Wegen Sonderfaktoren

03. Februar 2014 07:42; Akt: 03.02.2014 12:53 Print

Gewinn von Julius Bär sackt um 30 Prozent ein

Im letzten Jahr verdiente die Bank Julius Bär etwa einen Drittel weniger. 15 Millionen Franken stellt die Bank für allfällige Rechtsstreitigkeiten wegen der US-Steueraffäre zurück.

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Die Bank Julius Bär verbucht für 2013 Kosten von 35 Millionen Franken im Zusammenhang mit der US-Steueraffäre. (Bild: Keystone)

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Bei der Bank Julius Bär ist der Gewinn im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf 188 Mio. Fr. gefallen. Während das Geschäft stark expandierte, belasteten Kosten für die Übernahme einer Merrill-Lynch-Sparte sowie für den US-Steuerstreit.

Julius Bär verbucht für 2013 Kosten von 35 Mio. Fr. im Zusammenhang mit der US-Steueraffäre. Davon entfallen 15 Mio. Fr. auf eine Rückstellung für erwartete künftige Rechtskosten, wie die Bank am Montag mitteilte.

Nach der Bekanntgabe der Jahreszahlen haben die Aktien der Privatbank an der Börse deutlich an Wert verloren. Um 10 Uhr lag der Aktienkurs 2,7 Prozent im Minus.

81 Millionen Franken für US-Steueraffäre verbucht

Im Vorjahr hatte Julius Bär bereits Kosten von 38 Mio. Fr. für die US-Steueraffäre verbucht, 2011 waren es 8 Mio. Fr. gewesen. Insgesamt belaufen sich die Kosten damit bislang auf rund 81 Mio. Franken. Die Bank gehört zur Kategorie 1 der Schweizer Banken, gegen die bereits ein Ermittlungsverfahren der US-Behörden wegen Beihilfe zu Steuerdelikten läuft und denen eine Busse droht.

Julius Bär habe keine höhere Rückstellung gebildet, weil nach wie vor keine Anhaltspunkte für die Höhe der Busse bestünden, sagte Konzernchef Boris Collardi in einer Telefonkonferenz. Die Situation sei mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) besprochen worden. Zum Vergleich: die UBS hat 780 Mio. Dollar Strafe gezahlt, die Credit Suisse stellte 295 Mio. Fr. zurück.

Collardi wollte sich nicht mehr darauf festlegen, wann der US-Steuerstreit beigelegt sein könnte. Nachdem er dies schon für letztes Jahr erwartet hatte, hofft er nun auf einen Abschluss «so schnell wie möglich». Dies hänge aber fast ausschliesslich vom US-Justizministerium ab. «Wir sind bereit», sagte Collardi.

Bei IWM-Vermögen «am unteren Ende»

Die andere grosse Baustelle der Bank ist das übernommene Internationale Vermögensverwaltungsgeschäft (IWM) von Merrill Lynch. Die Integration sei 2013 erfolgreich verlaufen, hiess es.

Bis zum Ende der Eingliederung Anfang 2015 sollte der angestrebte Vermögenstransfer von 57 Mrd. bis 72 Mrd. Franken «am unteren Ende der Bandbreite» erreicht werden. Der Kaufpreis falle entsprechend geringer aus.

Die IWM-Übernahme brachte weitere Gelder zur Bank: 2013 stiegen die von Julius Bär verwalteten Vermögen um 65 Mrd. Fr. oder 34 Prozent auf 254 Mrd. Franken. Davon entfallen 53 Mrd. Fr. auf IWM.

Das Netto-Neugeld belief sich auf 7,6 Mrd. Franken, nach 9,7 Mrd. im Vorjahr. Es stammt weiterhin mehrheitlich aus den Wachstumsmärkten sowie dem lokalen Geschäft in Deutschland. Demgegenüber überwiegen im grenzüberschreitenden europäischen Geschäft die Abflüsse wegen Selbstdeklarationen von Kunden bei den Steuerbehörden.

Gewichtige Sonderbelastungen

Auf dem Gewinn der Bank lasteten neben den Kosten für die Integration und Restrukturierung von IWM von gegen 200 Mio. Fr. auch Abschreiber auf akquisitionsbedingten immateriellen Vermögenswerten von 101 Millionen.

Hinzu kam eine Rückstellung wegen des Doppelbesteuerungsabkommens der Schweiz mit Grossbritannien. Julius Bär hat ihre Garantiezahlung von 28 Mio. Fr. bereits im ersten Semester abgeschrieben.

Der um diese Sonderfaktoren adjustierte Konzerngewinn stieg um 19 Prozent auf 480 Mio. Franken. Der Betriebsertrag verbesserte sich um 26 Prozent auf 2,195 Mrd. Franken und die Bruttomarge blieb unverändert bei 96 Basispunkten. Mit den Ergebniszahlen liegt Julius Bär leicht über dem Schnitt der Analystenprognosen. Die Dividende soll unverändert 60 Rappen pro Aktie betragen.

Im Jahr 2014 werde sich der Fokus auf die Verbesserung der Kosteneffizienz des schnell gewachsenen Geschäfts verlagern, erklärte Konzernchef Collardi. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Vollzeitstellen um 1669 auf 5390 geklettert. Davon kamen netto 1220 von IWM. Collardi rechnet für 2014 und 2015 unverändert mit weiteren Integrationskosten von 211 Mio. Franken.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Ganz am 03.02.2014 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Abzockollardi

    Und weder einmal: Zuerst Rekordboni für Boris, danach schlechte Jahreszahlen präsentieren und den Mitarbeitern mitteilen, dass aufgrund der zahlen keine grossen Boni möglich sind. Bitte kein Mitleid mit Bankern, aber die Ungerechtigkeit zwischen den Abzockern oben und den Mitarbeitern unten ist auch hier wieder frappant.

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  • Alexander Saheb am 03.02.2014 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Programm statt Private Banker

    das private banking hat vermutlich eine goldene vergangenheit gehabt, doch die zukunft sieht wesentlich schwieriger aus. auf der einen seite eine strenge regulierung, auf der anderen Seite gibt es immer mehr rechnerbasierte Programme, die ein Portfolio mit ansprechender Performance errechnen können. kein wunder bekommt eine beraterbasierte bank da weniger neugelder rein

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alexander Saheb am 03.02.2014 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Programm statt Private Banker

    das private banking hat vermutlich eine goldene vergangenheit gehabt, doch die zukunft sieht wesentlich schwieriger aus. auf der einen seite eine strenge regulierung, auf der anderen Seite gibt es immer mehr rechnerbasierte Programme, die ein Portfolio mit ansprechender Performance errechnen können. kein wunder bekommt eine beraterbasierte bank da weniger neugelder rein

  • B. Ganz am 03.02.2014 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Abzockollardi

    Und weder einmal: Zuerst Rekordboni für Boris, danach schlechte Jahreszahlen präsentieren und den Mitarbeitern mitteilen, dass aufgrund der zahlen keine grossen Boni möglich sind. Bitte kein Mitleid mit Bankern, aber die Ungerechtigkeit zwischen den Abzockern oben und den Mitarbeitern unten ist auch hier wieder frappant.

    • Supermario am 03.02.2014 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      Grossaktionär???

      Hoffe schwer, dass Du zumindest Aktionär bei Bär bist. Ansonsten hast Du Null Grund Dich zu beschweren :-)

    • Mitarbeiter der Bankenbranche am 03.02.2014 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      Sie bringen das....

      sehr gut auf den Punkt!!! Aber die Öffentlichkeit sieht lieber alle Banker als bad guys, denn Differenzieren ist aber auch immer so mühsam!

    • Rolf am 04.02.2014 00:18 Report Diesen Beitrag melden

      Banker

      Ist ein "Mitarbeiter unten" nicht auch ein Banker? Mit dem darf man sehr wohl Mitleid haben, weil dieser sicher eine riesige Lohntüte mit nach Hause nimmt. Aber das vergessen die Leute gerne!

    • hans peter am 04.02.2014 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      geht noch weiter

      gleichzeitig noch am core der bank schrauben - der IT, damit die ausgaben angeblich minimiert werden zeugt von unternehmerischen weitblick !

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