Strafbar oder nicht?

28. Juni 2009 10:26; Akt: 27.10.2009 10:48 Print

Genitalverstümmelung sorgt für Diskussionen

In der Schweiz soll die Beschneidung von Mädchen und auch von volljährigen Frauen strafbar werden, meint Bundesrätin Widmer-Schlumpf. Die zuständige Parlamentskommission hatte vorgeschlagen, nur die Beschneidung von Minderjährigen zu ahnden – und kritisiert nun die Aussagen Widmer-Schlumpfs.

Fehler gesehen?

Die Verstümmelung weiblicher Genitalien müsse als Straftatbestand im Strafgesetzbuch verankert werden, sagte die Justizministerin in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». «Die zuständige Kommission sollte noch einmal über die Bücher.»

Die Vernehmlassung zu einem Gesetzesvorschlag, der auf Grund einer Parlamentarischen Initiative der SP ausgearbeitet worden war, endete vor einer Woche. Er sieht vor, dass nur die Beschneidung von unter 18-jährigen Frauen und Mädchen geahndet werden soll. Dies wurde namentlich von SP und Grünen kritisiert.

Kein Leid unter Gruppenzwang

«Natürlich hat eine Person ab 18 Jahren ihren freien Willen», sagte Eveline Widmer-Schlumpf. Doch in gewissen Kreisen sei der soziale Druck so gross, dass man nicht behaupten könne, dass erwachsene Frauen sich aus freiem Willen beschneiden liessen. «Ihnen muss strafrechtlich so geholfen werden, dass sie nicht unter einem Gruppenzwang leiden müssen.»

Beim Ausarbeiten des Gesetzesvorschlags habe die zuständige Parlamentskommission die Führung, stellte Widmer-Schlumpf klar. Das Justiz- und Polizeidepartement und sie selbst hätten sich noch nicht dazu äussern können. Der Bundesrat werde wie in diesem Verfahren üblich noch um eine Stellungnahme ersucht.

Kritik aus der Kommission

Aus der zuständigen Kommission werden die Äusserungen von Widmer-Schlumpf kritisiert. Nationalrätin Christa Markwalder (FDP) wirft der Bundesrätin im «Sonntagsblick» eine «populistische Argumentation» vor. Jede Frau müsse selber entscheiden können.

Das Problem: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gehören auch das Einstechen, Durchbohren und Einschneiden der Klitoris oder der Schamlippen zur Genitalverstümmelung. Daher wären Piercings und Tattoos in Zukunft strafbar. Auch könnten Frauen in Zukunft keine Schönheitsoperationen im Genitalbereich durchführen lassen, erklärt Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (CVP).*

Bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug

Verabschiedet das Parlament den neuen Artikel, wird die Genitalverstümmelung an Frauen und Mädchen unter Strafe gestellt, auch wenn sie im Ausland vorgenommen wurde und dort nicht strafbar ist. Es drohen Strafen von bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug.

Die archaische Tradition der Genitalverstümmelung ist vorislamisch. Sie besteht aus Praktiken wie der Beschneidung der Klitoris-Vorhaut, der Entfernung der Klitoris oder dem Beschneiden der Schamlippen und ist äusserst schmerzhaft.

(sda/mlu)

*Update 26.10.09:
Barbara Schmid-Federer hält gegenüber 20 Minuten Online fest, dass der «SonntagsBlick» sie nie betreffend des Themas Genitalverstümmelung kontaktiert habe. Deshalb habe sie gegenüber der Zeitung auch keine Aussage gemacht. Sie gehe davon aus, dass zwischen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und ihr in dieser Sache keine Differenzen bestünden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fätu am 28.06.2009 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Yeah, go Frau Widmer!

    Das Parlament besteht ja fast nur aus Männern deshalb kann sowas sexistisches nur von denen kommen. Die haben einfach keine Ahnung wie das ist.... Liebe Frau Christa Markwalder. Man macht ja auch Piercings & Tatoos an den Ohren, aber man kann das Ohr und andere Körperteile ja nicht verstümmeln!!

  • Corinne7 am 28.06.2009 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Mädchen/Frau!

    Die Beschneidung von Mädchen/Frauen muss in der Scheiz unbedingt ganzheitlich verboten werden! Denn die Schweiz ist nicht islamistisch (Gott sei Dank) und sollte diese grausame Tat an Mädchen/Frauen sofort unterbinden! Keine Frau würde sich sowas freiwillig antun, oder?!

  • pit almeida am 28.06.2009 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    unentschuldbar

    ich bin beschnitten. als mann habe ich beim sex keine probleme. wer hingegen eine frau genital verstümmelt, gehört für den rest seines lebens ins zuchthaus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anderer am 28.10.2009 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Weg vom Multikulti

    Wir sind hier in der Schweiz und wir brauchen weder Beschneidung noch Steinigung noch Scharia und islamistische Verhüllung........

  • invincible am 27.10.2009 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    totaler Blödsinn!

    1. hat die Mädchenbeschneidung überhaupt nichts mit Islam zu tun und 2. ist die Beschneidung bei Jungen nichts als vorteilhaft, nicht zuletzt wegen der Hygiene, daran können sich alle ein Vorbild nehmen

  • fränk peter am 27.10.2009 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Multikulti

    Über was für Steinzeitthemen wir uns heute nicht alles in der Schweiz abmühen müssen. Multikulti sei Dank........................

  • Marylou am 27.10.2009 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwillig ?

    Ich möchte mal die Frau sehen, die sich freiwillig (ohne Druck vom sozialen Umfeld) beschneiden (verstümmeln) lässt. - Wer Beschneidung, Pircing und Schönheits-OP nicht unterscheiden kann, soll sich mal besser informieren.

  • Susanne Reich am 27.10.2009 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Barbarei

    Dies ist und bleibt eine grausame Körperverletzung und deshalb eine Barbarei, welche ich unter keinen Umständen in unserem Land sehen möchte. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für diese grausame Verstümmelung! Wir sollten ohne wenn und aber dagegen vorgehen!