Gotthardsanierung

28. Februar 2016 11:23; Akt: 28.02.2016 19:47 Print

Genf und Waadt lehnen zweite Röhre als Einzige ab

Die zweite Gotthardröhre wird gebaut, womit der Transitverkehr auch während der Sanierung des Tunnels ungehindert weiterrollen wird.

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Durch den Gotthard kann ein zweiter Strassentunnel gebohrt werden. Rund 57 Prozent der Stimmberechtigten sagten Ja zum neuen Tunnel durch die Alpen. Für die Gegner ist aber klar: Der Bundesrat und die bürgerlichen Parteien müssten nun den Beweis erbringen, dass es dadurch nicht mehr Verkehr auf der Nord-Süd-Achse gibt.

«Die Befürworter müssen zu ihren Versprechungen stehen, dass es wirklich nur um eine Tunnelsanierung und keinen Kapazitätsausbau geht», sagte Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative, der sda. Auch Verkehrsministerin Doris Leuthard stehe in der Pflicht, dass ein zweiter Tunnel nicht zu mehr Verkehr führe.

Reduktion der Schadstoff-Emissionen

Bundesrätin Leuthard sicherte vor den Medien zu, dass der Bundesrat die Reduktion der Schadstoff-Emissionen und die Verlagerungspolitik für den Güterverkehr fortsetzen wolle. Sie erinnerte an die geplante Erhöhung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) und die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels in diesem Jahr.

Forderungen kommen aber auch von bürgerlichen Tunnelgegnern. Sie fürchten, dass andere Strassenprojekte finanziell unter Druck geraten. «Wichtige Projekte in den Agglomerationen werden auf die lange Bank geschoben», sagte CVP-Ständerat Konrad Graber auf Anfrage.

Gespaltenes Tessin

Das Verdikt des Stimmvolks zur zweiten Gotthardröhre ist indes deutlich. Rund 1'883'700 Ja-Stimmen standen rund 1'420'500 Nein-Stimmen gegenüber. Ausser Genf und Waadt sagten alle Kantone Ja. Sogar der Kanton Uri, der bislang Ausbauvorlagen am Gotthard abgelehnt hatte, stimmte dem Tunnel mit 53 Prozent zu.

Im Tessin sprachen sich 57,8 Prozent für die Vorlage aus. Die Ja-Anteile variierten von Gemeinde zu Gemeinde jedoch stark. Airolo am Südportal des Tunnels sagte mit rund 76 Prozent der Stimmen Ja. Rund ein Dutzend Gemeinden stimmten Nein, darunter Chiasso, Stabio und Mendrisio.

Die höchsten Ja-Anteile - je rund 68 Prozent - kamen aus den Kantonen Aargau und Schwyz. Mit über 60 Prozent stimmten auch Luzern, Graubünden, Basel-Landschaft, Solothurn, Ob- und Nidwalden sowie Zug dem Bau des zweiten Tunnels zu.

Bau beginnt 2020

Die Strassenverbindung über den Gotthard kann nach dem Ja des Stimmvolks mit einer «Sanierungsröhre» instand gestellt werden, so wie es der Bundesrat vorgeschlagen und das Parlament bewilligt haben. Geplant ist, den neuen Tunnel ab etwa 2020 zu bauen.

Beide Röhren werden zwar über je zwei Fahrspuren verfügen. Benutzt werden darf allerdings nur je eine in Richtung Nord respektive in Richtung Süd. Denn der 1994 angenommene Alpenschutzartikel verbietet es, die Kapazität der Transitstrassen im Alpengebiet zu erhöhen.

Darum ist im Gesetz für den Bau der zweiten Röhre verankert, dass pro Fahrtrichtung nur eine der beiden Spuren betrieben werden darf. Die zweite soll Pannenstreifen sein. Die richtungsgetrennten Röhren sollen die von jährlich rund 5 Millionen Autos und rund 900'000 Lastwagen befahrene Gotthard-Strassenverbindung sicherer machen.

Sicherheit kontra «Transithölle»

Kosten soll die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels insgesamt 2,8 Milliarden Franken. Im Budget enthalten sind der Bau der zweiten Röhre, die Sanierung der bestehenden Röhre und die Überbrückungsarbeiten, die es braucht sind, um den bestehenden Tunnel bis zur Sanierung sicher zu betreiben.

Die Befürworter sehen die Zustimmung denn auch als Ja zu mehr Sicherheit im Strassenverkehr. Nach der Sanierung könnte der Verkehr ohne gefährlichen Gegenverkehr geführt werden. Bürgerliche Parteien sprachen von einem Vernunftsentscheid.

Positiv wertet auch die Wirtschaft das Abstimmungsergebnis. Damit könne das Tessin ohne Unterbruch mit Gütern versorgt werden, schreibt der Verband der verladenden Wirtschaft.

Die Abstimmung im News-Ticker:

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(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phil am 28.02.2016 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Tunnel-Maut: Erhaltung bezahlen lassen

    Ich frage mich seit Jahren, wieso es die Politik nicht schafft oder noch schlimmer nicht mal daran denkt, eine Gebühr für die Tunneldurchfahrt zu erheben, um wenigstens einen Beitrag an die Investitions- und Unterhaltskosten zu haben. Statt dessen wird ständig die Diskussion über die Kosten geführt. völlig unverständlich! Gehen wir mal von 5.- pro Fahrzeug aus (wäre im Vergleich zu anderen Tunnels und Abschnitten noch billig), das wären schon mal 25 Mio / Jahr, ohne LKW Anteil... Geld, dass wir auch anders einsetzen könnten

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  • K. omisch am 29.02.2016 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU

    interessant finde ich: Die Linken beschweren sich, dass wir von der EU erpressbar sind. Dieselben Leute haben im Parteiprogramm einen Beitritt zur EU. Wieso sollte man zu seinem Erpresser beitreten?

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  • Rarrar am 28.02.2016 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Durch unsere Dorf fahren täglich in etwa gleich viele Autos wie durch den Gotthard. Frage. Ich hätte als Anwohner der Strasse auch etwas nehr Ruhe. Darf ich auch einen Tunnel aufstellen? Natürlich vom Bund finanziert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • K.R. Itiker am 01.03.2016 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Glauben und Wissen

    Frau Allemann: Wenn man weiss, dass es schwierig ist, Versprechen auf lange Zeit hinaus zu halten, sollte man evt. auch darauf verzichten, solche einzufordern. Wer weiss schon, wie unsere Verkehrssituation in zwanzig Jahren aussieht?

  • kaiser wilhelm am 01.03.2016 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    wir werden integriert

    sobald der Sauglättli EU-Kommisar des Protektorates Schweiz geworden ist, wird eine Tunnel-Maut erhoben. Aber nur von den Schweizern. Alles andere wäre Rassismus.

  • Liam am 01.03.2016 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sobald die NEAT

    in Betrieb gegangen ist, steht der Bundesrat in der Pflicht, den LKW-Verkehr auf die Schiene zu ZWINGEN! Genau dafür haben wir Autofahrer die NEAT finanziert. Den Individualverkehr braucht man wegen der paar Stautage nicht zu steuern.

    • M Huber am 01.03.2016 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      wir Autofahrer?

      Die NEAT wurde von allen finanziert! Und solange die Zufahrts tunnel nicht auf 4 meter ausgelegt sind bringt alle Zwängerei nichts! Ein LKW ist nun mal 4 Meter hoch und nicht wie ein Container nur 3.75 ! Kein Spediteur wird in Chiasso und in Basel umladen; die NEAT macht nur sinn, wenn man mit dem LKW drauf und wieder direkt runter und weiterfahren kann. Alles andere ist teurer und zeitaufwendiger als eine direktfahrt und das muss und kann so ausgelegt werden dass der NEAT billiger und schneller ist als die direktfahrt. Dann brauchts kein Zwang, die Wirtschfatlichkeit wird das automatisch rege

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  • Bruno Hochuli am 01.03.2016 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja die Sicherheit

    Ein Geheul wird es geben, wenn dazu noch die Brücken und Strassen saniert werden müssen, die grossen LKW sie zu Schrott gefahren haben. Der Steuerzahler wird die Rechnung bald zu spüren bekommen.

    • Georges am 03.03.2016 06:07 Report Diesen Beitrag melden

      So isches

      Wenn man Brücken richtig baut werden sie auch nicht von dem so bösen Lastwagen zuschrott gefahren. Eher von unfähigen Statikern und Baufirmen gebaut.

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  • baba am 01.03.2016 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Angst vor Veränderungen

    Man muss im Leben Risiken eingehen und nicht immer nur an dem festhalten was man hat, aus Angst es könnte schlechter werden wenn man was ändert, denn dann gibt es auch nicht die Chance dass es besser wird. Wir wissen nicht was in 30ig Jahren ist, ausser dass der Verkehr auch nicht weniger wird, wenn die 2. Röhre nicht gebaut würde.... der Verkehr nimmt so oder so zu....