Krankenkasse

06. August 2018 20:49; Akt: 06.08.2018 21:31 Print

Zehntausende verlieren Anspruch auf Verbilligung

Obwohl die Krankenkassenprämien jährlich steigen, verlieren immer mehr Personen den Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung.

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Wir haben uns bereits daran gewöhnt – von Jahr zu Jahr steigen die Krankenkassenprämien in der Schweiz. Mit der Prämienverbilligung sollte dem unteren Mittelstand geholfen werden, die finanzielle Last zu tragen. Doch dem ist längst nicht so, wie eine Auswertung von «10vor10» zeigt. Immer weniger Personen, die in «bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen» leben, profitieren von einer finanziellen Unterstützung.

Fast jeder Siebte aus dem Mittelstand habe zwischen 2012 und 2017 den Anspruch auf Prämienverbilligung verloren oder sei zum Sozialhilfe- oder Ergänzungsleistungsbeziehenden geworden. Dies würde schweizweit 163'000 Personen entsprechen. In Luzern und Nidwalden sei diese Entwicklung am deutlichsten zu sehen.

Verbilligungen an Prämien gekoppelt

«Nur noch die mit ganz tiefen Einkommen erhalten Prämienverbilligungen. Der Mittelstand, also Familien mit Kindern oder Alleinerziehende, erhält sie nicht mehr», kritisiert Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands der Schweizerischen Patientenstellen. «Wenn Sie sich als Kanton entlasten müssen, stellen Sie sich die Frage, wer am ehesten auf das Geld verzichten kann», so Lukas Engelberger von der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren. Hier treffe es nun den Mittelstand.

Das Kontroverse an der Sache ist, dass trotz der Abnahme der Zahl der Personen, die eine Prämienverbilligung erhalten, die Ausgaben steigen. Ein Grund dafür ist daran festzumachen, dass die Höhe der Verbilligungen für Kinder und junge Erwachsene an die Entwicklung der Krankenkassenprämien gekoppelt ist. Steigt die Prämie, steigen also auch die ausgezahlten Prämienverbilligungen.

Diverse Kantone hätten hingegen die Einkommensgrenze gesenkt, bis zu der eine Prämienverbilligung ausgezahlt wird, andere hätten die Höhe der ausgezahlten Verbilligungen gesenkt. Zudem sei die Zahl der Sozialhilfe- und Ergänzungsleistungsbezüger gestiegen, was bei den Kantonen für besonders hohe Kosten sorge.

Wer letztlich «in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen» lebt und Anrecht auf eine Prämienverbilligung hat, diese Auslegung bleibt den Kantonen überlassen.

Einen Ausführlichen Beitrag zum Thema zeigt SRF in der Sendung «10vor10» am Montagabend.

(dmo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RS am 06.08.2018 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird die Schweiz in die Armut getrieben?

    Macht nur so weiter irgendwann ist der ganze Mittelstand von der Sozialhilfe abhängig und wer soll dann dies noch bezahlen? Wir werden vom Staat nur noch ausgenommen wie eine Goldene Gans. Steuern, Krankenkassenprämien die immer teurer wird und dann auch immer wieder neue Gebühren. Will der Bund alle Menschen arm machen? Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht und dann....?

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  • Neumann am 06.08.2018 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Wer kein oder zuwenig Geld hat kann nicht zahlen. Dier Staat muss einspringen, aber der hat auch kein Geld mehr. Der Mittelstand leidet. Das gabs früher nie, es war genug Geld da für Alle und Alles. Aber alle afrikanischen und asiatischen Länder mit sinnloser Entwicklungshilfe und sie EU Kohäsionsmilliarden zu alimentieren, dafür ist immer genug Geld vorhanden. Eine Schande.

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  • ChriguBE am 06.08.2018 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Mittelstand"?

    Ich finde es erbärmlich, wie Sie das Wort "Mittelstand" offensichtlich für Alles und Jeden verwenden. Nennen Sie bitte die Dinge beim Namen! Wir müssen uns bewusst werden, dass wir ARME in der Schweiz haben und es nicht beschönigen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • T. Meyer am 07.08.2018 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum Eritreer

    Wieso haben Eritreer Anspruch? Nicht nur auf KK sondern viel mehr?

  • Rentnerin am 07.08.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rentnerarmut

    Spricht man im TV nur von Familien. Auch viele Rentner leiden. Altersmässig massive Prämienerhöhungen, immer mehr Arztkosten, die selber bezahlt werden müssen, unbezahlbare Wohnungen, Altwohnungen, die saniert werden und man seine Bleibe verliert. Die Renten steigen nicht, Rentenvergünstigungen gibt es bald keine mehr. Müssen wir Rentner bald unter die Brücke oder werden wir so gezwungen, zu arbeiten, bis wir umfallen oder zum Pflegefall werden. Nach 50 ausgesteuert, 80% verdienen unter 5000.-, wir Frauen ziehen Kinder gross, inklusive Haushalt. Nicht alle schwimmen im Geld!

  • Mysurf am 07.08.2018 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer teurere Eigenständigkeit

    Wir wollen die beste Armee, alle Bauern subventionieren, in der Annahme wir könnten uns selber ernähren, den reichen die Steuer senken damit wir freudig patriotisch lesen können, wer sich alles in der tollen Schweiz niederlasst, den fremden Vögten in Bern geben wir unser Vertrauen, die beste Medizin in jedem hintersten Tal, Profit machen mit den Immigranten, usw. nein liebe Schweizer, das geht nicht mehr auf. Hinausschieben bis zu den nächsten oder hoffen (stirbt bekanntlich zuletzt) und aussitzen geht nicht mehr. Die verhinderer wollen das reduit aufrecht erhalten, geht nicht auf. Gute Nacht

  • Donna M. am 07.08.2018 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Problemlösung

    Natürlich steigt dadurch die Anzahl Menschen beim Sozialamt. Somit wird das Problem der überteuerten Prämien abgeschoben, aber nicht gelöst.

  • Pardo am 07.08.2018 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Strategie?

    Nächstes Jahr gibts mehr Verbilligungen für Kinder und junge Erwachsene. Deshalb ist es ja nur logisch dass an den sog. Mittelstand weniger ausbezahlt werden kann. Oder ist dies ein neuer Versuch, das Kopfprämien-System zum Absturz zu bringen, um die Einheitskasse wieder ins Spiel zu bringen.