Idee

09. August 2018 12:26; Akt: 10.08.2018 10:30 Print

Gestresste Pendler sollen ihre Jobs tauschen

von Nikolai Thelitz - Er pendelt von Bern nach Zürich, sie für fast den gleichen Job in die andere Richtung. Eine neue Plattform soll den Jobtausch ermöglichen.

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Die Idee der Social-Media-Managerin Sylvia Löwe: eine Plattform, auf der gestresste Pendler ihre Jobs tauschen können. Die Plattform mit dem Namen «Sweer – Swap your Career» soll es ermöglichen, dass Pendler mit ähnlichen Jobs untereinander ihre Arbeitsstelle tauschen und somit weniger Zeit mit Pendeln verbringen. Eine IT-Spezialistin, die von Zürich nach Bern pendelt, könnte beispielsweise ihren Job mit einem Berufskollegen tauschen, der jeden Tag in die andere Richtung pendelt – und etwa den gleichen Job wie sie hat.

«Die Leute wären weniger gestresst»

«Viele Schweizer würden gern weniger pendeln, hängen aber an ihrem Wohnort, wo sie Familie und Freunde haben», sagt Löwe. Gleichzeitig würde man deshalb aber nicht gleich kündigen und auf Jobsuche gehen. «Viele Branchen sind gesättigt, es gibt immer viele Bewerber, und Stellen werden gar nicht mehr ausgeschrieben, sondern unter der Hand vergeben.» Diese Lücke will Löwe mit ihrer Portal-Idee füllen. «Die Leute wären weniger gestresst, davon profitieren auch die Arbeitgeber.» Ausserdem würde sich das Problem der überfüllten Strassen und Züge abschwächen.

«Es würde so ablaufen, dass sich die Tauschwilligen zunächst einmal treffen und alles besprechen können: Wie sieht der Job aus, warum willst du wechseln, wie sind die Leute in deinem Team?», so Löwe. Wenn dann beide einverstanden sind, würden die beiden Personalabteilungen involviert. «Sie klären als Fachleute ab, ob sich die andere Person für den Job eignet. Falls ja, setzt man sich mit den Chefs zusammen und schliesst den Deal ab.» Löwe hofft, dass durch den Wettbewerb Leute auf die Idee aufmerksam werden.« Ich würde gern mit Programmierern, Firmen oder Jobportalen diese Plattform in Angriff nehmen.»

Experte sieht hohe Hürden

HR-Experte Jörg Buckmann steht dem Projekt kritisch gegenüber. «Es ist eine charmante Idee, und die überfüllten Strassen und Züge sind tatsächlich ein Problem. Doch für einen solchen Jobtausch müssen extrem viele Variablen stimmen.» So gebe es neben dem Arbeitsweg viele weitere Faktoren, die die Jobzufriedenheit bestimmen: etwa, ob man den Sinn der Arbeit sieht, wie gut man mit Chef und Kollegen auskommt, oder die Bezahlung. «Diese Sachen müssen alle ebenfalls stimmen, damit ein solcher Tausch erfolgreich ist.»

Zudem müssten extrem viele Leute auf der Plattform angemeldet sein, damit sich zwei mit dem gleichen Jobprofil finden, und dann bleibe da noch die Hürde, dass HR und Chef Ja sagen müssten. «Am Ende ist es für die meisten sinnvoller, sich einfach einen neuen Job in der Nähe zu suchen», so Buckmann.

Haben Sie auch schon mal den Job getauscht? Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kritiker am 09.08.2018 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    hat ihr Job keine Hersusforderung?

    Theoretisch: hört sich das gut an. Praktisch: etwas so blödes habe ich noch nie gehört!

  • Purer Wahnsinn am 09.08.2018 06:13 Report Diesen Beitrag melden

    Lob und Auszeichnung

    Aha, dann hätte ich auch eine ganz innovative Idee. Sucht doch einen Job in der Nähe des Wohnorts.

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  • BoB am 09.08.2018 06:15 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit dem Lohn?

    Wenn der Lohn gleich bleibt warum nicht aber in ZH verdiehnt man nun mal mehr als im Kanton SG. Eher schwierig umzusetzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Henri V am 10.08.2018 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht auch heute

    In früheren Jahren zog man einfach um, in die Nähe des neuen Jobs. War so etwas von normal, in einer Zeit wo noch niemand über das Klima jammerte. Man gönnte sich so, etwas mehr Lebensqualität.

  • GuterWitz am 10.08.2018 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Naja....

    ....als " Social-Media-Managerin " kann man natürlich auf solche Ideen kommen. Einen Job wert- und anspruchsloser gibt es ja garnicht.

    • Kurt am 10.08.2018 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht nachvollziehbar

      Ich staune auch immer wieder welch Gedöns da heute als Job daherkommt. Anderseit, solange man genug Dumme findet die dafür bezahlen ..

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  • Vanessa W. am 10.08.2018 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Zufriedene Pendlerin

    Warum Job tauschen ? Ich wohne mit meinem Freund in Zürich, pendle nach Bern zur Arbeit und zurück. Ein dortiger Arbeitgeber wollte mich unbedingt haben. Daher sein Angebot: Sehr guter Lohn, die halbe Fahrzeit wird als Arbeitszeit angerechnet, da ich im Zug meist reduziert arbeite. Das SBB-GA 1.Kl. wird mir bezahlt. So lässt es sich gut pendeln.

  • Eddi am 10.08.2018 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    lohnt sich

    Pendle auch ca 1.5 pro Tag , dafür verdiene ich ca 3.500 CHF mehr im Monat wie bei einer vergleichbaren Stelle am Wohnort....das ist es mir Wert

    • Henri V am 10.08.2018 16:33 Report Diesen Beitrag melden

      3'500 CHF ?

      Ups, dann bist Du aber ziemlich überbezahlt.

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  • Jürgen am 10.08.2018 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry, aber

    dass mag bei unqualifizierten Jobs wie Verkäufern, Putzkräften und der gleichen gehen. Aber hochqualifizierte Berufe wie meiner, lassen so ein Hickhack gar nicht zu. Ich kann nicht einfach durch einen x-beliebigen ersetzt werden. Da geht es um jahrelange Projekte mit viel Hintergrund- und Fachwissen, speziellen Qualifikationen, die ohnehin rar geseht und gesucht sind.

    • Bruno Kammer am 10.08.2018 10:01 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt

      ...deine Qualifikationen sind wahrlich rar "geseht"...

    • Herr Müller am 10.08.2018 10:09 Report Diesen Beitrag melden

      Möchte wissen

      Und... ..wie spezielle ist den dein Job?

    • Henri V am 10.08.2018 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Verachtend lieber Jürgen

      Na ja, eine Putzfrau oder Verkäuferin verdient kaum 3'500 Chf die Eddi für's pendeln bekommt. Sorry aber einen unqulifizierteren qualifizierten Schreiberling wie Sie muss man mal gelesen haben. Wie viel qualifizierter ist den Ihr Job Jürgen gegenüber einer "Putzfrau", die man heute übrigens Reinigungs-Fachfrau nennt.

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