Maulwurf

08. September 2008 16:35; Akt: 08.09.2008 16:51 Print

Gegen die Securitas wird Anklage erhoben

von Didier Bender - Bei der Lausanner «Groupe Anti-Répression» (AntiRep), die gegen Polizeigewalt kämpft, ist ein «Maulwurf» eingeschleust worden, offenbar von der Securitas. Die Vertreter der Organisation möchten erfahren, warum sie ausspioniert worden sind und gehen nun vor Gericht.

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Aline Burki, membre du groupe anti-répression de Lausanne.
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Sie stellte sich unter dem falschen Namen «Shanti Muller» vor und erzählte eine frei erfundene Lebensgeschichte, um die «AntiRep» zu infiltrieren. Heute Morgen hat die Organisation nun angekündigt, dass sie Anklage wegen Verstosses gegen die Datenschutzbestimmungen, Ehrverletzung und Betrug erheben werde.

«Sie hat sensible Daten entwendet»

«Vielleicht haben wir nicht genug Paranoiker bei uns.» So versucht sich ein Mitglied von «AntiRep» die Tatsache zu erklären, dass «Shanti Muller» die Gruppe so lange ausspionieren konnte, ohne enttarnt zu werden. «Nach den Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Evian wollten sich viele der Bewegung anschliessen. Wir haben sie gerne aufgenommen. Dabei handelte es sich keineswegs um öffentliche Veranstaltungen. Indem sie an unseren Sitzungen teilnahm, bekam sie Kenntnis von vielen vertraulichen Informationen». Unter anderem nimmt «AntiRep» Zeugenaussagen von Demonstrationsteilnehmern auf Band auf.

Ein eifriges Mitglied

Zwischen 2003 und 2005 arbeitete die Frau mit scheinbar grossem Engagement in der Gruppe mit. Sie nahm an zahlreichen Demonstrationen teil und wurde einmal sogar leicht verletzt.
Mitte 2005 verschwand sie plötzlich, «ohne eine zufriedenstellende Erklärung abzugeben. Im Jahr 2007 hat sie uns einmal eine Postkarte aus Indien geschickt, sonst haben wir nie wieder etwas von ihr gehört», teilt «AntiRep» mit.

Viele Fragen, kaum Antworten

Nach «Nestlégate» (siehe Kontextbox) ist dies schon die zweite «Maulwurfaffäre», in die die Securitas verwickelt ist. «AntiRep» hofft nun, mit der Klage Licht ins Dunkel zu bringen. Wer waren die Auftraggeber? Gab es weitere «Maulwürfe»? Wusste die Polizei Bescheid? Lauter Fragen, auf die die Justiz eine Antwort wird finden müssen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • höseler am 08.09.2008 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Unsecuritas

    Fragt sich, wann die ersten Wirtschaftsspionage-Fälle ans Tageslicht kommen. Securitas hat Zugang zu den Gebäuden von praktisch allen Firmen... CEOs, hütet Euch!

  • w. rüdisühli am 08.09.2008 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    warum nur den dienstleister kritisieren?

    warum soll man auch den auftraggeber kritisieren (nestlé usw.), wenn der dienstleister ein so polarisierendes unternehmen wie die securitas ist? wäre es eine no-name-detektei gewesen, hätte die öffentlichkeit nie etwas davon erfahren, weil zu unspektakulär...

  • Peter Anonymus am 08.09.2008 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Privatisierter Schnüffelstaat

    Ich schreibe unter Anonymus, weil man in der Schweiz seine Meinung nicht mehr ohne Angst äussern darf. Skandalös an der Schnüffelaffäre ist nicht das Symptom "Schnüffeln", sondern dass die priv"Privatrechtliche Stasimethoden" vom Gesetzgeber nicht verboten ist. So wird die CH-STASI quasi geoutsourct

Die neusten Leser-Kommentare

  • Demokrat am 08.09.2008 23:34 Report Diesen Beitrag melden

    Spionage oder Enthüllung?

    Wo liegt das Problem? Der linke "Enthüllungsjournalist" Günter Wallraff macht das dauernd. Kommt halt wie immer auf die eigene Position an: Links = gut, bürgerlich = schlecht.

  • höseler am 08.09.2008 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Unsecuritas

    Fragt sich, wann die ersten Wirtschaftsspionage-Fälle ans Tageslicht kommen. Securitas hat Zugang zu den Gebäuden von praktisch allen Firmen... CEOs, hütet Euch!

  • stefan am 08.09.2008 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    gutmenschen - naiv?

    diese gleichung scheint zu stimmen. wer mit offenen augen politik und gesellschaft betrachtet, kann nur davon ausgehen, dass parallelgesellschaften bestehen. infiltriert wird alles, was dem neoliberalismus in wirschaft und rechtsnationalem kritisch gegenübersteht. bis hinauf ins jusdep.

  • w. rüdisühli am 08.09.2008 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    warum nur den dienstleister kritisieren?

    warum soll man auch den auftraggeber kritisieren (nestlé usw.), wenn der dienstleister ein so polarisierendes unternehmen wie die securitas ist? wäre es eine no-name-detektei gewesen, hätte die öffentlichkeit nie etwas davon erfahren, weil zu unspektakulär...

  • Peter Anonymus am 08.09.2008 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Privatisierter Schnüffelstaat

    Ich schreibe unter Anonymus, weil man in der Schweiz seine Meinung nicht mehr ohne Angst äussern darf. Skandalös an der Schnüffelaffäre ist nicht das Symptom "Schnüffeln", sondern dass die priv"Privatrechtliche Stasimethoden" vom Gesetzgeber nicht verboten ist. So wird die CH-STASI quasi geoutsourct