«Hemmschwelle gesunken»

13. August 2018 05:37; Akt: 13.08.2018 12:46 Print

Gewalt von Männern gegen Frauen nimmt zu

von B. Zanni - In Genf wurden mehrere Frauen von einer Männergruppe verprügelt und teils schwer verletzt. Die Gewaltbereitschaft steige, sagen Fachpersonen.

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Eine Frau liegt im Koma, eine ist schwer verletzt. Drei weitere Frauen mussten ins Spital. Als fünf junge Frauen am frühen Mittwochmorgen einen Genfer Nachtclub verliessen, wurden sie Opfer einer brutalen Attacke. Laut Zeugen traktierten junge Männer die Frauen grundlos mit Faustschlägen – selbst als sie schon wehrlos am Boden lagen.

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Wurden Sie im Ausgang schon einmal Opfer körperlicher Gewalt?

Der Vorfall löst landesweit Bestürzung aus. Die Bewegung SolidaritéS Genf reagierte bereits am Donnerstagabend mit einer Demonstration in Genf. Kurz darauf rief die Juso Schweiz unter dem Hashtag #allefüreine für den Sonntagabend in mehreren Städten zum Protest gegen Gewalt an Frauen auf.

Wurden Sie als Frau in der Öffentlichkeit schon Opfer einer Gewaltattacke von Männern? Oder sind Sie ein Mann und fühlen sich durch die Debatte diskriminiert?

Gewaltfantasien in den sozialen Medien

Für Fachpersonen ist die Attacke Spiegel einer neuen Entwicklung. «Die Gewalt von Männern, die Frauen attackieren, nur weil sie Frauen sind, nimmt zu», sagt Sophie Achermann, Geschäftsführerin des Bunds Schweizerischer Frauenorganisationen Alliance F. Im Internet zeige sich dies deutlich. «Es gibt geschlossene Facebook-Gruppen, in denen sich Männer belustigend ausmalen, wie sie Frauen aufs Übelste verprügeln.»

Auch über Whatsapp tauschen junge Männer laut Achermann zunehmend solche Gewaltfantasien oder gewaltvolle Pornographie aus. Zudem werde in der Schweiz alle zwei bis drei Wochen eine Frau von ihrem (Ex)-Partner getötet. Auch rücke die Polizei alle 35 Minuten wegen häuslicher Gewalt aus.

«Der aufsteigende Feminismus verunsichert Männer»

Achermann sagt, es sei höchste Zeit, gegen das Verhalten von Männern einzuschreiten. «Es ist wichtig, Gewalt gegen Frauen immer wieder zu thematisieren. Genf ist kein Einzelfall.» Gewalt gegen Frauen nehme in jüngster Zeit wieder zu, um rund zwei Prozent im Jahr 2016. «Dieser Trend muss gestoppt werden.» Der Nachtleben-Experte Alex Flach, der für verschiedene Clubs in Zürich, Basel und Luzern arbeitet, macht ähnliche Erfahrungen. «Die Hemmschwelle von Belästigungen gegenüber Frauen ist gesunken», sagt er. So fassten etwa Männer Frauen im Ausgang gegen deren Willen öfter an den Hintern oder akzeptierten ein Nein nicht.

Juso-Präsidentin Tamara Funiciello sagt: «Der aufsteigende Feminismus verunsichert Männer im Moment.» Frauen, die mehr Rechte einforderten, würden viele Männer aus der Fassung bringen. «Manche machen ihrer Wut dann mit Gewalt gegen Frauen Luft.» Alex Flach vermutet, dass die ständige Verfügbarkeit von Pornos Männer zu respektlosem Verhalten verführe. «Vor allem junge Männer verwechseln das, was sie in den Pornos sehen, mit dem, was sie tatsächlich machen dürfen.»

«Viele haben im Ausgang auch ein Messer dabei»

SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler kennt Gewalt im Ausgang aus eigener Erfahrung. Sie arbeitete als Polizistin in Bern. «Die Gewalt nimmt nicht grundsätzlich zu, aber die Heftigkeit, mit der zugeschlagen wird. Die Hemmungen sind nicht mehr da», sagt sie. Verletzungen würden immer schlimmer. «Viele haben im Ausgang auch ein Messer dabei oder stehen unter Drogen- oder Alkoholeinfluss» Die Entwicklung liege an vielen unterschiedlichen Faktoren. «Der Leistungsdruck nimmt zu und stresst viele Jugendliche. Andere lassen sich negativ von Ballergames beeinflussen.»

Hinzu komme, dass im Ausgang viele verschiedene Nationalitäten unterwegs seien. «Da kann es vorkommen, dass Gruppen aufeinandertreffen, die verfeindet sind. Zudem macht sich der Einfluss verschiedener Religionen und Kulturen bemerkbar. Es gibt Menschen, die Frauen als minderwertig ansehen und sich schon vom Anschauen provoziert fühlen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Salomon am 13.08.2018 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Also "die Männer" schliesst mich mit ein, obwohl ich mich in meinem ganzen Leben immer anständig verhalten habe. Diskriminierung nennt man sowas.

    einklappen einklappen
  • Frau Meier am 13.08.2018 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Die SVP-Nationalrätin sagt, was viele Leute nicht sehen wollen. Viel mehr gibt es zum Thema auch nicht zu sagen. Und demonstrieren hilft dagegen auch nicht.

  • Mr. Bull am 13.08.2018 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schäbig

    Das ist kein problem des feminismus sondern der zuwanderung. Wundert es jemanden dass das in genf passiert? Übrigens ist nicht nur die hemmschwelle gegen frauen gesunken, sondern gegen jedes lebewesen. Gewalt ist gewalt, egal gegen wen oder was.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spartan am 13.08.2018 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch die Emanzipation hat Grenzen

    Von der Gewalt, welche von Frauen ausgeht mal ganz abgesehen. Frauen tyrannisieren unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung schon lange genug. Immer alles wollen und dann nichts können.

  • Nik am 13.08.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich

    Irgendwie und erschreckend wie das Problem angegangen wird. Schlussendlich sind die gewalttätigen Menschen welche in ihrem Weltbild in einer Feministischen welt keine eigene Perspektive sehen. Ob Mann oder Frau führt das zu unerwünschen verhalten (ausnützend oder gewalttätig). Zum Glück verachte ich Gewalt und habe mir als ich ein für mich perspektivloses Weltbild hatte, mir eine Pespektive gesucht und ein anderes Weltbild zugelegt und zu aller letzt mein Umfeld entsorgt welches damals zur negativen einstellung geführt hat.

  • Beobachter am 13.08.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wer den Namen kennt hat Macht

    Schon in der Bibel steht: "Wer den Namen kennt hat Macht darüber". Es wäre eigentlich ganz einfach. Man müsste den Mut haben das Problem beim Namen zu nennen dann könnte man endlich was dagegen tun. Ich habe immer mehr den eindruck das die relevanten Statistiken systematich verheimlicht werden.

  • Frau am 13.08.2018 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur einer ist schuld

    Man müsste vielleicht immer beide Seiten untersuchen! Bin selber eine Frau. Aber wie sich manche Frauen benehmen, ist nicht mehr tolerierbar!! Psychische und physische Gewalt ist keine Lösung. Weder von Männlein, noch von Weiblein!

  • Heidi am 13.08.2018 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Die Gewalt in und das Verbrechen im allgemeinen steigt an, nur will das Keiner zugeben. Denn es kann ja nichts dagegen gemacht werden. Die Türen sind offen und alles kann kommen. Und die Menschen, die abgewiesen werden und nicht freiwillig gehen, tauchen ab. Leben die von Luft und Wasser. Sicher gibt es auch unter Schweizern Gewalt und auch nicht wenig. Aber jeder weiss, dass gewisse Völker die Frauen anders sehen. Nämlich für Ware, die man einfach benutzen darf!