sind Legacy Locker, VitalLock oder Deathswitch. Allerdings gibt es auch hier Risiken. Denn auch die Web-Testament leben nicht ewig, wie der Fall von MyWebWill.com zeigt. Der schwedische Nachlassverwalter musste 2011 den Stecker ziehen.

(tbi)