Öffentlicher Prozess

20. Februar 2019 18:06; Akt: 20.02.2019 22:10 Print

Geri Müllers Nackt-Selfie-Affäre kommt vor Gericht

In der Affäre um den ehemaligen Badener Stadtammann Geri Müller kommt es zum Prozess. PR-Berater Sacha Wigdorovits sitzt auf der Anklagebank.

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Der Stadtammann von Baden und Nationalrat der Grünen schickte der 33-jährigen Gymi-Lehrerin N.W. (Name bekannt) erotische Fotos und Nachrichten. Die anfänglichen Behauptungen, Müller habe die Frau unter Druck gesetzt, ihm ihr Handy mit den kompromittierenden Daten auszuhändigen, erwiesen sich als falsch. In der Einvernahme der Staatsanwaltschaft sagte Müllers Chat-Bekanntschaft, sie sei aus eigenem Antrieb auf Sacha Wigdorovits zugegangen, weil er ihr als erklärter politischer Gegner Geri Müllers aufgefallen sei. Beim Treffen hätte Wigdorovits darauf bestanden, dass sie ihm Fotos und Chatverläufe kopieren solle, was sie schliesslich getan habe. Wigdorovits bestreitet dies. Im Bild: Chatprotokoll von N.W. und Sacha Wigdorovits. Der Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» machte die Affäre publik. Er rechtfertigte die Veröffentlichung mit der Tatsache, dass die Bilder in Amtsgebäuden gemacht wurden und der Stadtammann in diesem Zusammenhang in einen Polizeieinsatz verwickelt gewesen sei. Der PR-Berater behauptete zuerst, N.W. nur so gut zu kennen «wie alle anderen, die in den letzten Tagen Zeitungen gelesen und Fernsehen geschaut haben». Im Verlauf der Enthüllungen musste er jedoch zugeben, dass er mit der Frau sogar nach dem Erscheinen des Artikels in der «Schweiz am Sonntag» in Kontakt stand. Wigdorovits empfahl N.W., den Anwalt Josef Bollag zu kontaktieren. Laut der Frau hätten Wigdorovits und Bollag später zusätzliche Chat-Informationen verlangt. Wigdorovits und Bollag entgegnen, solche Forderungen habe es nie gegeben.

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Im Jahr 2014 sorgte «Gerigate» für Aufsehen: Der damalige Nationalrat und Stadtammann von Baden, Geri Müller, soll einer Frau per Chat Nackt-Selfies von seinem Amtsbüro in Baden und aus dem Nationalratssaal geschickt haben, wie die «Schweiz am Sonntag» damals berichtete. Die Frau wurde mittlerweile per Strafbefehl wegen Beschimpfung, übler Nachrede, versuchter Nötigung, Urkundenfälschung und unbefugten Aufnehmens von Gesprächen rechtskräftig verurteilt.

Doch in der Affäre spielt eine weitere Person eine zentrale Rolle: PR-Berater Sacha Wigdorovits. Dieser soll illegal erstellte Tonaufnahmen weiterverbreitet haben. Das wirft ihm Müller vor, der gegen mehrere Personen Anzeige erstattet hat. Bereits 2016 wurde bekannt, dass in der Sache unter anderem gegen Wigdorovits ermittelt wird.

Wigdorovits bestreitet Vorwurf

Nun kommt es zum Prozess am Regionalgericht Berner Jura-Seeland, wie die «Republik» schreibt. Wann die öffentliche Verhandlung stattfindet, ist noch nicht bekannt. Dies werde in den nächsten Wochen entschieden. Gemäss dem Online-Magazin wird Wigdorovits versuchte Nötigung und Anstiftung zur versuchten Nötigung vorgeworfen. Da die damalige Chatpartnerin in dieser Region wohnhaft ist, findet der Prozess vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland statt, berichtet SRF.

Wigdorovits wird laut der «Republik» vom bekannten Zürcher Anwalt Valentin Landmann vertreten. In einem Interview mit 20 Minuten sagte der Beschuldigte 2014: «Dass ich irgendwelchen Medien irgendwelche Protokolle angeboten haben soll, wie der ‹Tages-Anzeiger› schreibt, stimmt nicht, das ist frei erfunden.»

(vro)