Nach Ja zum AHV-Steuer-Deal

20. Mai 2019 04:47; Akt: 20.05.2019 18:40 Print

Gewerkschaften bringen Initiative für 13. AHV-Rente

Schon im kommenden Jahr bekommt die AHV zwei Milliarden Franken mehr. Nun wollen die Gewerkschaften die AHV ausbauen.

Zufrieden nach dem Ja zur Steuerreform: die Bundesräte Ueli Maurer und Alain Berset.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Dank dem Ja zum AHV-Steuer-Deal können Ueli Maurer (SVP) und Alain Berset (SP) jubeln: Ersterer bringt die Steuerreform im zweiten Anlauf durch, letzterer kann die AHV stabilisieren. Sie bekommt jährlich mehr Geld – 2020 rund zwei Milliarden Franken zusätzlich. Doch trotz der Finanzspritze fehlen dem Sozialwerk laut einer Berechnung des Bundes im Jahr 2030 insgesamt 23 Milliarden Franken.

Die Wirtschaft und die bürgerlichen Parteien forderten deshalb unmittelbar nach der Abstimmung eine «echte AHV-Reform». Diese müsse der Bundesrat noch vor den Sommerferien vorlegen, schreibt etwa der Arbeitgeberverband. Auch für die FDP ist die Annahme der AHV-Zusatzfinanzierung bloss ein erster Reformschritt. Die Altersvorsorge müsse nun «an die demografischen Realitäten angepasst» werden.

Junge Grünliberale: Rentenalter soll auf 67 steigen

Die Jungen Grünliberalen verlangen, dass das ordentliche Rentenalter schrittweise auf 67 steigt. Dabei soll das Rentenalter jedes Jahr um drei Monate für Männer und um vier Monate für Frauen steigen. «Dadurch soll der gestiegenen Lebenserwartung Rechnung getragen und ein Beitrag an die Sanierung der Vorsorgewerke geleistet werden», sagt Co-Präsident Tobias Vögeli. Ausnahmen für Büezer sollen möglich sein, zudem soll das Rentenalter flexibilisiert werden.

Auch die SVP verlangte eine nachhaltige Sanierung der AHV. Im Minimum sei die Erhöhung des Frauenrentenalters von heute 64 auf 65 Jahre vorzunehmen. Zudem will die Partei Entwicklungshilfegelder in die AHV umlenken.

Gewerkschaften fordern 13. AHV-Rente

Ganz anderer Meinung ist die Linke. So wollen die Gewerkschaften die AHV-Renten noch erhöhen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) schreibt, die Rentenhöhe sei ungenügend wegen der tiefen Zinsen in der zweiten Säule. «Stabile und sogar steigende Renten für ein Leben im Alter in Würde garantiert nur die AHV.» Die Gewerkschaft lanciert darum im Herbst eine Volksinitiative für eine 13. AHV-Rente – analog zum 13. Monatslohn.

Rentenaltererhöhungen lehnt der SGB kategorisch ab. Noch deutlicher wird Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Ihre Drohung: «Jede noch so kleine Erhöhung des Rentenalters wird von uns mit einem Referendum bekämpft werden.» Nach dem Ja vom Sonntag ist für den Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse auch die Erhöhung des Frauenrentenalters abgewehrt: «Noch immer verdienen Männer mehr als Frauen. Solange das der Fall ist, gibt es keinen Anlass, das Frauenrentenalter erhöhen», sagt Gewerkschaftspräsident und SP-Nationalrat Adrian Wüthrich zu 20 Minuten. Die Schweiz könne es sich leisten, mehr Geld in die AHV zu stecken.

«Zeit gekauft»

Laut Politologe Thomas Milic zeigen die Reaktionen, dass da Ja zur AHV-Steuerreform für Berset bloss eine kurze Atempause bedeutet: «Man hat mit der AHV-Zusatzfinanzierung Zeit gekauft.» Eine tiefgreifende Reform stehe demnächst an und hier werde es schwieriger, die verschiedenen Parteien ins Boot zu holen. «Die Abstimmung über die Altersvorsorge 2020 hat gezeigt, wie schwierig es ist, bei der AHV Mehrheiten zu zimmern.»

(daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto64 am 20.05.2019 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug

    Es hat genug Geld in der Bundeskasse! Es muss nur änderst verteilt werden!

  • Colko am 20.05.2019 05:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frühpension

    Was bringt das AHV mit 67. Man wird ja unfreiwillig frühpensioniert. Ich war mit 59 weg vom Fenster.

  • Felix am 20.05.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch?

    Hallo!? in der Schweiz sind wir ja schon fast den ganzen Tag weg um zu Arbeiten, uns bleiben am Abend vlt. ein paar Stunden für sich selbst. Und nun nochmals das Rentenalter hochschrauben? Wir haben hier eh schon viel zu wenig von unserem Leben. Ich möchte endlich Zeit haben um zu Leben& nicht um ein Werkzeug der Wirtschaft sein!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Brändli am 20.05.2019 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Renten Countdown

    Hey nur noch 2002 Tage bis zur Pension... immerhin besser als im Knast!

  • Martial2 am 20.05.2019 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die reiche Schweiz mit vielen Armen...

    Diese AHV-Rente für Personen die 45 Jahren gearbeitet haben ist nicht alle Welt. Rentner ohne Reserven oder ein bisschen Kapital können kaum in der Schweiz leben. Anders im Ausland, weniger Einkommen, dafür meistens alles inklusive: KK, Zahnarzt, usw. man spricht dann von netter Einkommen/Rente!

  • Sebastian Kohler am 20.05.2019 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebe und geh

    Bis 75 Arbeiten aber ab 50 schon keinen Job mehr bekommen. sozialverträgliches Frühableben bleibt ein Thema der Zukunft.

  • Martial2 am 20.05.2019 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonst alles O.K.?

    Grün Liberale was das für eine Partei? Diese hat keine Ahnung von Politik... Rentenalter auf 67 Jahren anheben, klar, dann wird's 70, sogar 80 Jahren ... Wo denken die hin? Selbst diese Partei-Mitglieder werden älter, vielleicht werden sie dann normaler denken!!

  • Manuela Allera am 20.05.2019 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer die Frauen

    Rentenalter erhöhen ohne mich