Hervé Falciani

11. Oktober 2015 11:53; Akt: 11.10.2015 12:01 Print

Geheimdienst liess Bankdatendieb laufen

Der Schweizer Nachrichtendienst erhielt einen präzisen Tipp, dass HSBC-Mitarbeiter Falciani gestohlene Daten zum Kauf anbot. Die Agenten reagierten aber nicht.

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Steht ab Montag vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona: Datendieb Hervé Falciani, hier bei einer Anhörung über seine Auslieferung in die Schweiz. (15. April 2015) (Bild: Keystone/Juan Carlos Hidalgo)

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Ein bislang verborgenes Dokument belegt, dass der Schweizer Geheimdienst einem Hinweis auf den Datendieb bei der HSBC Privatbank in Genf, Hervé Falciani, nicht nachgegangen ist. Die Behörde hat schon früh einen präzisen Tipp erhalten, dass ein Mann versucht, Kundendaten ins Ausland zu verkaufen.

Die Spur hat der Dienst aber aufgegeben. Und er hat den Tipp den ermittelnden Polizisten verschwiegen. Das berichtet die «SonntagsZeitung» und veröffentlicht das Dokument auf ihrer Website. Dabei handelt es sich um einen Brief des Vize-Direktors vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB), Jürg Bühler, an die Bundesanwaltschaft. Bühler schreibt, der NDB habe «im Juli 2008 einen Hinweis aus einer zuverlässigen, schützenswerten nachrichtendienstlichen Quelle» erhalten, «wonach eine Person 2008 einem deutschen Nachrichtendienst Daten über Schweizer Kunden angeboten haben soll». Die Deutschen seien «nach unseren Informationen», schrieb Bühler, nicht auf das Angebot eingegangen.

Bundesanwalt entlässt Staatsanwältin

Der Beginn des Prozesses gegen den ehemaligen HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona ist auf Montag angesetzt. Bundesanwalt Michael Lauber hat Laurence Boillat, die für den Fall des HSBC-Datendiebs Hervé Falciani zuständig war, entlassen. Der Prozess findet ohne die Staatsanwältin statt. Boillat bestätigt die Vertragsauflösung gegenüber der «SonntagsZeitung» und erklärt, dass sie dagegen rekurriere. Lauber hatte sich zu Beginn des Sommers wegen fehlender Leistung von mehreren Staatsanwälten getrennt.

Dem IT-Mitarbeiter Hervé Falciani wird in der Anklageschrift wirtschaftlicher Nachrichtendienst, unbefugte Datenbeschaffung, Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses und die Verletzung des Bankgeheimnisses vorgeworfen. Weil Falciani angekündigt hat, am Prozess nicht zu erscheinen, könnte die Verhandlung platzen. In diesem Fall müsste ein neuer Termin festgelegt werden. Erscheint Falciani auch dann nicht vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona, kann die Verhandlung trotz seiner Abwesenheit durchgeführt werden.

(slw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dan Eben am 11.10.2015 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Entlassung ?

    Nur Entlassung für diese Anwältin ? Kein Verfahren ? Ist das auch Kuscheljustiz ? Ich denke schon .

  • Hans Schmerz am 11.10.2015 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entlassung ist richtiger Schritt

    Richtig dass Frau Boillat entlassen wurde. In der Aufarbeitung des ganzen Falles kamen ja erstaunliche Versäumnisse zu Tage! Insbesondere die enorm langen Zeiten, die Frau Boillat zwischen Ihren einzelnen Aktionen und Handlungen verstreichen liess, sind äusserst bedenklich. ZB als Hr. Falciani am 22.12. völlig dilettantisch aus der Befragung/U-Haft entlassen wurde und sofort nach Frankreich verschwand, und Frau Boillat erst nach ihren Xmas-Ferien am 05.01. wieder tätig wurde und ein Gesuch an Frankreich stellte. Ganz viele solche Versäumnisse. Über Monate hinweg wurde er nichtmal befragt!

  • Lassie am 11.10.2015 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich wahr ?

    Jemand räumt auf in diesem "Saustall"oder ist Sie einfach nicht mehr (er)tragbar ? Ein Hohn im Bezug auf das neu NDG. Der "kleine" Bürger wäre in solch einem Fall schon längst bestraft worden und das alles zum Wohl der Allgemeinheit. Naja, ist eben so, Manche sind gleicher als Andere.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco am 12.10.2015 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Tarnung!

    Wenn man schon ein Toupet benutzt, dann bitte so, dass es nicht beim ersten Blick schon auffällt.

  • polizist am 12.10.2015 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    ich will auch

    ich wäre lieber beim NDB tätig, anstatt in der uniform. also wenn ihr das liest, kontaktiert mich. diese art der Bewerbung ist doch innovativ, nicht ?

  • Sven E. am 12.10.2015 03:52 Report Diesen Beitrag melden

    Solange man in der Schweiz

    nicht falsch parkt, zu schnell faehrt oder offen seine Meinung aeussert, braucht man nichts zu fuerchten.

    • Marco am 12.10.2015 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      Doch!

      Es könnte sein, dass du eines Morgens aufwachst und eine Politikerin dich wegen Verführung mit KO-Tropfen angezeigt hat.

    einklappen einklappen
  • Oliver am 12.10.2015 00:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Ratten

    Ganz ehrlich? Der Geheimdienst wurde geschmiert. Es ist leicht Geld anzunehmen.

  • A. Meier am 11.10.2015 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Einzelfall..

    Wiso jetzt Frau Boillat? Bei unserer Justiz ist doch Verschleppung und Vertuschung doch schon allgemein üblich ..!!