Klitorisbeschneidung

20. Juni 2009 23:37; Akt: 24.06.2009 16:30 Print

Genitalverstümmelung gleich wie Piercings?

Neuer Wirbel um das Strafrecht: Die Genitalien von volljährigen Mädchen zu verstümmeln, soll in der Schweiz nicht mehr strafbar sein. Strafrechtsprofessor Martin Killias ist entsetzt.

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Das sieht ein neuer Gesetzesartikel vor, der ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden soll. Die Vernehmlassungsfrist läuft diesen Montag ab. Wörtlich heisst es zur Verstümmelung weiblicher Genitalien: «Ist die verletzte Person volljährig und hat sie in den Eingriff eingewilligt, so ist dieser straflos». Die geplante Änderung des Strafrechts sorgt für Empörung: «Die neue Regelung ist schockierend», sagt Martin Killias, Strafrechtsprofessor an der Universität Zürich, gegenüber «Sonntag»: «Damit wird die Genitalverstümmelung legalisiert». Die Liberalisierung wäre «europaweit ein Sonderfall», so Killias weiter: «Es ist absehbar, dass die neue Regelung einen regen Genitalverstümmelungs-Tourismus auslösen wird, wie bei der Suizidbeihilfe».

Der neue Gesetzesartikel setzt die Gentialverstümmelung gleich mit Schönheitsoperationen und Piercings im Genitalbereich. «Das ist zynisch», sagte Christoph Neuhaus, Justizdirektor des Kantons Bern, gegenüber «Sonntag»: «Die Schweiz darf nicht zum Zufluchtsort für Verstümmelungspraktiken werden».