Gentechnik als Risiko

12. Dezember 2011 10:30; Akt: 12.12.2011 13:19 Print

Gentech-Pflanzen müssen im Labor geprüft werden

Gefährlich oder bedenkenlos: Im Umgang mit genmanipulierten Pflanzen ist weiterhin Vorsicht geboten. Die Pflanzen könnten unerwartete Auswirkungen haben.

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Genmanipulierter Weizen im Waadt. (Bild: Keystone)

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Die Risiken einer Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen sind laut der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) weiterhin ungeklärt. Das Gremium plädiert deshalb für Vorsicht im Umgang mit Gentech-Pflanzen.

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In zwei Jahren läuft das Moratorium für den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen aus. Wird es nicht verlängert, können Schweizer Bauern danach gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen. In einem am Montag veröffentlichten Bericht diskutiert die EKAH die ethischen Anforderungen, die solche Freisetzungen zu erfüllen hätten.

Für eine Beurteilung, ob das Moratorium weitergeführt werden sollte oder nicht, sei es noch zu früh, sagte Kommissionspräsident Klaus Peter Rippe vor den Medien in Bern. Unter anderem fehlten noch die Resultate des Nationalen Forschungsprogramms «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen» (NFP 59).

«Unerwartete Auswirkungen»

Für die EKAH ist aber klar, dass die Freisetzung von Gentech- Pflanzen Risiken birgt. «Daran ändert auch nichts, dass gentechnisch veränderte Organismen weltweit bereits angebaut werden - und dass dabei bisher nichts geschehen ist», sagte Rippe. Welche Risiken bestehen, und wie sie zu bewerten sind, ist aber umstritten.

Die Kommission gehe davon aus, dass eine Gentech-Pflanze stets unerwartete Auswirkungen haben könne, sagte EKAH-Mitglied Martine Jotterand. Sie abschliessend als «sicher» oder «nicht sicher» zu beurteilen, sei nie möglich. Es müssten deshalb immer Angaben über das Risiko gemacht werden, also über die Eintretenswahrscheinlichkeit eines Schadens.

Das Wissen über diese Risiken sei noch immer unvollständig, sagte EKAH-Mitglied Georg Pfleiderer. Für die Mehrheit der Kommission heisse das nicht, dass diese Pflanzen sicher nie in Umlauf gebracht werden dürften. Aber es bedeute, dass momentan noch keine abschliessende Risiko-Abschätzung möglich sei.

Stufenweise freigeben

Nur wenn die Risiken eingeschätzt werden könnten und soweit sie für Dritte zumutbar seien, dürften Gentech-Pflanzen freigesetzt werden, urteilt die EKAH. Deshalb dürfe - wie im Gesetz vorgeschrieben - nur schrittweise vorgegangen werden. Das heisst: Die Pflanzen müssen zuerst im Labor geprüft werden.

Erst wenn sich die Risiken als tragbar erweisen, sind in einem nächsten Schritt kontrollierte Freisetzungsversuche erlaubt - und danach allenfalls ein kommerzieller Anbau. Zudem müsse eine Anbaubewilligung immer mit Vorbehalt gelten, sagte Pfleiderer. Mit Monitorings gelte es sicherzustellen, dass unerwünschte Folgen rasch erkannt würden.

Wahlfreiheit erhalten

Zur umfassenden Risikobeurteilung gehört laut der EKAH auch, dass nicht nur die Saatgutfirmen selber, sondern auch unabhängige Forscher die Auswirkungen der Gentech-Pflanzen untersuchen. Dazu müssten die Saatgutfirmen aber verpflichtet werden, das genetische Material für solche Tests zur Verfügung zu stellen, sagte Rippe.

Schliesslich plädiert die EKAH für die Aufrechterhaltung einer Wahlfreiheit für die Konsumenten. Der Staat müsse auch nach einem allfälligen Durchbruch von Gentech-Pflanzen dafür sorgen, dass gentechnisch nicht veränderte Lebensmittel erhältlich blieben. Die Kosten dafür, dass Anbauformen mit und ohne Gentech nebeneinander existieren könnten, müssten die Gentech-Produzenten tragen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel T. am 12.12.2011 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich wie die EU

    Hier soll sich die Schweiz gleich wie die EU verhalten. Keine Gentechnisch manipulierten Pflanzen.

  • friz am 12.12.2011 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    risiken

    was sind denn die risiken?

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  • David Reist am 12.12.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Patentfreies Leben

    Wichtig ist vor allem auch, dass sämtliche Lebewesen patentfrei sind und bleiben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • friz am 12.12.2011 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    risiken

    was sind denn die risiken?

    • Franz.P am 12.12.2011 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      vermehrung

      Es könnte zu einer unkontrollierten vermehrung der Pflanze kommen, welche dann andere Pflanzenarten bedroht.

    • googler am 12.12.2011 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      Recherche bildet

      Das eine Firma wie Monsanto die alleinige Kontrolle über das angebaute und legal anbaubare Saatgut erhält? Das plötzlich diene Darmbakterien Pestizide produzieren? Das geldgierige Betrüger GMO-Produkte als GMOfrei deklarieren? Und das alles nur für ein bisschen Profitgier - nein danke!

    • Sandra am 12.12.2011 16:36 Report Diesen Beitrag melden

      Riskofaktor Genfood

      Es gibt sogar Studien die aufzeigen, dass Genmais schon nach wenigen wochen Verzehr Endzündungen und Reizungen im Darm auslöst. Schaut mal auf Youtube "Risikofaktor Genfood"

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  • Marcel T. am 12.12.2011 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich wie die EU

    Hier soll sich die Schweiz gleich wie die EU verhalten. Keine Gentechnisch manipulierten Pflanzen.

  • Manfred Bötsch am 12.12.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Experimente

    Da werden wieder Experimente auf Kosten der Konsumenten gemacht. Solange nur ein Restrisiko von 1% besteht, darf das nicht zugelassen werden. Siehe Fukushima

    • Marco S am 12.12.2011 18:48 Report Diesen Beitrag melden

      Manfred Bötsch

      Da bin ich nicht Deiner Meinung. Die Pflanzen wurden genmanipuliert, damit sie resistenter gegen Insektenplagen und Krankheiten sind. Man kann sie also ohne oder mit weniger Insektiziden und anderen toxischen Chemikalien behandeln, d.h. sie sind unserer Gesundheit viel bekömmlicher. Falls es also ein Risiko geben soll, liegt dieses in der Freisetzung, also ausserhalb des Humanbereiches. In Südamerika aber werden z.B. seit vielen vielen Jahren gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, ohne dass diese der Natur zum Problem wurden.

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  • Marc am 12.12.2011 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Es muss unbedingt verlängert werden und sollte überall verboten werden aber nicht wegen der möglichen Gefahr sondern weil man Lebensmittel/GenverändertePflanzen nicht patentieren lassen sollte. wers intressiert sollte auf youtube ne doku über z.B. monstanto anschauen...

  • David Reist am 12.12.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Patentfreies Leben

    Wichtig ist vor allem auch, dass sämtliche Lebewesen patentfrei sind und bleiben.

    • Hansruedi am 12.12.2011 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Zu spät

      Das ist nicht mehr def Fall

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