Der Berg gebiert eine Maus

23. August 2008 06:19; Akt: 23.08.2008 13:47 Print

Genf zieht «akzeptable Bilanz» des Botellón

Das Wetter hat am Freitagabend beim Botellón in Genf nicht mitgespielt. Der Regen hielt offenbar viele von einer Teilnahme ab. Nur 300 Personen fanden sich am späten Abend im Parc des Bastions ein. Gegen 3:00 Uhr Nachts war der Park leer.

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Genf hatte vergangene Woche als einzige Stadt der Schweiz diese Art Treffen toleriert, die aus Spanien stammen. Sie verlangte jedoch unter anderem, dass der Park nach dem Fest gesäubert wird.

«Die erwarteten Exzesse haben nicht stattgefunden», sagte Patrick Pulh, Sprecher der Genfer Polizei. Bedauernswert sei einzig die Aggression gegen einen Deutschschweizer Pressefotografen.

Pressefotograf attackiert

Jemand aus einer Gruppe angetrunkener Jugendlicher hatte nach dem Fotografen des «Sonntagsblick» eine Flasche geworfen und ihn dadurch am Kopf verletzt. Der Fotograf musste ins Spital. Laut den Organisatoren des Massentrinkens hatten diese Jugendlichen nichts mit dem Fest zu tun.

Auch aus Sicht der Stadt Genf ist die Veranstaltung ohne grössere Reibereien verlaufen. «Wir ziehen eine akzeptable Bilanz,» sagte Sami Kanaan, Direktor des stadtgenfer Departementes für Soziales, Jugend und Sport. Er bedaure einzig den Angriff auf den Pressefotografen.

An einem Botellón wird zwar Alkohol getrunken, das Ziel ist jedoch nicht, sich möglichst rasch zu betrinken, wie ein Teilnehmer betonte. Ein anderer meinte, es brauche ein solches Fest, da sich in Genf nicht viel ereigne und es zu wenig Orte gebe, um sich zu amüsieren.

Müll weggeräumt

Die Organisatoren hätten den Grossteil der Reinigungsarbeiten und den Müll weggeräumt, sagte Kanaan weiter. Die Putzequipen hätten einen deutlich weniger verwüstete Situation vorgefunden als beim letzten Massentrinken.

An einem Botellón wird zwar Alkohol getrunken, das Ziel ist jedoch nicht, sich möglichst rasch zu betrinken, wie ein Teilnehmer am Freitagabend betonte. Ein anderer meinte, es brauche ein solches Fest, da sich in Genf nicht viel ereigne und es zu wenig Orte gebe, um sich zu amüsieren.

Die aus Spanien stammenden und als «Botellón» (grosse Flasche) bekannten Massenpartys schwappen derzeit auf mehrere Schweizer Städte über. Zürich, Bern und Genf sind mit Aufrufen zu einem Massentrinken konfrontiert.

Müssiggang nicht gern gesehen

Der spanische Soziologieprofessor Artemio Baigorri erklärt die dadurch entstandene allgemeine Aufregung damit, dass die kapitalistische Gesellschaft den Müssiggang nicht schätze. «Ein jeder soll immer und überall produktiv sein», sagte er in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem «Tages Anzeiger».

Botellón fehle aber jeglicher Protestcharakter. «Die Jungen gehen nicht in erster Linie hin, um sich zu besaufen, sondern um sich zu vergnügen und um einen Partner zu finden», sagte Baigorri weiter. Das ungelöste Hauptproblem besteht laut dem Soziologen darin, dass Minderjährige an einem solchen Anlass leichter zu Alkohol kommen als in einer Bar oder Disco.

(SDA/AP)