Energie-Gewinnung

19. Juli 2014 14:03; Akt: 19.07.2014 14:03 Print

Gibt es Fracking bald auch in der Schweiz?

von Nicole Glaus - In verschiedenen europäischen Ländern wird Fracking derzeit kontrovers diskutiert. Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Technologie auch in der Schweiz Fuss fassen kann.

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Der Regierungsrat des Kantons Zürich lehnt ein generelles Fracking-Verbot explizit ab. Er betritt dabei Neuland. Denn in den Kantonen Waadt und Freiburg ist Fracking (siehe Box) bereits verboten. Auch im Kanton Bern plant die Regierung ein solches Verbot. Um sicherzustellen, dass dieses auch kommt, haben die Berner Grünen sogar eine entsprechende Initiative eingereicht. «Wir müssen solchen Projekten einen Riegel schieben, bevor sie am Laufen sind», sagt die Geschäftsführerin der Berner Grünen, Regula Tschanz. Sie ist überzeugt, eine «Lobby mit viel Geld» warte schon auf ihren Einsatz in der Schweiz. Diese zu bekämpfen, werde umso schwieriger, je länger man warte.

Die Frage, ob Fracking die Technologie der Zukunft ist, scheidet weltweit die Geister. Deutschland hält an seinem Fracking-Gesetz fest und will die Technologie vorerst nicht verbieten. Die russische Regierung forciert das Fracking vor allem in Sibirien. Auch in den USA erlebt die Technologie einen regelrechten Boom. Frankreich hingegen hat ein generelles Verbot erlassen – als einziges europäisches Land.

«Ein grosses Potenzial ist zu erwarten»

Der Geologe Peter Burri, Präsident der Schweizerischen Vereinigung von Energie-Geowissenschaftern, erklärt, heute stamme in den USA über die Hälfte von allem Gas aus sogenannten unkonventionellen Vorkommen, das nur mittels Fracking gefördert werden könne (siehe Box). «Ein ähnlich grosses Potenzial ist geologisch auch weltweit zu erwarten.»

So seien auch in der Schweiz solche Gesteine, die Öl und Gas generierten, vorhanden – vor allem im südlichen Mittelland gegen die Alpen hin. Geologisch seien die Voraussetzungen durchaus gegeben: «Aber um abzuklären, ob eine Förderung auch wirtschaftlich rentabel ist, müsste man Bohrungen machen und die Vorkommen untersuchen», so Burri. Bis jetzt sei der tiefe Untergrund der Schweiz im Gegensatz zu den Nachbarländern noch schlecht erforscht.

«Wir wären weniger abhängig vom Ausland»

Conrad Frey, der Geschäftsführer der Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl (SEAG), würde es als sinnvoll erachten, wenn die Schweiz künftig eigene Gasvorkommen erschlösse: «So wären wir weniger abhängig vom Ausland und müssten nicht viel Energie aufwenden, um das Gas über Tausende von Kilometern in die Schweiz zu transportieren.» Frey betont aber, dass die SEAG bis heute kein Fracking-Projekt in der Schublade habe.

Die SEAG mache momentan vier Bohrungen im Waadtland, um nach konventionellen Gasvorkommen zu suchen. «Würden wir keine solchen finden, dann müssten unkonventionelle Methoden allenfalls geprüft werden.» Dies stehe aber noch nicht auf der Agenda und sei noch vollkommen offen.

Der Bund plant keine Projekte

Das Bundesamt für Energie bestätigt auf Anfrage, dass es keine Fracking-Projekte unterstützt. «Der Schwerpunkt liegt derzeit bei der Erkundung des Untergrundes zur Nutzung des geothermischen Potenzials», sagt die Sprecherin Sabine Hirsbrunner. Zurzeit liefen im Rahmen der Beantwortung eines Postulats aus dem Nationalrat Abklärungen bezüglich der Umweltverträglichkeit des Fracking. Im Bericht wird der Bundesrat seine Haltung zur Technologie und einem schweizweiten Verbot von Fracking darlegen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Willi Nöd am 19.07.2014 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Fracking - NEIN Danke!

    Das wird hoffentlich gesamtschweizerisch verboten - per Gesetz. Mir ist es viel wichtiger, sauberes Trink- und Grundwasser zu haben als Energie für ein paar Jahre. Sauberes Wasser ist das Oel der Zukunft - das muss uns viel mehr Wert sein als die Augenwischereien der Energie-Lobby/Abzocker.

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  • P. S. am 19.07.2014 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Fracking ist kurzsichtig

    und spottet jeder ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit. Der Erhalt unserer natürlichen Ressourcen wie reines Grundwasser, saubere Flüsse und Seen, gesunde Böden und saubere Luft ist für uns von vitaler Bedeutung. Wir haben in der schönen Schweiz keinerei Raum für einen solchen Unsinn! Politiker und Parteien, die solches bei uns befürworten gehören abgewählt.

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  • Valentin am 19.07.2014 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Grundwasser Adee

    Eine einzige Bohrung verbraucht ca. 1Mio Liter Wasser. (!) 4% davon sind Chemikalien, also 40'000L zum Teil sehr Umweltschädliche Substanzen in den Boden Pumpen und somit unser Grundwasser (die Chemikalien steigen mit dem Gas durch die Gesteinsschichten nach oben) zu verseuchen um ein bischen Gas zu Gewinnen... Das muss unbedingt verhindert werden, und ich hoffe die Schweiz ist schlau genug!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabio palma am 24.10.2014 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gasland USA

    Achtung Leute, das brauchen wir nicht. Wisst Ihr wie man das Fracking macht? Es werden über 500 verschiedene Chemikalien mittels Pipelines in dem Boden gepumpt mit sehr viel Wasser. Dann entstehen kleine Erdbeben und das trinkwasser wird untrinkbar. Wer sich eine Idee machen will sollte unbedingt die Doku von ARTE auf Youtube schauen: 'Gasland'.

  • dago am 21.07.2014 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht heuchlerisch sein!

    Wer von euch die gegen Fracking sind fährt auto, Lebt in einem Haus oder Wohnung mit gas oder ÖL Heizung? Nutzt Strom von einem Konzer mit Gas Produziert? Nicht dass wir hier fracking erlauben sollen aber wenn wir es brauchen dann sollte man es zu lassen, aber eigentlich egal lieber wo anders nicht bei uns, aber wenn ihr all die oberen dinge nicht nutzt, dann könnt ihr von mir aus gegen Fracking sein.

    • Jones-Man am 22.07.2014 12:19 Report Diesen Beitrag melden

      Investitionsminderung = Meinungsmache

      Hy Dago, Ok, ich soll nicht heuchlerisch sein? Wie soll ich dann je etwas ändern können? Vergiss nicht, dass wir in eine System geboren werden! Wie ist denn das mit dem Öl? Kann man 100% darauf verzichten? NEIN noch NICHT. Jetzt haben wir ja aber erst gemerkt, dass da ein Problem ist. Nun NICHT darüber zu diskutieren wäre heuchlerisch! Schau, ich sage ja auch, ich will in einer beheizten Wohnung leben, es gibt aber genügend alternativen die wir realisieren könnten. Ohne Erdöl und ohne Fracking! Jedoch liegt das nicht im Interesse von Konzernen... Wie man so schön sagt, Investitionsminderung..

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  • Claudia am 21.07.2014 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Initiative für Bundesgesetz

    Zürich möchte kein generelles Verbot... Wo wollen die denn bitteschön fracken? Unterm See oder bei Tina Turner im Garten? Verstehe nicht warum man das den Kantonen überlässt. Dann gibt es nur wieder 26 verschiedene Gesetze mit 100 Ausnahmen. Die 100.000 Unterschriften für eine Gesetzes Initiative für ein bundesweites Verbot müssten doch locker zusammen zu kriegen sein.

  • T. M. am 20.07.2014 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Widersprüche

    Finde es tragisch, dass sich ein führendes Land wohl aus geostrategischen Gründen wie die USA dermassen dem Fracking verschreibt. Die Zukunft wird zeigen, ob das klug war oder nicht. Andrerseits verhelfen die Staaten dem Elektromobil mit Tesla und v.a.m. zum Durchbruch und setzen so manchen Umweltstandard. Die Schweiz hat hinsichtlich alternativer und erneuerbarer Energien intakte und wegweisende Chancen. Wetten, irgendwann ziehen alle am gleichen Strick. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät.

  • Ego zurücknehmen am 20.07.2014 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Willi Nöd

    Mich würden die Argumente gegen diesen Kommentar interessieren. Seid ihr für Fracking und wenn ja, warum? Kurzfristiger Gewinn? Angst, weil die natürlichen Ressourcen nicht ewig halten? Gleichgültigkeit, was mit der Umwelt und nach euch passiert? Hoffen, die anderen wissen schon, was sie tun? Nach mir die Sintflut? Erklärt euch bitte. Als Anregung: Was wäre, wenn ihr wiedergeboren würdet? Vielleicht in einem bitterarmen Land oder in einer völlig zerstörten Umwelt.