Flugausfall

04. Mai 2019 19:15; Akt: 05.05.2019 00:44 Print

Germania schickte Gäste auf riskante Busfahrt

von B. Zanni - Die Germania Flug AG lud ihre Passagiere auf einem Flug nach Zürich auf halber Strecke aus. Ein Schweizer Tourist wirft der AG Fahrlässigkeit vor.

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Die Rückfahrt sei «extrem fahrlässig» gewesen, sagt H. Daniel H. und seine Frau aus Galgenen SZ waren eine Woche in Antalya in den Ferien. Planmässig hätte ihr Flug mit der Schweizer Germania am Freitagabend um 20.15 Uhr starten sollen. «Der Flug fiel aber nach Angaben der App des Flughafens Zürich aus. Die Passagiere standen wie bestellt und nicht abgeholt am Flughafen», sagt H. aus Galgenen SZ. Erst um 22 Uhr sei eine Verspätung angekündigt worden. «Diese dauerte dann bis kurz nach Mitternacht an. Erst dann konnten wir abfliegen», erinnert sich der 52-Jährige. Endlich im Flugzeug angekommen, folgte aber bald der nächste Ärger: «Plötzlich kam die Durchsage: ‹Wir begrüssen Sie auf dem Flug von Antalya nach Milano›», sagt H. Nach der Landung in Milano hätten die Passagiere das Flugzeug verlassen müssen. «Alle 150 Passagiere wurden danach morgens um drei Uhr in verschiedene Kleinbusse verfrachtet, um über den Gotthard nach Zürich zu fahren», ärgert sich H. «Das Gepäck der Passagiere wurde ungesichert im Zwischengang des Busses verstaut.» Über die Planänderung sei «miserabel» informiert worden. «Um drei Uhr morgens wurde einfach über die Köpfe der Passagiere hinweg entschieden.» Gegen sieben Uhr morgens kamen die Passagiere am Flughafen Zürich an. Dort habe er nur noch staunen können. «Der Höhepunkt war, dass alle drei Maschinen der Germania Flug AG gemäss Abflugplan zwischen 6 ... ... und 8 Uhr vom Flughafen Zürich aus abflogen», so H. Der noch bestehende Teil ist nun in Schweizer Hand: der Ferienflieger Germania. In der Schweiz war die insolvente deutsche Germania mit ihrer Tochtergesellschaft Germania AG weiterhin aktiv. Germania hatte schon länger in einer Finanznot. Hauptgrund dafür waren steigende Treibstoffpreise, die die kurzfristige Zahlungsfähigkeit beeinträchtigten. Auch rückläufige Ticketkäufe dürften eine Rolle gespielt haben. So meldete der Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Mitte Januar, dass Kunden nur noch auf eigenes Risiko Tickets kaufen könnten. Germania agiert in der Schweiz mit der nun eigenständigen Tochterfirma Germania AG. Im Gegensatz zur deutschen Mutterfirma hat die Germania AG ihren Mitarbeitern im Januar die Löhne ausbezahlt, wie Chef Urs A. Pelizzoni in einem Interview mit dem Brachenportal Travelinside sagte. Die Schweizer Germania verfügt aber nur über einen Bruchteil der Germania-Flotte mit 40 Fliegern: Laut der Germania AG sind es drei Flugzeuge, die von Zürich Destinationen wie Palma de Mallorca oder Teneriffa anfliegen. Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Hochschule St. Gallen prophezeit der Germania AG einen steinigen Weg: «Um mit einer so kleinen Flotte auf dem hart umkämpften Flugmarkt zu überleben, braucht eine Airline Partner.» Germania könnte laut Wittmer mit grossen Airlines wie Swiss und Easyjet Kontakt aufnehmen. «Es ist unwahrscheinlich, dass die Germania AG es im Alleingang schafft.» Die Schweizer Reiseanbieter Kuoni und TUI Schweiz arbeiten mit der Germania AG zusammen. Von TUI Schweiz hiess es zuvor, man beobachte die Lage laufend. Und: «Germania ist weiterhin ein wichtiger Partner. Der Flugplan wird eingehalten und die Lage ist ruhig.» Bei der Konkurrentin Kuoni klingt es ähnlich: «Unabhängig vom Fall Germania sind wir darauf eingestellt, dass Airlines Insolvenz anmelden können. Als Reiseveranstalter bieten wir unseren Kunden in so einem Fall auch kurzfristige Lösungen an.» Flugpleiten haben für Reiseanbieter hohe Kosten zur Folge. Wie Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann im Rahmen eines Gesprächs an einer Tourismus-Messe im Oktober 2018 sagte, sollen die Pleiten von Fluggesellschaften im Jahr 2018 den Konzern rund eine halbe Million Franken gekostet haben.

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Die Rückreise nach Zürich aus den einwöchigen Ferien im türkischen Antalya wurde für Daniel H.* und seine Frau zum Albtraum. Planmässig hätte ihr Flug GM 3147 mit der Schweizer Germania am Freitagabend um 20.15 Uhr starten sollen. «Der Flug fiel aber nach Angaben der App des Flughafens Zürich aus. Die Passagiere standen wie bestellt und nicht abgeholt am Flughafen», sagt H. aus Galgenen SZ. Informationen vor Ort habe es keine gegeben.

Erst um 22 Uhr sei eine Verspätung angekündigt worden. «Diese dauerte dann bis kurz nach Mitternacht an. Erst dann konnten wir abfliegen», erinnert sich der 52-Jährige. Später erfuhr H. vom Kabinenpersonal, dass eine Germania-Maschine von Zürich nach Antalya keine Erlaubnis erhalten habe, den Luftraum der Türkei zu betreten und deshalb einen Umweg über Athen nach Antalya gemacht habe.

«Gepäck wurde ungesichert verstaut»

Endlich im Flugzeug angekommen, folgte aber bald der nächste Ärger: «Plötzlich kam die Durchsage: ‹Wir begrüssen Sie auf dem Flug von Antalya nach Milano›», sagt H. Auf Nachfrage habe ihm das Kabinenpersonal aber versichert, dass das Flugzeug nur einen Zwischenhalt in Mailand mache und nachher nach Zürich fliege. Doch dieses Versprechen traf nicht ein. «Es war ja auch kein Wunder, besteht in Zürich doch ein Nachtflugverbot.»

Nach der Landung in Mailand hätten die Passagiere das Flugzeug verlassen müssen. «Alle 150 Passagiere wurden danach morgens um drei Uhr in verschiedene Kleinbusse verfrachtet, um über den Gotthard nach Zürich zu fahren», ärgert sich H. Die Rückfahrt sei «extrem fahrlässig» gewesen. «Das Gepäck der Passagiere wurde ungesichert im Zwischengang des Busses verstaut.» Über die Planänderung sei «miserabel» informiert worden. «Um drei Uhr morgens wurde einfach über die Köpfe der Passagiere hinweg entschieden.»

Grosses Staunen nach der Landung

Gegen sieben Uhr morgens kamen die Passagiere am Flughafen Zürich an. Dort habe er nur noch staunen können. «Der Höhepunkt war, dass alle drei Maschinen der Germania Flug AG gemäss Abflugplan zwischen 6 und 8 Uhr vom Flughafen Zürich aus abflogen», so H.

Er gehe deshalb davon aus, dass ihr Flugzeug leer nach Zürich geflogen sei, während den Passagieren eine mühsame Rückreise zugemutet worden sei. Wohl für alle Passagiere des Fluges sei wohl klar: «Einmal Germania – nie wieder Germania!», sagt H und fügt an: «Nach dieser Rückreise bin ich eigentlich ferienreif.»

Grund sei ein Missverständnis

Tobias Somandin, CEO der Germania Flug AG, teilt mit, dass die Germania Flug AG die Strecke Zürich – Antalya am Freitagabend mit dem erst kürzlich eingeflotteten Airbus A319 geflogen habe. «Aufgrund eines Kommunikationsmissverständnisses betreffend Versicherungszertifikat der Registrationsnummer wurde der Maschine der Zutritt in den türkischen Luftraum zunächst verwehrt und erst mit der entsprechenden Verzögerung gewährt.» Die Dauer der Verzögerung sei zunächst nicht absehbar gewesen.

Aufgrund der Nachtflugsperre des Flughafens Zürich hätte die Maschine laut Somandin am Freitagabend nicht mehr landen dürfen. Mit einer in diesem Fall 24-stündigen Öffnungszeit sei Mailand der Ausweichflughafen gewesen.

Überschrittene Dienstzeiten

«Ein Weiterflug von Mailand nach Zürich war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, da die Piloten ihre Dienstzeit damit überschritten hätten», sagt Somandin. Die Passagiere hätten daher in Mailand mehrere Stunden warten müssen und wären damit noch später in Zürich angekommen. «Nach der obligatorischen Ruhezeit der Piloten wurde dann die Maschine nach Zürich gebracht, wo sie für weitere Flüge eingesetzt wurde.»

Dass das Gepäck ungesichert im Bus transportiert wurde, sei natürlich nicht optimal. «Die Art der eingesetzten Busse hängt von deren Verfügbarkeit ab, damit die Passagiere so rasch wie möglich nach Hause gebracht werden können.» Somandin macht darauf aufmerksam, dass sich betroffene Passagiere diesbezüglich beim Callcenter der Germania Flug AG melden können. Das Unternehmen entschuldige sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten.

*Name der Redaktion bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tjt am 04.05.2019 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billig, billiger

    Dafür billig, da muss man eben mit solchen Missgeschicke rechnen.

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  • WOMEN'S FEET LOVER am 04.05.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist nicht geil

    Es wird niemand gezwungen mit Germania zu fliegen...

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  • Salim W am 04.05.2019 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache billig

    Bankrotte Billigfluggesellschaft gebucht. Service von bankrotter Billigfluggesellschaft erhalten. Wo liegt das Problem? Das ist als würde ich Lufthansa buchen und mich dann über streikende Angestellte beschweren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinz Nütteler am 07.05.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Mimimimimi

    immer nur rummotzen und kritisieren. Hätte der Herr Klasse, würde er von Anfang an mit einer anständigen Airline fliegen und keinen Billigflug bei einer Ramschgesellschaft buchen.

    • Thomas M. am 08.05.2019 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      Haiaiai

      Auch für Sie noch schnell hr. mimimi wir haben normal übers Reisebüro gebucht wollten nicht billig es war eine EMPFEHLUNG des Reisebüros

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  • Ro Ke am 07.05.2019 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern auf allerhöchstem Niveau

    Ähnliches ist mir auch mit Crossair und anderen Airlines schon passiert. Statt mich zu freuen, dass ich trotz widrigster Umstände halbwegs vernünftig nach Hause oder auf den Anschlussflug gekommen bin, nervte ich mich und merkte erst später, als ich selber Reisen organisieren durfte, wie viel Hebel für uns wohl in Bewegung gesetzt worden sind, um eine Lösung zu finden. Jammern auf allerhöchstem Niveau also! Reisen ist mit gewissen "Risiken" verbunden, und wir sind es ja, die meistens nicht bereit sind, für eine "risikoärmere" Reise mehr zu bezahlen, mehr Zeitpuffer einzubauen ...

  • Tom20040708 am 06.05.2019 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher da mit Ruhezeit der Piloten?

    Hätten die Passagiere dieselbe Ruhezeit genacht, wie die Piloten, dann wären sie gar früher angekommen in ZH, wenn die Schilderung stimmt. Wie lange ruhen Piloten eigentlich?

  • tomragazzi1985 am 06.05.2019 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einmal Germania nie wieder

    so ich fliege immer nach rhodos von zürich aus habe eben den aktuellen flugplan angesehen und siehe da GERMANIA gibts nicht mehr wird unter anderem namen geführt Niemehr fliege ich mit denen enge kiste dieser a319 der alles bedient als ich serste mal nach rhodos flog ca.2014 gabs noch keine flüge der germania egal bucht jetzt nicht mehr bei denen die sind bald am boden selber schuld bei ihrem umgang mit zahlenden kunden und so billig ist es niemals AEGAN AIRLINES (BESTE AIRLINES IN EUROPA BEKOMMEN IMMER WIEDER AUSZEICHNUNGEN) !!! empfehle diese super bedienung und preislich zrh rho hin und zurück knapp 300 sfr Germania verlang 400 srf geht nicht never Germania

  • Ithilwen am 06.05.2019 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Sich bei der Hotline melden? Guter Witz. Da wird sicher wieder nur gesagt man kümmere sich darum und dann meldet sich nie mehr jemand. Erst gibts keine Entschädigung. Träumt weiter von wegen sie würden sich darum kümmern.