Diskriminierung

01. Februar 2017 13:30; Akt: 01.02.2017 17:55 Print

Gehörlose demonstrieren gegen Sirenen-Alarm

In der ganzen Schweiz haben am Mittwochnachmittag rund 7000 Sirenen geheult. Gehörlosenverbände in vier Städten gegen Diskriminierung.

Gehörlose demonstrieren gegen den Sirenenalarm. (Video: Keystone/Tamedia)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit den 5000 stationären und 2200 mobilen Sirenen soll die Bevölkerung bei einer Katastrophe alarmiert werden. Denn im Fall einer akuten Gefährdung sei es entscheidend, dass die zuständigen Behörden, die Führungs- und Einsatzorganisationen und die Bevölkerung möglichst rasch und richtig handelten, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) zu den Tests mit.

Umfrage
Hätten Sie gewusst, was Sie beim Sirenenalarm tun müssen?

Sämtliche stationären Sirenen wurden in den letzten Jahren dem Steuerungssystem Polyalert angeschlossen worden und können seit letztem Jahr in jedem Kanton zentral ausgelöst werden. In der Regel sind dafür die Kantonspolizeien zuständig.

Ertönen die Sirenen ausserhalb der angekündigten Testphase, fordert das BABS die Bewohnerinnen und Bewohner auf, Radio zu hören, die Anweisungen der Behörden zu befolgen und die Nachbarn zu informieren. Bei einem Wasseralarm muss die Bevölkerung das gefährdete Gebiete sofort verlassen.

Keine wirkliche Alternativen

Seit 2015 betreibt das BABS auch eine App, eine Webseite, einen Twitter- und einem Youtube-Kanal. Die Anwendungen mit dem Namen Alertswiss sollen in Zukunft auch bei Katastrophen und Notlagen genutzt werden können.

Christian Gremaud vom Schweizerischen Gehörlosenbund nimmt Stellung:

(20 Minuten / miw)


Denn insbesondere die rund eine Million Menschen mit einer Hörbehinderung im Land würden mit dem traditionellen Sirenenalarm nur ungenügend erreicht, schreibt das BABS. Ende 2017 sei ein Pilotversuch mit einzelnen Kantonen geplant. 2018 solle das System «möglichst flächendeckend in allen Kantonen eingeführt werden».

Der Nachteil dieser Kanäle ist weiterhin, dass sie von den Nutzern aktiv installiert werden müssen. Eine Alternative dazu ist nicht in Sicht. Die Alarmierung per SMS zum Beispiel ist vom Tisch. Anscheinend wäre es im Fall von Grossereignissen nicht möglich, eine so grosse Anzahl von Nachrichten innerhalb kurzer Zeit zu verbreiten.

Auch eine Alarmierung über das so genannte Cell Broadcast wird nicht weiterverfolgt. Dabei würden Nachrichten über Sendemasten an alle empfangsbereiten Geräte geschickt, die sich in Reichweite der Funkzelle befinden. Das Problem ist, dass Smartphones standardmässig nicht so konfiguriert sind, dass sie diese Push-Nachrichten unterstützen.

Gehörlose protestieren

Der Schweizerische Gehörlosenbund (SGB) protestierte deswegen mit der Strassenaktion «Alarmtote» in Basel, Bern, Lausanne und Lugano gegen die Diskriminierung. Nach wie vor riskierten gehörlose Menschen ihr Leben, weil sie vom Sirenenalarm und den Informationen im Radio ausgeschlossen seien.

Seit Jahren schiebe das BABS die Erfüllung der gesetzlichen Richtlinien zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen auf. Die Einführung von alternativen Alarmsystemen sei verschoben und Treffen mit Hörbehinderten-Organisationen abgesagt oder verschoben worden.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hilde am 01.02.2017 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alarm

    Schon unheimlich, wenn man sich vorstellt, wie es wäre wenn der nachts abgehen würde.

    einklappen einklappen
  • Natalie am 01.02.2017 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Jährlich wiederkehrend

    Es ist jedes Jahr das Gleiche - und immer wieder wundern sich die Leute.

    einklappen einklappen
  • Miranda am 01.02.2017 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    App installieren

    Das mit der App ist doch super. Muss man zwar selber installieren, aber hey, wer nicht hörbehindert ist will wahrscheinlich auch nicht über Push Nachrichten oder SMS informiert werden, ich jedenfalls nicht. Und wer hörbehindert ist, wird sich wohl der Problematik bewusst sein und kein Problem haben, eine App zu installieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • G.K. am 01.02.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin aber nicht Taub

    ich war den ganzen Nachmittag zu Hause, aber ich habe nichts gehört

  • Ruth75 am 01.02.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alarm

    SMS ist leider nicht zuverlässig.Manchmal kommen SMS erst nach mehreren Wochen oder überhaupt nicht beim Empfänger an.Und bei einer Katastrophe würde das Netz zusammenbrechen.Ausserdem gibt es immer noch Leute,die kein Handy besitzen.

  • Chrigi4712 am 01.02.2017 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlose Demo!!

    Was soll diese Demo? Jeder, der einen Gehörlosen kennt, informiert ihn und kümmert sich um ihn. Genau so im Ernstfall. Was nützt eine solche Demo.

  • Caroline Kopp Brändle am 01.02.2017 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehörlose

    Eine Sauerei, ich bin ja selbst gehörlos, wie sollen wir gehörlose im Katastrophenfall uns verhalten können !!! Politik WACHT AUF WIR SIND AUCH NOCH DA!!!! Auch wir haben das Recht informiert zu werden, nur nicht zu spät. Auch ich fühle mich in dem Thema diskriminiert!!

  • Mobidick0 am 01.02.2017 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wir in den Bergen?

    Auch wir in den Bergen hören diese Alarme nicht. Wie wäre eine Alarmierung über eine App? Ach ja, so manches ist so was von antiquiert.